Prozess

18-Jähriger verprügelt seine eigene Schwester brutal

18-Jähriger verprügelte seine Schwester brutal. Die Mutter beleidigte die 20-Jährige zudem.

18-Jähriger verprügelte seine Schwester brutal. Die Mutter beleidigte die 20-Jährige zudem.

Bild: David-Wolfgang Ebner/ dpa (Symbolbild)

18-Jähriger verprügelte seine Schwester brutal. Die Mutter beleidigte die 20-Jährige zudem.

Bild: David-Wolfgang Ebner/ dpa (Symbolbild)

Der junge Allgäuer rastet in der Öffentlichkeit aus und attackiert seine Schwester skrupellos. Warum die Mutter und der Bruder die 20-Jährige nicht verteidigen.
18.02.2021 | Stand: 15:44 Uhr

Ein 18-jähriger Kaufbeurer ist im September 2020 auf dem Neugablonzer Trümmergelände auf seine ihm körperlich weit unterlegene Schwester losgegangen. Er traktierte die 20-Jährige mit Schlägen und Tritten – auch dann noch, als sie schon am Boden lag – und fügte ihr Prellungen und Blutergüsse zu. Im Strafprozess vor dem Jugendgericht wurde er jetzt der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer Woche Dauerarrest verurteilt.

"Ohne Skrupel und extrem brutal"

Die Richterin machte im Urteil kein Hehl daraus, was sie vom Ausraster des Angeklagten hielt: Der 18-Jährige sei „ohne Skrupel und extrem brutal“ vorgegangen. Auch für das Verhalten von zwei mitangeklagten Familienmitgliedern fehlte der Vorsitzenden jedwedes Verständnis. Der 16-Jährige Bruder des jungen Mannes hatte sich zwar nicht am Angriff auf die Schwester beteiligt, dafür aber seine ebenfalls anwesende Ex-Freundin (15) umgeschubst. Derweil beschimpfte seine Mutter die beiden jungen Mädchen als „hinterfotzige Schlampen“.

Weil beim 18-jährigen Hauptangeklagten aufgrund eines schwierigen familiären Hintergrunds alle Verfahrensbeteiligten von Reifeverzögerungen ausgingen, kam auf ihn noch Jugendstrafrecht zur Anwendung. Zusätzlich zum Arrest wurde er zu einer Geldauflage in Höhe von 500 Euro verurteilt. Er muss zudem an drei Gesprächen beim Förderprojekt „Jugend stärken im Quartier“(JUSTiQ) teilnehmen. Sein jüngerer Bruder wurde richterlich verwarnt und muss 60 Sozialstunden ableisten. Die Mutter wurde wegen Beleidigung zu 40 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt – insgesamt also zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro. Die Urteile sind rechtskräftig.

Zwerwürfnis mit der 20-Jährigen

Obwohl sich die Richterin im Prozess alle Mühe gab, die Motivlage der drei Angeklagten zu ergründen, blieb vieles im Dunkeln. Zwar schilderten Mutter und Söhne ein zeitweiliges Zerwürfnis mit der 20-Jährigen. Zu den genauen Hintergründen äußerten sie sich aber nur vage. Es klang an, dass die junge Frau „Gerüchte“ über die Familie verbreitet haben soll.

Deutlicher wurde das Bild hinsichtlich der Attacke auf das zweite Opfer. Die 15-Jährige ist die Ex-Freundin des jüngeren Angeklagten und war damals offenbar auch eng mit seiner Schwester befreundet. Dies nahm der Jugendliche offenbar übel und beendete die Beziehung. Es folgte ein Streit per WhatsApp, in dem der 16-Jährige dem Mädchen ankündigte, er werde aus ihr „Hackfleisch machen“, wenn sie nicht aufhören würde, Unwahrheiten zu verbreiten. Dies wurde im Urteil als versuchte Nötigung gewertet.

Warum sich die Mutter einmischte, ist für die Richterin unverständlich

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Dass sich die Mutter damals bemüßigt gefühlt hatte, mit ihren Söhnen zum Trümmergelände zu fahren und hier ein 15-jähriges Mädchen in aller Öffentlichkeit zu beleidigen, war für die Richterin „völlig unverständlich“. Zugunsten aller drei Angeklagten wurden ein bislang straffreies Vorleben sowie eine erkennbare Reue in Rechnung gestellt. So hat sich der Hauptangeklagte zweimal bei seiner Schwester entschuldigt. Mittlerweile hat er ebenso wie der Rest der Familie offenbar wieder ein gutes Verhältnis zu ihr. Gegen ihn sprach die Brutalität der Attacke. Wie die Staatsanwältin im Plädoyer betonte, sei wohl nur aufgrund von „purem Glück“ nicht mehr passiert.