Kempten

Tierfriedhof: „Daumen hoch für diese Idee“

Eine würdige Grabstätte für das Haustier wünschen sich viele.

Eine würdige Grabstätte für das Haustier wünschen sich viele.

Bild: Zoepf (Archiv)

Eine würdige Grabstätte für das Haustier wünschen sich viele.

Bild: Zoepf (Archiv)

Der Vorschlag, auf dem Zentralfriedhof Gräber für Tiere auszuweisen, stößt vielfach auf positive Resonanz. Doch es ist auch von Geschmacklosigkeit die Rede.
02.11.2020 | Stand: 18:30 Uhr

„Super, schön, toll“ – so finden AZ- Leserinnen und Leser die Idee von CSU-Stadtrat Peter Wagenbrenner, auf dem Zentralfriedhof in Kempten Gräber für Tiere auszuweisen. Nur wenige der zahlreichen Kemptener und Oberallgäuer, die sich bei unserer Umfrage beteiligten, halten Tiergräber in der Nachbarschaft von Gräbern mit menschlichen Leichnamen für ungeeignet. Die Mehrheit befürwortet eine solche Form der letzten Ruhestätten für das Haustier.

Weil Flächen am Rand des Zentralfriedhofs brachliegen, hat Wagenbrenner die Umnutzung dieser Bereiche in Tiergräber vorgeschlagen. Momentan prüft das Rechtsamt der Stadt diese Möglichkeit.

Pro Aus Sicht zahlreicher Leserinnen und Leser wäre ein Tierfriedhof eine Bereicherung. Denn ohne Garten, in dem es erlaubt ist, die Asche eines Kleintieres zu verstreuen, gibt es für tote Tiere nur den letzten Weg in die Tierkörperverwertung. Doch das finden viele „furchtbar“ (so Estefania Gli). Oft gilt das Tier als geliebter Mitbewohner. Für die alleinstehende Nadine Hailer bereichern ihr Hund und ihre zwei Katzen ihr Leben. Sie wäre dankbar, nach deren Tod einen Ort zur Bestattung zu haben, wo sie die Tiere besuchen kann.

Zum "Wohl aller Tierbesitzer"

Auch für Menschen mit Schwerbehinderung, schreibt eine Betroffene, seien Tiere treue Begleiter zeit ihres Lebens und fast wie Familienmitglieder. Doch irgendwann stehe jeder Tierbesitzer vor der Entscheidung, was mit dem verstorbenen Tier geschehen soll. Edith Schleyer hat schon mehrfach überlegen müssen, wie sie sich von ihrem „geliebten Hund“ verabschieden soll. Die Bestattung im Garten sei in einer Wohnanlage nicht erlaubt. Ein Tierfriedhof wäre eine Lösung zum „Wohl aller Tierbesitzer“.

Diese Idee sollte definitiv verfolgt und auf Machbarkeit geprüft werden, findet Alexander Endres (Durach). Die Leerflächen auf dem Zentralfriedhof brachliegen zu lassen sei weder eine wirtschaftlich sinnvolle noch ästhetische Option. „Super“ findet deshalb auch Roland Kunzmann die Tierfriedhof-Idee. Tiere würden für viele zur Familie gehören. Sie sind „Gottes Geschöpf“, sagen Karin und Rainer Lang. Seit 50 Jahren haben sie Hunde, „die wie Kinder für uns sind“.

Wichtige Anlaufstelle

Für eine Bereicherung hält auch Ernst Hauschild (Kempten) einen Tierfriedhof. Er sollte allerdings in ausreichendem Abstand zu den eigentlichen Grabstätten sein und separat umzäunt werden. Als „wunderbare Idee“ bewertet Irmi Wetzel den Vorschlag Wagenbrenners. Viele Menschen hätten eine innige Beziehung zu ihren Tieren. Sie seien nun mal Familienmitglieder, helfen oft gegen Einsamkeit, sagt Pia Reisacher. Diesen treuen Gefährten ein Grab geben zu können und eine Anlaufstelle zu haben, sei genauso wichtig wie bei Menschen. Deshalb „Daumen hoch für diese Idee“, schreibt Resi Ege (Lauben). Dem schließt sich Familie Siegert (Kempten) an. Für sie wäre es schlimm, ihre Hunde in Kraftisried (Tierkörperverwertung) „entsorgen“ zu müssen. Für viele sei ein Tier nicht nur ein treuer Wegbegleiter, sondern oftmals sogar Ersatz für einen verstorbenen Partner, sagt Susanne Welz. Sie bittet, dem Tierfriedhof eine Chance zu geben. Man wolle auch bei Hund und Katz am Grab stehen, wünscht Birgit Straub-Pohl.

Contra „Ein Friedhof bleibt verstorbenen Menschen vorbehalten“, finden dagegen Renate und Eberhard Kinzer. So sehr man verstehe, dass ein Tier als Freund oder Familienmitglied gesehen werde, sollte sich doch ein separater Ort mit angemessenem Namen finden lassen. Laut Sabine Schwarzer gibt es bestimmt Alternativen. Tiergräber auf dem Zentralfriedhof seien geschmacklos. Sie sind für Hans-Jürgen Mai sogar der „Gipfel der Geschmacklosigkeit“. Der Friedhof sei ein religiöser Ort, das Begräbnis eine religiöse Zeremonie, begründet Martin Walter seine Ablehnung.

Brigitte Höchenberger und Ernst Herbschleb wiederum können sich einen Tierfriedhof in besagtem Bereich vorstellen. Allerdings nur, wenn er getrennt vom Menschenbestattungsbereich sei.