Knaxiade, Kinderaktionstage und Bewegungspass

Spospito aus Kempten: Vater-Sohn-Duo bewegt Kinder in ganz Deutschland

Das Allgäuer Vater-Sohn-Duo Reinhard (67) und Thomas (38) Gansert bringen mit ihren Aktionen tausende Kinder in Bewegung. Dafür wurden sie nun auch ausgezeichnet.

Das Allgäuer Vater-Sohn-Duo Reinhard (67) und Thomas (38) Gansert bringen mit ihren Aktionen tausende Kinder in Bewegung. Dafür wurden sie nun auch ausgezeichnet.

Bild: Matthias Becker

Das Allgäuer Vater-Sohn-Duo Reinhard (67) und Thomas (38) Gansert bringen mit ihren Aktionen tausende Kinder in Bewegung. Dafür wurden sie nun auch ausgezeichnet.

Bild: Matthias Becker

Reinhard und Thomas Gansert bringen als „Spospito“ Kinder in ganz Deutschland in Schwung. Das neueste Projekt der Kemptener schützt Gesundheit und Klima.
17.05.2022 | Stand: 11:00 Uhr

Ob Knaxiade oder etwa die Kinderaktionstage: Veranstaltungen für Kinder wie diese sind vielen Oberallgäuer und Kemptener Familien ein Begriff. Tausende Buben und Mädchen werden so jährlich in Bewegung gebracht. Organisiert wird all das von einem Vater-Sohn-Duo aus der Region: Reinhard (67) und Thomas (38) Gansert.

Vom Dachgeschoss von Reinhart Ganserts Haus in Kempten aus wickeln die beiden Aktionen in ganz Deutschland ab. Drei Standbeine haben sie mittlerweile: die Knaxiade in Zusammenarbeit mit den Sparkassen, die „Kinderaktionstage“ und das neueste Konzept, der „Bewegungspass“. Das Geschäftsmodell: Die teilnehmenden Kinder können die Angebote kostenfrei nutzen, die Einnahmen stammen von Sponsoren wie etwa Banken.

Spospito aus Kempten ist bekannt für die Knaxiade, die Kinderaktionstage und den Bewegungspass

Bis Vater und Sohn heute davon leben können, war es eine lange Entwicklung. Ihren Anfang hat sie 1991 genommen. Nachdem Reinhard Gansert Sport und Wirtschaft auf Lehramt studiert hatte, wurden für seine Fächerkombination in Bayern keine Lehrer eingestellt. Über einen Freund kam er dazu, für den Turnverband in Schwaben Fortbildungen an Kindergärten zu geben, um den schon damals auftretenden motorischen Defiziten bei Kindern entgegenzuwirken. Entgegen Ganserts Erwartungen hielt das Interesse an den Fortbildungen an, bis schließlich eine „Highlight-Veranstaltung“ gefragt war. So entwickelte Gansert vor 30 Jahren das, was aufgrund einer Zusammenarbeit mit der Sparkasse dann als „Knaxiade“ bekannt wurde.

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Seither haben knapp 1,5 Millionen Kinder in Bayern teilgenommen, zwei Drittel der Kindergärten machen mit, sagt Gansert. Im Jahr seien das 850 bis 900 Einrichtungen. Sie erhalten Unterlagen und Materialien, um aus einer Vielzahl an Ideen ihr individuelles Bewegungs-Programm zusammenzustellen – ganz an die Voraussetzungen der Einrichtung angepasst. Ein Beispiel ist „Didi der Jongleur“, bei dem Kinder einen Ball in einem Joghurtbecher auffangen. Es gehe darum, mit Alltagsmaterialien ohne großen Aufwand zu Bewegung zu animieren.

Die „Kinderaktionstage“ sind eines von drei Standbeinen von „Spospito“. Der Firmen-Name ist eine Abkürzung von "Sporteln-Spielen-Toben".
Die „Kinderaktionstage“ sind eines von drei Standbeinen von „Spospito“. Der Firmen-Name ist eine Abkürzung von "Sporteln-Spielen-Toben".
Bild: Thomas Gansert

Bei einer seiner Fortbildungen zeigte Gansert 2003, wie man die in einer Turnhalle vorhandenen Geräte zu einer „Bewegungslandschaft“ kombiniert. Nach dem Kurs wurde diese Kindern überlassen – was so gut ankam, dass Gansert die Idee 2011 wieder aufgriff, als sein Sohn Thomas Gansert sein BWL-Studium beendet hatte. Gemeinsam reifte der Entschluss, diese so gut angenommene Bewegungslandschaft als eigenes Konzept anzubieten. So stieg der Sohn ein – und die „Kinderaktionstage“ waren geboren.

Spospito: Mit dem "Bewegungspass" sagen die Kemptener Elterntaxis den Kampf an

2019 entwickelte Thomas Gansert schließlich mit dem „Bewegungspass“ das dritte Standbein. Ausgangspunkt war das Problem, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, Stichwort „Elterntaxi“. Das Konzept des Bewegungspasses sieht vor, dass Kinder zwischen Ostern und Pfingsten an 20 Tagen den Schulweg aus eigener Kraft zurücklegen.

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Das erste Jahr brachte mit vier Pilotschulen positive Rückmeldungen, 2020 fiel das Projekt aufgrund der Pandemie aus. 2021 nahmen bereits 18.000 Schüler in Bayern und Baden-Württemberg teil, heuer sind es über 400 Schulen mit 75.000 Kindern in sieben Bundesländern, sagt Thomas Gansert. Unter den teilnehmenden Kindern werden gesponsorte Preise wie Rucksäcke und Tretroller verlost. Das Konzept brachte dem Vater-Sohn-Duo nun auch den Landessieg bei einem Wettbewerb der DAK-Gesundheitskasse ein.

Vater und Sohn bei Spospito: Knaxiade, Kinderaktionstage und Bewegungspass - was kommt als nächstes?

Die Teilzeitstelle als Sportlehrer, die Reinhard Gansert dann doch noch erlangte, hat er mittlerweile aufgegeben. Auch bei Spospito will der 67-Jährige nach und nach kürzer treten. Sohn Thomas dagegen hat schon konkrete Vorstellungen, wie es weitergehen soll: Im kommenden Jahr soll sich die Teilnehmerzahl des Bewegungspasses verdoppeln, dann werden weitere helfende Hände nötig. Ist das erreicht, sollen 2023 auch wieder Kinderaktionstage starten.

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