Waltenhofen/Nesselwang

„Man kann über den Tellerrand hinausschauen“

Euregio Blasorchester

Euregio Blasorchester

Bild: Harald Holstein

Euregio Blasorchester

Bild: Harald Holstein

Blasmusik Birgit Ostermeier, Carla Gumpoldsberger-Seitz und Rainer Heindl spielen seit der Gründung vor 20 Jahren im Euregio-Blasorchester mit. Sie freuen sich, mal ganz andere Stücke spielen zu können – was bisweilen anstrengend ist
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Von Harald Holstein
01.10.2019 | Stand: 17:29 Uhr

Aus einem kurzfristig zusammengesetzten Projektorchester hat sich das Euregio-Blasorchester (EBO) seit 1999 zu einer festen Größe entwickelt. Am Donnerstag feiert es mit einem großen Benefiz-Galakonzert in der Alpspitzhalle Nesselwang sein 20-jähriges Bestehen. Der Titel des Jubiläumskonzertes „Grenzenlos“ ist dabei Programm. Denn das Orchester vereint grenzübergreifend Laienmusiker aus den Regionen Allgäu, Außerfern und Kleinwalsertal. Inzwischen reisen sogar begeisterte Instrumentalisten bis aus München zu den Proben ins Allgäu. Die Motivation ist groß und die Begeisterung über die Arbeit mit dem österreichischen Dirigenten Professor Johann Mösenbichler ebenfalls.

Von der ersten Stunde an dabei sind zwei Musikerinnen und ein Musiker, die sich immer sehr auf die Projektphasen des Blasorchesters freuen. Carla Gumpoltsberger-Seitz (50) an der Klarinette, Birgit Ostermeier (52) an der Flöte und Rainer Heindl (58) am Bariton hatten sich mit weiteren 62 Musikern an vier Probenwochenenden auf das Jubiläumskonzert vorbereitet. „Es ist für jeden Musiker ein Highlight, mit einem professionellen Dirigenten zusammenzuarbeiten“, schwärmt Heindl, bis vor einigen Jahren Mitglied bei der Harmoniemusik Hindelang. „Man hat die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und ganz andere Stücke zu spielen.“

Auch Birgit Ostermeier aus Sonthofen freut sich jedes Jahr auf dieses Angebot. „Wir lernen viel über den musikalischen Ausdruck“, sagt die Flötistin. „Das bringt einem selber wahnsinnig viel, und man spielt auch im Heimatorchester anders.“ Heute werde in den Kapellen das zusätzliche Engagement für das Auswahlorchester weniger kritisch gesehen als früher. „Der Mehrwert, den die Musiker in die Heimatorchester hineinbringen, ist sehr groß“, sagt Dirigent Johann Mösenbichler. Der 60-Jährige leitet seit 18 Jahren das EBO und hat Aufsehen erregende Konzertprojekte und Uraufführungen mit ihm realisiert.

Natürlich ist das Musizieren auch mit Arbeit und Anstrengung verbunden, und die EBO-Bläser müssen daheim viel üben. „Wenn man sich auf so ein Projekt einläßt, weiß man, dass man etwas bringen muss“, sagt Carla Gumpoltsberger-Seitz, ebenfalls aus Sonthofen. Sie freue mich aber immer darauf. „Und man tut was Gutes mit seiner Musik!“, fügt Birgit Ostermeier hinzu. Alle Einnahmen aus den Auftritten gehen an wohltätige Zwecke. Alle drei betonen das große Gemeinschaftsgefühl und den tollen Zusammenhalt im Orchester. Sie können auf spannende Höhepunkte zurückblicken: die Eröffnung der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf 2005 etwa, oder die Uraufführung der Missa Katharina von Jacob de Haan 2007 in Ottobeuren.

Das Jubiläumsprogramm wird nach einem festlichen Teil mit dem „Radetzky-Marsch“, Auszügen aus Biszets „Carmen“ und Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ vier Medleys mit den besten und beliebtesten Stücken aus 20 Jahren Eurogio-Konzerten aufwarten. Als Gesangs-Solistin ist Gertrud Hiemer-Haslach dabei, die schon mehrmals mit dem Blasorchester auftrat.

Allerdings ist das Galakonzert am Donnerstag schon ausverkauft. Wer dennoch das vielfältige Programm von Verdi bis Schostakowitsch, von Lehár bis Puccini und von de Haan bis Morricone hören möchte, hat am Mittwoch, 2. Oktober, um 19 Uhr die Möglichkeit, die Generalprobe in der Alpspitzhalle zu besuchen.