Schutz von Natur und Klima

200 Dämme sollen auch bei Marktoberdorf die Moore retten

Fachlicher Austausch im Moor (von rechts): Forstdirektor Peter Titzler, Mathias Burghard von der Fachstelle Natura 2000 und Forstbetriebsleiter Jann Oetting wurden ebenso von Cornelia Siuda über den Moorschutz informiert wie Forstanwärter Stefan Lodd.

Fachlicher Austausch im Moor (von rechts): Forstdirektor Peter Titzler, Mathias Burghard von der Fachstelle Natura 2000 und Forstbetriebsleiter Jann Oetting wurden ebenso von Cornelia Siuda über den Moorschutz informiert wie Forstanwärter Stefan Lodd.

Bild: Rainer Ruf/Staatsforsten

Fachlicher Austausch im Moor (von rechts): Forstdirektor Peter Titzler, Mathias Burghard von der Fachstelle Natura 2000 und Forstbetriebsleiter Jann Oetting wurden ebenso von Cornelia Siuda über den Moorschutz informiert wie Forstanwärter Stefan Lodd.

Bild: Rainer Ruf/Staatsforsten

Staatsforsten bauen bis 2030 in den Allgäuer Wäldern rund 200 Dämme und stauen das Wasser. Das hat viel mit dem Klimawandel und dem Hochwasserschutz zu tun.
20.09.2020 | Stand: 19:54 Uhr

Die Ziele sind hochgesteckt: „Bis 2030 müssen alle Maßnahmen zum Schutz der Allgäuer Moore in den Händen der Bayerischen Staatsforsten abgeschlossen sein“, so Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting. Er spricht in seinem Verantwortungsbereich im südlichen Allgäu über eine Fläche von rund 1400 Fußballfeldern oder 1000 Hektar, die beispielsweise im Sulzschneider Forst oder im Kempter Wald liegen. Für dieses Vorhaben wurde nun auf einen großen Teil der Flächen die Grundlage geschaffen. Die Ingenieurin Cornelia Siuda hat im Auftrag der Staatsforsten ein umfassendes, wissenschaftliches moorökologisches Gutachten erstellt.

Dieses beschreibt, wie die Moore erhalten sind und wie man die Situation verbessern kann. Meist geht es darum, alte Entwässerungsgräben zu schließen. Um sich ein Bild vor Ort zu verschaffen, fand nun eine Begehung mit Cornelia Siuda sowie mit Mitarbeitern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten statt. Dieses hatte die Erstellung des Gutachtens finanziell gefördert.

„Ich war überglücklich, den Auftrag zu bekommen“

Die Begeisterung für das Thema ist bei Cornelia Siuda offensichtlich: „Ich war überglücklich, den Auftrag zu bekommen“, so Siuda beim Ortstermin. Die Gruppe steht auf einer größeren moosigen Freifläche inmitten eines Hochmoors mit bizarr geformten Spirken. Eine Landschaft der Superlative, wie der regionale Staatsforstenchef Jann Oetting weiß: Ein Hektar Moor bindet sechsmal so viel COwie eine Waldfläche gleicher Größe. Zudem können die moorbildenden Torfmoose das 27-fache ihres eigenen Volumens an Regenwasser speichern. Damit bremsen sie zum einen den Abfluss von Starkregen und verhindern so Überflutungen, zum anderen binden sie klimaschädlichen Kohlenstoff – mit herausragender Wirkung. Dafür müssen sie allerdings intakt sein. Eine Besonderheit im Allgäu: Hier können sie aufgrund der hohen Niederschläge sogar am Hang wachsen, wenn man sie lässt…

Aber: Der Zustand der einzelnen Moore ist höchst unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von gestörten, durch Entwässerungsgräben zerfurchten Moorkörpern bis hin zu nahezu unberührt erscheinenden Mooren im besten Erhaltungszustand.

Intakte Perlen der Natur

„Dass wir noch so intakte Naturperlen vorfinden, liegt an dem Wandel, der sich schon vor Jahrzehnten in der Allgäuer Forstwirtschaft und speziell im Staatswald vollzog“, so Forstbetriebsleiter Jann Oetting. Das früher unbrauchbare Unland, das durch Entwässerung waldtauglich gemacht werden sollte, wurde auf einmal als wichtiger Landschaftsbestandteil wahrgenommen. Die Folge war der Schutz der noch verbliebenen Moore. So verschloss man häufig schon in den vergangenen Jahren alte Entwässerungsgräben. Die damals eingebauten Dämme waren in ihrer Höhe und Anzahl aber oft nicht ausreichend. Sie wurden von Hand erstellt und dichteten den Graben nicht ab. Die Folge war und ist oft ein weiter fortschreitender Torfabbau, der Fachmann spricht von Torfmineralisierung.

Heute ist der Moorschutz ein wichtiger Bestandteil der Forstwirtschaft in der Region. Basierend auf detaillierten Plänen mit Geländemodellen aus dem Moorgutachten soll deshalb mit Spezialgerät nachgebessert werden. Konkret sollen fast 200 neue Dämme für den Moorschutz errichtet werden. Dafür stehen mittlerweile für Nassflächen geeignete Bagger zur Verfügung. „Zumindest die ungewollte Entwässerung kann so für die Zukunft ausgeschlossen werden“, freut sich Forstbetriebsleiter Jann Oetting.

Räsenmoos ein gutes Beispiel

Als nur ein gutes Beispiel für eine gelungene Renaturierung gilt das 49 Hektar große Räsenmoos bei Marktoberdorf, das großteils auf städtischem Grund liegt. Etwa 300. 000 Euro kostete das Projekt, das vor einem Jahr abgeschlossen wurde. Auf der städtischen Fläche wurden 17 Dämme in die Entwässerungsgräben eingebaut. Zugleich wurde der Hauptentwässerungsgraben aufgestaut. Verantwortlich für diese Maßnahme war die Allgäuer Moorallianz.

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