Ohne Strom geht im Allgäu nichts

Warum ein Blackout im Allgäu zum Horrorszenario werden kann

Tagelang andauernde Stromausfälle kann es wegen nationaler und internationaler Probleme geben, im Allgäu aber auch, wenn Nassschnee die Masten einer Überlandleitung umbiegt.

Tagelang andauernde Stromausfälle kann es wegen nationaler und internationaler Probleme geben, im Allgäu aber auch, wenn Nassschnee die Masten einer Überlandleitung umbiegt.

Bild: Daniel Reinhardt, dpa (Symbolbild)

Tagelang andauernde Stromausfälle kann es wegen nationaler und internationaler Probleme geben, im Allgäu aber auch, wenn Nassschnee die Masten einer Überlandleitung umbiegt.

Bild: Daniel Reinhardt, dpa (Symbolbild)

Beim Stromausfall wird es nicht nur dunkel – auch die Tankstellen müssten schließen. Wie sich das Rettungswesen darauf einstellt und was daheim zu tun ist.
08.11.2022 | Stand: 09:13 Uhr

Schwarzfall, Blackout – ein Stromausfall hat mehrere Namen. Dauert er tagelang, kann es zum Horrorszenario werden. Denn ohne Strom geht fast nichts, weder Kühlschränke noch Aufzüge, Geldautomaten, Supermarktkassen, Heizungspumpen oder das Licht daheim. Auch Handel und Industrie in Kempten und dem Oberallgäu wären betroffen. Ein Knackpunkt ist die Versorgung mit Benzin, Diesel und Wasser. Denn ohne Strom stehen Pumpen still. Auszuschließen ist so ein Szenario nicht. Was das bedeutet:

  • Rettungsdienst: Der Oberallgäuer Rotkreuz-Chef Alexander Schwägerl: „Wir haben nur die gefüllten Tanks unserer Autos.“ Das dürfte zwei Tage reichen. Öffentliche Tankstellen, die bei einem Stromausfall per Notstromaggregat eine Zapfstelle betreiben, kennt er im Allgäu nicht. Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat 1000 Liter Diesel auf Lager. Ein extra langlebiger Diesel, den man nur alle paar Jahre austauschen und verbrauchen müsse, sagt Markus Adler, Leiter der JUH-Einsatzdienste. Notstromaggregate sollen sicherstellen, dass man etwa weiter Medikamente kühlen kann und die Wachen betriebsbereit sind. Bei länger andauernden Ausfällen müsste man Themen wie den Sprit über die Amtshilfe durch Dritte lösen, sagt Schwägerl. Es sei kaum bezahlbar, sich gegen alles zu 100 Prozent abzusichern. (>>>Hier lesen Sie: So könnten Kempten und das Oberallgäu den Strombedarf komplett selbst decken)

Sicherheitsreferent: Sache der Bürger in Kempten und dem Oberallgäu ist es, Eigenvorsorge zu betreiben

  • Katastrophenschutz: Gibt es tatsächlich eine größere Krise, richtet zum Beispiel die Stadt Kempten einen Stab aus Fachleuten ein, der dann im Feuerwehrhof tagt. Allerdings seien Probleme durch Hochwasser oder technische Störungen wahrscheinlicher als ein langer Stromausfall, sagt Wolfgang Klaus, Referent für Recht und Sicherheit in der Stadtverwaltung. Man bespreche immer wieder Krisenszenarien mit den verschiedenen Akteuren. Im Ernstfall versuche man, entsprechende Hilfen zu koordinieren. Sache der Bürger sei es, Eigenvorsorge zu betreiben – etwa mit Essens- und Wasservorräten.
  • Feuerwehr: Die Feuerwehr Kempten beispielsweise hat für die Hauptfeuerwache ein ortsfestes Aggregat, um alle relevanten Funktionen wie Leitstelle und zentrale Bereiche von Feuerwehr und Katastrophenschutz zu versorgen, sagt Renate Porkert, stellvertretende Leiterin des Amts für Brand- und Katastrophenschutz. Der Dieselvorrat im Haus reiche mindestens 24 Stunden. Kurzzeitige Ausfälle könne man über die Batterieanlage abfedern, die eine unterbrechungsfreie Stromversorgung bei Schwankungen im Netz sicherstellt. Die Feuerwehrtore lassen sich per Hand öffnen. Zum Tanken fahren die Löschfahrzeuge in den städtischen Betriebshof. Die Tankstelle dort erhält gerade ein Notstromaggregat, damit Einsatzfahrzeuge künftig auch bei einem Blackout tanken können.
  • Trinkwasser: Durch Hochbehälter, aus denen das Wasser von selbst ins Leitungsnetz fließt, kann das Kemptener Kommunalunternehmen die Versorgung ein paar Tage überbrücken. Aber gefüllt werden die Hochbehälter durch Pumpen. Um Wasser zu sparen, könnte man die Leitungen notfalls zeitweise abdrehen. Aber: „Wir sind dabei, die Pumpen für die Hochbehälter mit Notstromaggregaten auszurüsten“, sagt technischer Leiter Christian Lakeberg. Dabei geht nicht nur um die eigentlichen Pumpen, sondern auch Steuer- und Regeltechnik. Beispiel: Eine Pumpe muss sich abschalten, wenn der Hochbehälter gefüllt ist.

Kann die Polizei während eines Stromausfalls noch tanken? Diese Frage lässt das Präsidium unbeantwortet

  • Polizei: „Die Polizei verfügt über konzeptionelle Planungen, die derzeit aktualisiert werden“, heißt es im Polizeipräsidium Schwaben Süd/West. Vor dem Hintergrund einer „etwaigen Energiemangellage“ beschäftige sich eine Arbeitsgruppe der Bayerischen Polizei damit, die Infrastruktur (Mobilität, Liegenschaften, Informations- und Kommunikationstechnik) auf solche Fälle besser vorzubereiten. Konkrete Fragen, ob die Polizei im Allgäu während eines Stromausfalls tanken könnte und wie der digitale Behördenfunk weiter funktionieren würde, bleiben unbeantwortet. Es gebe mehrere technische Reserven und Absicherungen, heißt es ausweichend. (>>>Hier lesen Sie: Kann ein Stromausfall ganz Europa lahmlegen? Das sagt unser Betreiber Allgäu Netz dazu)

Das rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe den Bürgern für daheim:

Das rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe den Bürgern zur Vorsorge in der Wohnung oder dem Haus:

  1. Taschenlampen/LED-Leuchten (mit Ersatzbatterien, solarbetrieben oder Kurbel) vorhalten, Camping-/Outdoor-Lampen (plus Brennstoff) und Kerzen (Streichhölzer/Feuerzeuge).
  2. Akkus von Laptops, Mobiltelefonen, Telefonen geladen halten (oder volle Ersatzakkus bereitlegen). Auch Solarladegeräte und Powerbanks helfen.
  3. Etwas Bargeld vorrätig haben (ohne Strom gehen Geldautomaten nicht).
  4. Ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio vorhalten, um bei langem Stromausfall Mitteilungen der Behörden hören zu können.

Viele Infos zum Thema und auch zu den sinnvollen Notvorräten daheim stehen online beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.