Gleiches Geld für gleiche Arbeit?

26 Prozent weniger Lohn: SPD Marktoberdorf diskutiert, warum Frauen viel weniger als Männer verdienen

MO SPD Gehaltsunterschiede

Das mitgeschickte Foto wurde als Screenshot aufgenommen von Herbert Kelz.

Bild: Foto (Screenshot): Herbert Kelz

Das mitgeschickte Foto wurde als Screenshot aufgenommen von Herbert Kelz.

Bild: Foto (Screenshot): Herbert Kelz

Gender Pay Gap: Wie die SPD Marktoberdorf über die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen diskutiert. Warum diese in der Region besonders groß sind.
07.05.2021 | Stand: 11:51 Uhr

Die Ursachen für Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen zu bekämpfen, ist für die SPD Marktoberdorf ein sozialdemokratisches Kernanliegen. Um sich über die Hintergründe für die Lohnlücke zu diskutieren, hatte der SPD-Ortsverein die Ostallgäuer Bundestagskandidatin, Regina Leenders, zu einer Online-Veranstaltung eingeladen. Diskussionspartnerin war Uschi Zwick, Verdi-Gewerkschaftssekretärin und Stadträtin in Marktoberdorf.

SPD Marktoberdorf: Nur in Estland ist das Gender Pay Gap noch größer

Wie Zwick sagte, gibt es in Deutschland eine „Entgeltlücke“, also einen Unterschied beim Bruttostundenlohn von Männern und Frauen, von 19 Prozent. Im Allgäu liege dieser Unterschied sogar bei 26,1 Prozent. In der EU habe nur Estland einen noch größere Entgeltlücke aufzuweisen. Laut einer laufenden Studie verdienten Frauen im Ostallgäu 920 Euro weniger als Männer. Hochgerechnet auf zehn Jahre lägen die Netto-Einkommensverluste bei 41 000 Euro.

Ursachen für diese Gehaltsdifferenz sind laut Zwick in der Ungleichverteilung auf unterschiedliche Berufsfelder und den meist niedrigeren Löhnen in sogenannten frauendominierten Berufen begründet. Eine weitere Ursache sei, dass branchenübergreifend Führungspositionen seltener von Frauen ausgeübt werden. Die Folgen dieses Gehaltsnachteils von Frauen gegenüber Männern seien, dass zwei Drittel des weiblichen Geschlechts keine langfristige Existenzsicherung hätten und im Alter häufiger von der Grundsicherung lebten als Männer. Abschließend sagte Zwick, dass gerade in systemrelevanten Berufen ohne Frauen nichts laufen würde und diese Kolleginnen mehr als nur Applaus verdienten.

Die SPD fordert, gerade soziale Berufe besser zu bezahlen

„Da viele Frauen niedrige Löhne erhalten, ist die Anhebung des Mindestlohns auf mindestens zwölf Euro eine effektive Möglichkeit, den Gender Pay Gap ein Stück zu schließen. Außerdem müssen wir die sozialen Berufe, in denen vor allem Frauen arbeiten, besser bezahlen“, sagte Regina Leenders zu Beginn der anschließenden Diskussion.

Um das zu erreichen, müsse die Tarifbindung durch ein Bundestariftreuegesetz gestärkt werden, forderte Leenders. Darin sollte festgelegt werden, dass nur Unternehmen öffentliche Aufträge erhalten, die eine Tarifbindung haben. „Da, wo Tarifverträge gelten, ist die Entgeltlücke ganze zehn Prozent kleiner“, gab ihr Zwick recht.

"Frauen viel häufiger von Altersarmut betroffen als Männer"

Lesen Sie auch
##alternative##
Altersarmut

Altersarmut auch im Allgäu weiter auf dem Vormarsch: Daran liegt es

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten, sei für eine optimale Kinderbetreuung zu sorgen. „Wir müssen Paaren die Möglichkeit bieten, Beruf und Familie besser zu vereinen. Dies funktioniert durch ein optimales Betreuungsangebot“, sagte Leenders. Außerdem verleite das Ehegattensplitting Frauen dazu, weniger oder gar nicht mehr zu arbeiten. Das räche sich im Alter.

Frauen unterbrechen ihre Erwerbsarbeit für Kinderbetreuung und Pflege immer noch häufiger als Männer, betont die SPD. In der Folge seien Frauen viel häufiger von der Altersarmut betroffen als Männer. Die durchschnittliche Rente der Frau betrage 970 Euro, die des Mannes 1920 Euro.

Im dritten Teil der Veranstaltung stellte sich Regina Leenders den Fragen der Teilnehmer, und es kam zu einer angeregten Diskussion. An der Online-Veranstaltung nahmen neben SPD-Mitgliedern auch interessierte Bürger teil.