Verkehr in Kempten

Verkehrswende in Kempten: Hat die Salzstraße für Autos bald ausgedient?

Salzstraße Kempten

Auf der Salzstraße, eine wichtige Nord-Süd-Achse in Kempten, dominieren Autos. Wie soll die Straße künftig aussehen, damit auch Radler die Strecke sicher nutzen können und Fußgänger sich ebenso wohlfühlen?

Bild: Martina Diemand

Auf der Salzstraße, eine wichtige Nord-Süd-Achse in Kempten, dominieren Autos. Wie soll die Straße künftig aussehen, damit auch Radler die Strecke sicher nutzen können und Fußgänger sich ebenso wohlfühlen?

Bild: Martina Diemand

15.000 Autos rollen täglich auf der Salzstraße. Der Freundeskreis lebenswertes Kempten möchte Straßenraum für Radler und Fußgänger zurückerobern.
02.03.2022 | Stand: 11:19 Uhr

500 Meter misst die Salzstraße vom Hotel Peterhof bis zum Stiftsplatz bei der Basilika. Sie ist Teil der zentralen Nord-Süd-Achse durch die Innenstadt, knüpft im Süden an die B19 an. 15.000 Autos und Laster rollen täglich über die Salzstraße. Für Radler und Fußgänger ist das keine Traumroute. Welche Rolle soll der Abschnitt künftig spielen? Die Frage treibt den „Freundeskreis lebenswertes Kempten“ um. Er diskutierte mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), wie Menschen andernorts Straßenraum zurückerobern.

Ziel der Überlegungen sei, die Salzstraße für Fußgänger und Radler aufzuwerten. Auch der Stiftsplatz ließe sich vielleicht einbinden, berichtet Gesine Weiß vom Freundeskreis danach im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie fordert eine Abkehr vom „auto-zentrierten Denken“: „Es gibt außer Autofahrern noch mehr Menschen in der Stadt. Die Salzstraße sei als Nord-Süd-Achse für Radler wichtig. Ein Schritt, auch um weitere Erfahrungen zu gewinnen, könnten temporäre Aktionen auf der Salzstraße sein, etwa während der Festwoche oder zum internationalen Aktionstag „Parking-Day“.

Bei dem Workshop zeigte sich, dass nicht alles aus Städten wie München, Hamburg und Stuttgart übertragbar ist. Utopie ist wohl der Wunsch, die Salzstraße zur Fußgängerzone zu machen. Aber es gibt viele Gedanken – ob die testweise Nutzung als Einbahnstraße oder die Schaffung von Pop-up-Radwegen (kurzfristig eingerichtete Radwege). Lisa Kreft, die in der VCD-Bundesgeschäftsstelle Berlin das Projekt „Straßen für Menschen” betreut, empfiehlt unter anderem, über die Aufenthaltsqualität zu sprechen und Leute vor Ort zu fragen, was ihnen dort fehlt. Ein anderer Schritt könnten mehr Zebrastreifen (auch als Ampel-Ersatz) sein, um den Fußgängern klar Vorrang zu geben.

(>>>Hier lesen Sie einen Kommentar dazu: Müssen auf der Salzstraße täglich 15.000 Autos rollen?)

VCD-Chef: Richtig ausgeführte Zebrastreifen gaukeln keine Scheinsicherheit vor

Doch gaukeln Zebrastreifen nicht nur Scheinsicherheit vor? Ralf Altenberger, Geschäftsführer des VCD Bayern, verneint: „Richtig ausgeführte Zebrastreifen sind sicher“, betont er, und dass die Straßenverkehrsordnung diese Überwege vorsehe. Tempo 30 ist für Altenberger ebenso ein Weg, Autos auszubremsen, auch wenn das die Rechtslage an Straßen mit besonderer Bedeutung aktuell nicht hergebe. In der Salzstraße gilt Tempo 30 nur im Bereich der Realschule.

Gesine Weiss vom Freundeskreis lebenswertes Kempten.
Gesine Weiss vom Freundeskreis lebenswertes Kempten.
Bild: Ralf Lienert

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Unter den 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops waren auch Fahrradclub, Agenda-21-Gruppe und Rathaus vertreten. Dass ein Angebot für den Radverkehr nötig sei, findet auch Markus Wiedemann. Dem Chef des Amts für Tiefbau und Verkehr gefielen in der Diskussion Beispiele, wie Verkehrsraum durch bürgerliches Engagement neu belebt wurde. Manches sei in Kempten vorstellbar – aber nicht auf der Salzstraße. „Die Nord-Süd-Achse ist für alle Verkehrsarten wichtig.“ Man könne sie nicht von den Autos befreien; es gebe viel Quell- und Zielverkehr.

Wiedemann hält Lösungen für nötig, bei denen der Verkehr mit Autos und Fahrrädern funktioniert. Platz für die Radler könne man vor allem im südlichen Bereich schaffen, wo es üppige fünf Fahrspuren gibt. Zu beachten sei auch, dass sich jede Maßnahme auf andere Bereiche auswirke. Eine temporäre Umnutzung von Flächen als abendlicher Treffpunkt könne Beschwerden von Anwohnern nach sich ziehen, die sich an dem Lärm mehr stören als an vorbeifahrenden Autos.

Freundeskreis will Ideen sacken lassen. Die Frage: Was ist Anwohnern und Geschäftsleuten wichtig?

Der Freundeskreis will die Ideen nun sacken lassen, ehe im April weitere Beratungen folgen, sagt Weiß. Anwohner und Geschäftstreibende sollen gefragt werden, was ihnen wichtig ist. Man wolle nichts übers Knie brechen und etwas planen, bei dem die Verwaltung womöglich abwinkt, betont Weiß. Ziel sei ja, dass der Stadtrat tatsächlich Änderungen an der Salzstraße anpackt. Weiß betont, dass die Kapazität von Straßen steige, wenn langsamer gefahren wird. So könne auch Tempo 40 auf dem Ring Sinn haben.

Der Freundeskreis freut sich über Menschen, die bei dem Projekt mitmachen oder Ideen beisteuern wollen. Kontakt per E-Mail an flke@posteo.de

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