Schulzentrum war abgeriegelt

„Kein harmloser Kinderscherz“: Großeinsatz nach Drohung am Schulzentrum ist beendet

Das Schulzentrum Marktoberdorf war am Montagmorgen abgeriegelt, es findet kein Unterricht statt.

Das Schulzentrum Marktoberdorf war am Montagmorgen abgeriegelt, es findet kein Unterricht statt.

Bild: Heiko Wolf

Das Schulzentrum Marktoberdorf war am Montagmorgen abgeriegelt, es findet kein Unterricht statt.

Bild: Heiko Wolf

In Marktoberdorf ist am Montag der Unterricht ausgefallen, Grund war eine mögliche Bedrohungslage am Schulzentrum. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art.
04.07.2022 | Stand: 14:08 Uhr

Aktualisiert um 13.10 Uhr: Die Polizei Marktoberdorf hat am späten Vormittag bezüglich der „Gefahrenlage am Schulzentrum Marktoberdorf“ offiziell Entwarnung gegeben: Das komplette Absuchen und Durchkämmen der Realschule, der Mittelschule und des Gymnasiums Marktoberdorf mithilfe von Sprengstoffhunden habe nichts ergeben, sagt Marktoberdorfs Polizeichef Helmut Maucher als Einsatzleiter. „Wir haben deshalb soeben alle Schulen wieder freigegeben.“

Unterricht findet dort heute aber keiner mehr statt, „um kein Durcheinander auszulösen“, sagt Polizeichef Maucher, und Eltern und Kinder nicht weiter zu verwirren. „Die betroffenen Schulen bleiben heute zu. Ab morgen findet wieder Schulunterricht statt.“

Hinweise auf die Personen, die per Graffito Schülerinnen und Schülern gedroht hatten, „Kinder werden heute sterben“, gibt es nach Auskunft der Polizei noch keine. „Das ist noch alles offen – auch wenn die Möglichkeit natürlich naheliegt, dass Schüler aus dem Schulzentrum dahinterstecken“, sagt Maucher, die Kripo in Kempten habe aber die Ermittlungen zur Tätersuche übernommen und führe derzeit deshalb auch Gespräche mit Lehrkräften.

Einsatz am Schulzentrum Marktoberdorf: "Das kostet Geld, das kostet Nerven"

Auf die Nachfrage, wie ernst die Polizei die Drohung genommen habe, sagt Polizeichef Maucher: „Wir nehmen jeden solchen Hinweis ernst – und gehen einfach auf Nummer sicher!“ Das heiße, man ziehe konzentriert das für solche Bedrohungslagen vorgesehene Standardprogramm durch inklusive „Absuche mit Sprengstoffhunden etc.“ – und vor allem beginne man damit, gefährdete Personen herauszubringen.

Polizeichef Maucher betont zugleich, wie ärgerlich ihn solche Vorkommnisse machen: „So was ist nicht abzutun als harmloser Kinderscherz!“ 50 Polizeikräfte seien gebunden gewesen, kein Unterricht und keine Schulaufgaben und keine Kinderbetreuung habe an diesem Vormittag stattfinden können. „Das kostet Geld, das kostet Nerven!“

Es stehe auch unter Strafe, einen solchen Einsatz auszulösen, bei dem man von einer Gefahrenlage – bis hin zu einem Anschlag oder einer Bombe ausgehe: „Da geht es um mehr als nur um Ermittlungen wegen einer Sachbeschädigung an einer Wand!“

Alarm in Marktoberdorf: Schulzentrum war am Montagmorgen abgeriegelt

Aufgrund einer möglichen Gefahrensituation war das Schulzentrum in Marktoberdorf am Montagvormittag von der Polizei abgeriegelt. Schüler sollen am Montagmorgen nicht zum Schulzentrum kommen. Von der Sperrung waren mehrere Schulen betroffen: neben der Realschule sind dies Gymnasium, Mittelschule, Don-Bosco-Schule. Auch der Peter-Dörfler-Kindergarten war geschlossen.

Mit diesem Text gab die Realschule Marktoberdorf in einer Instagram-Story am Montag bekannt, dass die Realschule an diesem Tag geschlossen bleibt.
Mit diesem Text gab die Realschule Marktoberdorf in einer Instagram-Story am Montag bekannt, dass die Realschule an diesem Tag geschlossen bleibt.
Bild: Screenshot Instagram

Nach Angaben unserer Reporter war die Polizei mit fast 25 Streifenwagen und mehr als 50 Kräften vor Ort und hat sämtliche Zugänge zum Schulzentrum im Süden der Stadt gesperrt. Auch Züge hielten dort heute Morgen zwischen 7 und 8 Uhr nicht.

Die Polizei durchsuchte mit einem Sprengstoffhund Realschule, Gymnasium und Mittelschule.

Nach Angaben der Polizei gegenüber unserer Redaktion sei am frühen Morgen im Schulzentrum eine Drohung entdeckt worden. An einer Außenwand der Staatlichen Realschule hatten Unbekannte ein Graffiti hinterlassen: „Kinder werden heute sterben.“

Die Polizei twitterte auch, dass eine "Bedrohungsäußerung mittels Graffiti" Auslöser für die Bedrohungslage war.

Das Foto zeigt das abgedeckte Graffiti an der Außenwand der Realschule.
Das Foto zeigt das abgedeckte Graffiti an der Außenwand der Realschule.
Bild: Heiko Wolf

Die Staatliche Realschule Marktoberdorf hatte heute Morgen um kurz vor 7 Uhr auf ihrem Instagram-Kanal vor einer „möglichen Gefahrensituation“ gewarnt. Die Eltern wurden gebeten, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Auch die Mittelschule hat auf ihrem Schulportal über den Unterrichtsausfall wegen einer „aktuellen Gefährdungslage“ informiert.

Die Prüfungen an der etwas abseits gelegenen Staatlichen Berufsschule fanden allerdings laut AZ-Informationen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Ebenso der normale Schulbetrieb an der Berufsschule, wie die Polizei später mitteilte. Berufsschüler waren demnach die einzigen Schüler, die das Schulzentrum am Montag besuchen durften.

Die Polizei hatte einen zentralen Treffpunkt für alle Schülerinnen und Schüler der anderen Schularten eingerichtet. Von dort holten die Eltern ihre Kinder ab und fuhren sie nach Hause. Sie hatten über die sogenannten Schulmanager von der Bedrohung erfahren. Dieses Computerprogramm schickt automatisch Nachrichten per E-Mail an die hinterlegten Adressen. Zu diesem Zeitpunkt saßen jedoch viele Kinder bereits in den Schulbussen und wurden nach Marktoberdorf gefahren.

Gegen 8.30 Uhr waren die meisten von ihren Eltern in Obhut genommen wurden. Die wiederum lobten das Vorgehen von Schulen und Polizei als besonnen und sehr gut organisiert: "Alles super gelaufen", sagte eine Mutter.

Erst im vergangenen November war das Schulzentrum Marktoberdorf wegen einer anonymen Drohung evakuiert worden. Die Fotos vom damaligen Einsatz:

Wir berichten an dieser Stelle weiter über die aktuelle Entwicklung in Marktoberdorf.

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Drohungen gegen Schulen und andere öffentliche Einrichtungen kommen immer wieder vor. Wenn der oder die Täter gefasst werden, müssen sie wegen Störung der öffentlichen Ordnung durch Androhung von Straftaten mit empfindlichen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafe rechnen. Außerdem müssen sie die Einsatzkosten zahlen, die unter Umständen in den fünfstelligen Bereich gehen können.