Hitzewellen und wenig Regen

Trockene Zeiten? So steht es ums Grundwasser in Kempten und dem Oberallgäu

Im Mai kam bisher einiger Regen von oben, was die Natur dringend gebraucht hat. Aber auch in Kempten und im Oberallgäu ließen trockene Phasen in den vergangenen Jahren an manchen Orten Quellen versiegen und Böden austrocknen. Die Trinkwasserversorgung sehen die Verantwortlichen des Fernwasserverbands Oberes Allgäu bisher aber als gesichert an.

Im Mai kam bisher einiger Regen von oben, was die Natur dringend gebraucht hat. Aber auch in Kempten und im Oberallgäu ließen trockene Phasen in den vergangenen Jahren an manchen Orten Quellen versiegen und Böden austrocknen. Die Trinkwasserversorgung sehen die Verantwortlichen des Fernwasserverbands Oberes Allgäu bisher aber als gesichert an.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Im Mai kam bisher einiger Regen von oben, was die Natur dringend gebraucht hat. Aber auch in Kempten und im Oberallgäu ließen trockene Phasen in den vergangenen Jahren an manchen Orten Quellen versiegen und Böden austrocknen. Die Trinkwasserversorgung sehen die Verantwortlichen des Fernwasserverbands Oberes Allgäu bisher aber als gesichert an.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Grundwasserstände in Kempten und im Oberallgäu sind niedrig. "Wir bräuchten nasse Jahre", sagt ein Allgäuer Experte - und verweist auf Nachschub aus den Bergen.
09.05.2022 | Stand: 18:05 Uhr

Erst schneite es im Winter wenig. Dann folgten warme März-Wochen ohne Regen, Nun tobt in Indien eine extreme Hitze mit Rekordtemperaturen. Auch auf Europa rollt laut Vorhersagen eine Hitzewelle zu, mit über 30 Grad in Spanien. Das weckt Erinnerungen an heiße, trockene Vorjahre, in denen im Oberallgäu mangels Regen mancherorts sogar Quellen versiegten. Wie steht es um die Wasserversorgung – droht womöglich eine neue Wasserknappheit?

Lage beim Fernwasser ist im Allgäu "entspannt", trockener Frühling bereitet hingegen Sorgen

Der Wasserstand in den Böden habe sich in der Region noch immer nicht vollständig von den Trockenzeiten der Jahre 2018/2019 erholt, sagt Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten. An der Messstelle Ortwang (Burgberg) stand der Grundwasserspiegel zuletzt auf „niedrig“. Das ist laut dem Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern ein halber Meter tiefer als Anfang Mai üblich. Schon seit Monaten liegt der Stand (abgesehen von einzelnen Spitzen) unter dem Mittelwert. Auch andere Messstellen im Oberallgäu zeigten in den vergangenen Tagen niedrige bis sehr niedrige Werte an. Etwas Sorge macht es Schindele, dass 2022 mit einem so trockenen Frühjahr loslegte, da man nicht wisse, was der Sommer bringt. Sollte sich die Entwicklung über Jahre fortsetzen, könne es trotz des großen Puffers im Illertal irgendwann kritisch werden. „Wir bräuchten mal wieder ein paar nasse Jahre.“

Markus Spetlak, Geschäftsleiter des Fernwasserverbands Oberes Allgäu, geht dennoch „relativ entspannt“ ins Jahr 2022. Der Verband versorgt Kempten und viele weitere Kommunen. Die Niederschläge aus den umgebenden Bergen brächten so großen Nachschub, dass aus dem Grundwasser-Vorkommen im oberen Illertal sogar extrem viel ungenutzt ablaufe. Die Pegelstände an den zwei Brunnen in Altstädten und dem in Ortwang lägen im normalen Bereich. Um die acht Millionen Kubikmeter, mal mehr, mal weniger, fördert der Verband jährlich. Erlaubt sind ihm sogar bis zu 11,4 Millionen im Illertal und 220.000 Kubikmeter in Seebach (Haldenwang). Technisch möglich wäre mit den bestehenden Pumpen viel mehr.

Einige Gemeinde im Oberallgäu können sich kaum noch selbst mit Wasser versorgen

Schon nach dem Trockenjahr 2018 hätten Mitgliedsgemeinden ihre Abnahmeverträge um 460.000 Kubikmeter Wasser erhöht, sagt Spetlak. Und es kamen weitere Kunden dazu, etwa weil ihre Quellen weniger Wasser lieferten, Eigenversorgungen endeten oder auch nur, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten. Neuestes Mitglied ist seit Dezember Haldenwang.

Orte, die in den vergangenen fünf Jahren bei ihrer Eigenversorgung spürbare Engpässe gehabt hätten, müssten sich Gedanken machen, wie es weiter gehen soll, rät Spetlak. Viele Städte und Gemeinden fahren längst zweigleisig, beziehen Wasser aus eigenen Quellen und vom Fernwasserverband. Die Anteile sind dabei höchst unterschiedlich. Sonthofen, das sozusagen mitten auf dem Grundwasserberg sitzt, nutzt vor allem selbst gefördertes Wasser, ist aber auch Mitglied im Verband. Kempten bezieht laut Christian Lakeberg, technischer Leiter beim städtischen Kommunalunternehmen „KKU“, aktuell 80 Prozent seines Wassers vom Zweckverband. Dazu kommen zwei eigene Versorgungen: Bei Leubas sei der Wasserstand im Moment nicht auffällig. In Fleschützen bei Börwang fließt aber derzeit etwa ein Drittel weniger Wasser zusammen als im Durchschnitt. Und wenn die Versorgung versiegt? Kein Problem, sagt KKU-Chef Thomas Siedersberger. Die Stadt könnte auch 100 Prozent vom Fernwasserverband beziehen.

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Daher kommt das viele Fernwasser im Allgäu

  • Die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu nutzt vor allem das Grundwasser im Iller- und Ostrachtal bei Sonthofen. Der Verband spricht von einem der ergiebigsten Vorkommen am Alpenrand.
  • Das Illertal bei Sonthofen ist demnach unter der heutigen Taloberfläche bis zu etwa 150 Meter tief in den felsigen Untergrund eingeschnitten. Die Hohlform ist mit Seeton und sehr gut durchlässigen sandigen Kiesen gefüllt. Geschäftsleiter Markus Spetlak vergleicht das mit einem riesigen Schwamm. Während die Kiesschicht in Höhe von Ortwang-Burgberg noch zwei Kilometer breit ist, sinkt sie nördlich von Ortwang fast bis auf Illerbreite ab. Zwischen Grünten und Mittag bildet undurchlässiger Fels eine natürliche Barriere und einen Flaschenhals.
  • Also bewirken vor allem drei Faktoren den Anstau des Grundwassers: der undurchlässige Molasseriegel zwischen Blaichach und Burgberg, das hoch gelegene Einzugsgebiet im Süden sowie die Abdeckung und Einengung des Grundwasserstroms durch Seeton.

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