Kriminalität im Allgäu

Staatsanwaltschaft Kempten und Bundespolizei sprengen internationale Schleuserorganisation

Bei einem Großeinsatz in ganz Deutschland hat die Polizei eine Schleuserbande auffliegen lassen. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten.

Bei einem Großeinsatz in ganz Deutschland hat die Polizei eine Schleuserbande auffliegen lassen. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten.

Bild: Alf Geiger (Symbolbild)

Bei einem Großeinsatz in ganz Deutschland hat die Polizei eine Schleuserbande auffliegen lassen. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten.

Bild: Alf Geiger (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft Kempten und die Bundespolizei lassen eine Schleuserbande auffliegen. Dabei sind mehr als 400 Beamte im Einsatz.
19.01.2021 | Stand: 16:18 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Kempten und die Bundespolizei haben eine Schleuserorganisation aufgedeckt: Seit Dienstagmorgen vollstreckt die Bundespolizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft in Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle gegen international agierende Schlepper. Dabei sind in Berlin, Salzgitter, Twistringen bei Bremen, Osnabrück, Hamm, Duisburg, Wuppertal und Marburg mehr als 400 Beamte im Einsatz.

Bande schleuste mindestens 140 Personen ein

Im Hintergrund stehen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten in Zusammenarbeit mit der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München, nach denen die Bande seit mindestens April 2019 Schleusungen über die sogenannte Balkanroute organisierte und durchführte. Zurzeit werden den 19 Beschuldigten, bei denen es sich um syrische, libanesische und lybische Staatsangehörige im Alter zwischen 21 und 44 Jahren handelt, mindestens 23 Fälle des Einschleusens von Ausländern vorgeworfen. Gegen Bezahlung hoher Geldbeträge haben sie mutmaßlich 140 Personen überwiegend syrischer Herkunft mittels Kleintransportern und Autos eingeschleust. Die Täter gingen überaus planvoll und sehr professionell vor, berichtet die Polizei: Tatorte wurden umfangreich aufgeklärt, es kam zum Einsatz von sogenannten "Scouts", also vorausfahrenden Fahrzeugen zur Meldung von Polizeikontrollen. Die Grenzen übertraten die Gruppen oft zu Fuß. Der Bandenchef koordinierte die Schleuser dabei regelmäßig minutiös via Smartphone, jedoch aus sicherer Entfernung. (Lesen Sie auch: Drei Männer auf stinkenden Tierhäuten durch Europa geschleust)

Wichtige Gegenstände in der Ermittlung: die Smartphones der Schleuser

Auf die Schliche kam die Bundespolizei den Schleppern im August 2019 nach der Festnahme eines Schleuserfahrers der Bande auf frischer Tat auf der A 7 bei Füssen. Die Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Kempten zur Bekämpfung der internationalen Schleuserkriminalität führte die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden in Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden sowie in Belgien. Zudem wurden die Ermittlungen durch Europol unterstützt. Dadurch konnte der Kopf der Schleuserbande bereits im Dezember in Österreich festgenommen werden, dessen Auslieferung aus Österreich angestrebt wird.

Anhand der Ergebnisse der umfangreichen Ermittlungen erließ das Amtsgericht Kempten nun gegen die weiteren Bandenmitglieder unter anderem elf Durchsuchungsbeschlüsse und sieben Haftbefehle. Bei dem Großeinsatz am Dienstag, an dem auch Kollegen des österreichischen Bundeskriminalamtes teilnehmen,wurden fünf Untersuchungshaftbefehle vollstreckt und Beweismaterial sichergestellt, darunter die bei der Tatausführung genutzten Smartphones.

Die Ermittlungen dauern an, aufgrund der laufenden polizeilichen Maßnahmen können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.

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