Soziales

Kinderhospiz Bad Grönenbach: Kraft tanken in schweren Zeiten

Mit viel Holz und Glas wurde das neue Kinderhospiz-Gebäude in Bad Grönenbach gestaltet. Der Einzug ist für Anfang März geplant, darauf freuen sich Marlies Breher (vorne links) und Kirsten Pallacks vom Hospiz. Im Hintergrund sind Architekt Jochen Graf und Hospiz-Pressesprecherin Brigitte Waltl-Jensen zu sehen.

Mit viel Holz und Glas wurde das neue Kinderhospiz-Gebäude in Bad Grönenbach gestaltet. Der Einzug ist für Anfang März geplant, darauf freuen sich Marlies Breher (vorne links) und Kirsten Pallacks vom Hospiz. Im Hintergrund sind Architekt Jochen Graf und Hospiz-Pressesprecherin Brigitte Waltl-Jensen zu sehen.

Bild: Ralf Lienert

Mit viel Holz und Glas wurde das neue Kinderhospiz-Gebäude in Bad Grönenbach gestaltet. Der Einzug ist für Anfang März geplant, darauf freuen sich Marlies Breher (vorne links) und Kirsten Pallacks vom Hospiz. Im Hintergrund sind Architekt Jochen Graf und Hospiz-Pressesprecherin Brigitte Waltl-Jensen zu sehen.

Bild: Ralf Lienert

Das Kinderhospiz in Bad Grönenbach eröffnet ein zweites Gebäude mit viel Wohlfühl-Atmosphäre. Dort ist Platz für Therapien, Turnen, Werken und Basteln.
23.02.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Für das einzige Kinderhospiz in Süddeutschland beginnt ein neues Zeitalter: Gegenüber dem bestehenden Haus in Bad Grönenbach ist ein weiteres Gebäude entstanden, das Anfang März bezogen wird. Dort gibt es Turn- und Therapieräume ebenso wie eine „Kreativ-Werkstatt“, die erkrankte Kinder und Jugendliche sowie deren Geschwister und Eltern nutzen können. In diesem „Haus der Begegnung“ bietet zudem die Süddeutsche Kinderhospiz-Akademie ihre Seminare an. Das neue Gebäude in Bad Grönenbach kostet 4,5 Millionen Euro, Bauherrin ist die Kinderhospiz-Stiftung.

Der Bedarf steigt

In die Unterallgäuer Marktgemeinde kommen Familien mit unheilbar kranken Kindern. Im Hospiz St. Nikolaus betreuen beispielsweise Krankenschwestern, Heilerziehungspfleger und Musiktherapeutinnen die jungen Patientinnen und Patienten. Auch Eltern und Geschwister sind in Bad Grönenbach dabei – um sich für eine gewisse Zeit zu erholen und Energie zu tanken für den oft kräftezehrenden Alltag. Eine Mutter hat einmal erzählt, dass sie daheim bis zu 30 Mal in der Stunde aufstehe, um nachts nach ihrer schwerstkranken Tochter zu sehen. Seit dem Start des Hospizes vor 15 Jahren wurden über 600 Kinder und Jugendliche betreut. Und der Bedarf steige, sagt Marlies Breher, die Vorstandsvorsitzende der Kinderhospiz-Stiftung.

Das neue Gebäude in Bad Grönenbach wurde mit viel Holz und Glas gestaltet. Ziel sei es gewesen, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, sagt Breher. Auf einer Nutzfläche von 1300 Quadratmetern gibt es beispielsweise Platz für Therapien, Turnen, Werken und Basteln. Auch die Stiftung, der Förderverein und die Süddeutsche Kinderhospiz-Akademie werden dort unterkommen. Die Akademie bietet beispielsweise Kurse für medizinische Fachkräfte an, die Menschen in deren letzter Lebensphase begleiten. „In dem neuen Gebäude in Bad Grönenbach wird auch der ,ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Allgäu’ untergebracht“, sagt Marlies Breher. Dieses Team hilft betroffenen Familien bei der Betreuung erkrankter Kinder. Das Einsatzgebiet der Ehrenamtlichen erstreckt sich auf einen Radius von 90 Kilometern.

„Wir fühlen uns getragen“

Die Vorfreude auf den Einzug ins neue Gebäude ist groß, doch das Hospiz hat auch schwierige Zeiten hinter sich. „Wegen der Corona-Pandemie war unser Haus acht Wochen lang geschlossen“, sagt Breher. „Manche Familien mit todkranken Kindern waren am Verzweifeln.“ Das Hospiz habe aber den Kontakt gehalten und etwa Päckchen mit Spielen verschickt. Und auch die Einrichtung selbst machte gute Erfahrungen in der Hochphase der Pandemie: „Der Rückgang an Spenden war nicht so dramatisch wie befürchtet“, sagt Kirsten Pallacks, die Vorstandsvorsitzende des Fördervereins. So hätten Balkonkonzerte für das Hospiz stattgefunden: „Von dieser Spendenbereitschaft fühlen wir uns getragen“, sagt Pallacks.

Das Kinderhospiz braucht jedes Jahr Spenden in Höhe von knapp einer Million Euro. Die Kranken- und Pflegekassen übernähmen nur etwa 30 Prozent der Kosten für die Betreuung der erkrankten Kinder, „den Rest haben wir selbst zu finanzieren“, sagt Breher. Der Staat gebe kein Geld: „Leider gibt es in unserem reichen Land nach wie vor keine kostendeckende Finanzierung der Kinderhospize.“

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