Bundestagswahl im Allgäu

Linken-Kandidatin im Ostallgäu: Das hat Susanne Ferschl vor

Susanne Ferschl

Susanne Ferschl will erneut in den Bundestag einziehen.

Bild: Martina Diemand

Susanne Ferschl will erneut in den Bundestag einziehen.

Bild: Martina Diemand

Susanne Ferschl sitzt seit 2017 für die Linken im Bundestag und will erneut einziehen. Sie hofft, dass ihre Partei bald Teil der neuen Regierung sein wird.
16.09.2021 | Stand: 18:43 Uhr

Wer schafft es aus dem Allgäu in den Bundestag? Vor der Wahl am 26. September informiert die AZ in einer kurzen Reihe über Wahlbewerber aus der Region, die gute Chancen haben, (wieder) ins Parlament einzuziehen. Heute geht es um Susanne Ferschl. Sie kandidiert auf Platz 3 der bayerischen Landesliste der Linken und ist Direktkandidatin im Ost- und Unterallgäuer Wahlkreis.

Etwas, das es noch nie gab, scheint jetzt zum Greifen nah: Die Beteiligung der Linken an einer Regierungskoalition im Bund. Auf der bayerischen Landesliste auf Platz 3 steht Susanne Ferschl, die auch als Direktkandidatin für das Ostallgäu antritt und seit 2017 im Bundestag sitzt. Sie sagt: „Die Linke als Teil der neuen Regierung scheint zumindest im Bereich des Möglichen.“ Dass es am Ende der Konflikt um einen Nato-Austritt Deutschlands sein könnte, der dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung macht, glaubt sie nicht. „Wir wären bekloppt, wenn wir die Chance auf Veränderungen im sozialen Bereich nicht ergreifen.“

Bei Nestlé im Betriebsrat

Politisiert wurde die 48-Jährige im Betriebsrat der Nestlé AG. Dass sie als Mitglied der Linken gerade in einem Unternehmen arbeitete, das von vielen als kapitalistisches Feinbild bezeichnet wird, ist für sie kein Widerspruch. „Ich bin dafür schon öfter kritisiert worden, aber ich habe nicht den Konzern, sondern die Interessen der Kollegen vertreten.“ Es sei an der Politik, Regeln zu schaffen, um dem entfesselten Kapitalismus wieder Fesseln anzulegen. Aus der Opposition heraus sei das aber gar nicht so einfach. „Die Ergebnisse unserer Arbeit sind nicht so schnell und direkt erkennbar wie es bei Regierungsparteien der Fall ist.“ Nichtsdestotrotz sei in der vergangenen Legislaturperiode viel angeschoben worden, beispielsweise die Diskussion um die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes.

Ferschl ist derzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag und leitet den internen Arbeitskreis „Arbeit, Soziales und Gesundheit“. „Das ist ein deutlicher Mehraufwand im Vergleich zur regulären Abgeordnetenarbeit, aber man kann dadurch die Themen und die Positionierung der Fraktion und auch der Partei mitgestalten und beeinflussen.“ Sollte sie wiedergewählt werden, würde sie das Amt der Stellvertreterin gerne behalten.

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Als sie den Bundestag vor vier Jahren zum ersten Mal betreten hat, „war das ein irres Gefühl“. Plötzlich Teil der großen Politik zu sein habe sie beeindruckt, mittlerweile habe sich aber eine gewisse Routine eingestellt. „Im Betriebsrat konnte ich direkt Einfluss nehmen, aber ich habe schnell gemerkt, dass in Berlin gute Argumente allein nicht ausschlaggebend sind.“ Um etwas zu erreichen, brauche es viel Geduld. „Und das ist nicht gerade meine größte Tugend.“ Dass Oppositionsarbeit dennoch wirkt, zeige beispielsweise die Einführung des Mindestlohns. „Der ist zwar zu niedrig, aber immerhin haben wir ihn.“

"Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache"

Ihr Ziel für eine mögliche neue Legislaturperiode ist unter anderem, dass Betriebsräte und Gewerkschaften mehr wirtschaftliche Mitbestimmung erlangen. Auch die „sozialökologische Transformation“ im Allgäu möchte sie begleiten. „Gerade auf die Automobilindustrie und die Zulieferer kommen große Veränderungen zu.“ In Sachen Steuern sagt sie: „Klar ist, dass starke Schultern mehr tragen müssen als schwache.“ Der Allgäuer Mittelstand müsse sich dennoch „keine großen Gedanken“ machen. „Uns geht es darum, Einkommen aus Arbeit zu entlasten und aus Vermögen zu belasten. Für Betriebsvermögen gibt es hohe Freigrenzen.“

Wer am Ende Kanzler wird, ist für Ferschl nicht die entscheidende Frage, ebenso wenig, wer welches Ministerium bekommt. „Die soziale Gerechtigkeit steht im Vordergrund.“ Nichtsdestotrotz sähe sie im Fall der Fälle das Arbeitsministerium prädestiniert für die Linken. Als mögliche Ministerin bringt sie sich aber nicht ins Gespräch.

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