Tänzerin geht nach Afrika

Tanz-Projekt für Afrika: Warum Kaija Klug vier Wochen in Nigeria arbeitet

Arbeitet derzeit mit Jugendlichen in Afrika: Kaija Klug.

Arbeitet derzeit mit Jugendlichen in Afrika: Kaija Klug.

Bild: Matthias Becker

Arbeitet derzeit mit Jugendlichen in Afrika: Kaija Klug.

Bild: Matthias Becker

Tanz-Pädagogin Kaija Klug aus Kempten arbeitet vier Wochen lang mit Jugendlichen in Nigeria. Sie schägt damit eine Brücke vom Allgäu nach Afrika.
08.04.2023 | Stand: 17:15 Uhr

Mit einer Liveschalte nach Afrika startete Kaija Klug vom Kari-Tanzhaus ein sozio-kulturelles Tanzprojekt, das sie in diesen Wochen in Nigeria umsetzt. Fast 50 Kinder der Grundschule Kottern/Eich, an der sie als Lehrkraft eine Klasse leitet, führten vor den Ferien einen „Save Food“-Tanz auf. Den hatte die Kemptener Pädagogin bereits im vergangen Jahr gestaltet und an mehreren Schulen gezeigt, um bei Kindern ein Bewusstsein für Verschwendung und Lebensmittelrettung zu entwickeln. Am anderen Ende der Leitung sahen Kinder und Jugendliche in der nigerianischen Großstadt Lagos den Tanz und nahmen jubelnd die Grüße entgegen, die einzelne Grundschüler über Internet sendeten.

Mit dieser Aktion möchte Kaija Klug die Kinder beider Kontinente in Kontakt bringen und eine „Brieffreundschaft online“ etablieren. Sie hielt dabei ein großes Herz aus Stoff in die Kamera. Als Zeichen der emotionalen Verbundenheit hat sie es mit auf die Reise nach Afrika genommen.

Ein Tanz der Brücken schlägt: Michael Ejinkeonye aus Nigeria und Kaija Klug aus Kempten
Ein Tanz der Brücken schlägt: Michael Ejinkeonye aus Nigeria und Kaija Klug aus Kempten
Bild: Roland Schraut (Archiv)

Mit Beginn der Osterferien startete die engagierte Tänzerin und Lehrerin mit Jugendlichen aus Armenvierteln in Lagos ein Tanzprojekt zu Müll und Müllvermeidung. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger möchte sie dafür sensibilisieren, dass Müll nicht auf die Straße gehöre, sagte sie vor ihrer Abreise.

Viel wichtiger sei ihr jedoch der soziale Aspekt des Projektes, denn die Straßenkinder der Slums bekommen eine Mahlzeit pro Tag und Trinken. Am Ende des Projektes soll es dann eine Gegenschalte aus Afrika nach Deutschland geben, damit die Kinder aus ihrer Grundschule an den Ergebnissen der Arbeit teilhaben können.

Ein Empfehlungsschreiben von Oberbürgermeister Thomas Kiechle half Kaija Klug

Die Anerkennung ihres pädagogisch wertvollen Projektes bei Schulamt und Förderstellen sei schwierig gewesen. Doch letztendlich bekam sie durch im Voraus geleisteten Unterricht und ein Empfehlungsschreiben von Oberbürgermeister Thomas Kiechle die Erlaubnis, über die Ferien hinaus ihr vierwöchiges Herzens-Projekt zu verwirklichen. Finanziell sei aber einiges offen. Bis kurz vor der Abreise wusste Kaija Klug nicht, wie sie die Mahlzeiten für die Jugendlichen in Lagos bezahlen soll. Deshalb sucht sie noch Paten und Patinnen, die ihr Projekt unterstützen und 60 Jugendlichen eine vollständige Mahlzeit ermöglichen.

Richard und Kaija Klug haben über Jahre hinweg eine Verbindung zu Tänzern in Afrika aufgebaut

Kaija und Richard Klug vom Kari-Tanzhaus in Kempten haben über Jahre hinweg eine Verbindung zu afrikanischen Tänzern in Nigeria aufgebaut. Beide besuchten Lagos mehrmals für Tanzprojekte, und es kommen immer wieder Choreografen und Choreografinnen aus dem Land nach Kempten. Gerade ist Luka Emmanuel Musa für drei Wochen „Artist in Residence“ am Kari-Tanzhaus und bereitet die Performance „Aurora“ für das Tanzherbst-Festival vor.

Der nigeranische Tänzer Michael Ejinkeonye wird das Projekt in Lagos begleiten

Ansprechpartner von Kaija Klug in Lagos ist Michael Ejinkeonye. Er war bereits mit seiner Odido Dance Company in Kempten und eröffnete 2021 den Tanzherbst. Er wird das Projekt mit den Jugendlichen in Lagos begleiten. Ein weiteres Projekt erarbeitet Klug mit Studenten der Ausbildungsschule „Span“ in Lagos.

Das Ergebnis wird am „Welttag des Tanzes“ am 29. April im Freedom Park der Megastadt aufgeführt. Das sei eine große Ehre, denn das ehemalige Gefängnisareal ist heute für Nigeria ein wichtiger Ort der kolonialen Unabhängigkeit und des kulturellen Austausches.