Bewegung

Von der Taufpatin zur Tanzpatin: Anna Werner aus Kempten ermöglicht zwei geflüchteten Kindern einen Hip-Hop-Kurs

Anna Werner und ihre Mutter Gitti Brenninger ermöglichen Precious und Marvelous aus Nigeria einen Hip-Hop-Kurs im Kari-Tanzhaus.

Anna Werner besucht Marvelous und Precious zuhause. Hier sind sie mit ihrer kleinen Schwester Tiffany zu sehen.

Bild: Blessing Imafidon

Anna Werner besucht Marvelous und Precious zuhause. Hier sind sie mit ihrer kleinen Schwester Tiffany zu sehen.

Bild: Blessing Imafidon

Anna Werner hat Precious (9) und ihren Bruder Marvelous (7) seit ihrer Taufe begleitet. Wie auch andere Kinder durch Tanzen gefördert werden können.
22.12.2021 | Stand: 15:54 Uhr

„Precious hat wahnsinnig viel Energie“, sagt Anna Werner über ihr Patenkind. Das merkt man sofort, als die Neunjährige zur Tür des Tanzstudios in Kempten hereinkommt. Sie flitzt in die Umkleidekabine und steht schon kurze Zeit später mit Hip-Hop-Lehrer Lenny Conrath und den anderen Teilnehmenden vor dem großen Spiegel im Tanzsaal. Die Bewegungen fallen ihr leicht – sie ist, wie man so schön sagt, im „Flow“. Normalerweise wäre auch Precious’ Bruder, der siebenjährige Marvelous mit dabei. Doch an diesem Tag fühlt er sich nicht gut und ist zuhause geblieben.

Precious powert sich beim Hip-Hop-Training mit Lenny Conrath (hinten) aus. Mit dabei sind Greta Kropp und Samuel Bruland.
Precious powert sich beim Hip-Hop-Training mit Lenny Conrath (hinten) aus. Mit dabei sind Greta Kropp und Samuel Bruland.
Bild: Matthias Becker

Precious und Marvelous stammen aus Nigeria. Ihre Mutter flüchtete nach Deutschland, da war sie mit dem Jungen schwanger und das Mädchen zwei Jahre alt. In Kempten angekommen, wollte Blessing Imafidon ihre Kinder in der Pfarrei St. Michael taufen lassen und suchte nach Taufpaten.

Anna Werner aus Kempten: "Wir sind Freunde geworden"

„Ich wollte das dann gerne machen“, erzählt Anna Werner. Damals wohnte die 24-Jährige noch in Kempten, heute studiert sie Informatik in München. Sie trifft sich seither regelmäßig mit der Familie, spielt mit ihren Patenkindern, hilft bei den Hausaufgaben oder nimmt sie mit auf Ausflüge ins Cambomare. „Wir sind Freunde geworden.“

Weil sie als Kind selbst viel getanzt habe, kam ihr die Idee, dass das Precious und Marvelous doch auch Spaß machen könnte. Denn bis vor Kurzem noch habe sich die Familie eine Wohnung mit jemand anderem geteilt, hatte nur eineinhalb Zimmer für sich, erzählt Werner. Inzwischen sei die Familie zwar umgezogen, aber nach wie vor seien die Verhältnisse beengt. (Lesen Sie auch: Was die Kirchenmusiker in Kempten an den Feiertagen planen)

Mutter Gitti Brenninger übernimmt die Tanzkurs-Kosten

Als dann im Herbst die Odido Dance Company aus Nigeria beim Tanzherbst des Kari-Tanzhauses gastierte, habe einer der Tänzer einen Hip-Hop-Kurs angeboten, erzählt Gitti Brenninger, Anna Werners Mutter. Precious sei angemeldet gewesen, habe dann aber wegen eines Corona-Falls in ihrer Klasse doch nicht teilnehmen können. Schlussendlich entschied Gitti Brenninger, die Kosten für einen regulären Hip-Hop-Kurs zu übernehmen. „Ich möchte ihnen helfen, es ein bisschen besser zu haben“, sagt Anna Werner. „Dass sie auf andere Gedanken und mal raus kommen.“

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Kaija Klug, die mit ihrem Mann Richard das Kari-Tanzhaus betreibt, würde sich wünschen, dass noch mehr Kinder eine Gelegenheit wie Precious und Marvelous bekommen. Klug arbeitet als Grundschullehrerin an der Grundschule Kottern-Eich und betreut dort eine kostenlose Tanz-AG. Geflüchtete Kinder seien oft emotional und sozial belastet. „Beim Tanzen merkt man, wie das alles von ihnen abfällt“, sagt sie.

Viele von ihnen lebten wie Precious und Marvelous auf engem Raum. „Da ist es schön, wenn sie gerade in der Corona-Zeit etwas haben, wo sie sich bewegen und sozial integrieren können.“ Tanzen funktioniere ohne Worte, betont die Lehrerin. „Die Sprache ist da egal.“

Drei Schüler aus Kempten mit Bewegungspotenzial

Klug denkt konkret an zwei Mädchen und einen Jungen aus Eritrea, die in ihrer AG tanzen. „Alle Drei sind große Bewegungstalente“, sagt sie. Es sei möglich, die monatlichen Kurskosten für alle drei oder für eines der Kinder zu übernehmen. Die Lehrerin hofft, dass das Beispiel von Anna Werner und ihrer Mutter Nachahmer findet.

Aber was sagt eigentlich Precious selbst zu ihrem neuen Hobby? „Tanzen ist das Beste. Es macht mich glücklich und inspiriert mich. Die Moves sind toll.“

Tanzpate in Kempten werden

Wer Tanzpate werden möchte, kann sich für weitere Informationen an das Kari-Tanzhaus in Kempten wenden, Telefon 0831/23582, E-Mail: info@kari-tanzhaus.de

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