Bundestagswahl 2021

Allgäuer Jugendliche: "Das Wahlalter sollte gesenkt werden"

Sollten 14-Jährige wählen dürfen? "Ja", sagt der Kreisjugendring Ostallgäu.

Sollten 14-Jährige wählen dürfen? "Ja", sagt der Kreisjugendring Ostallgäu.

Bild: Stefan Puchner, dpa (Symbolfoto)

Sollten 14-Jährige wählen dürfen? "Ja", sagt der Kreisjugendring Ostallgäu.

Bild: Stefan Puchner, dpa (Symbolfoto)

Bei der U18-Wahl des Kreisjugendrings dürfen auch Minderjährige ihr Kreuz setzen. Warum sie finden, dass das Wahlalter gesenkt werden sollte.
15.09.2021 | Stand: 04:00 Uhr

Benjamin, 16 Jahre alt, setzt an diesem Nachmittag sein Kreuz für die Bundestagswahl. „Deine Stimme zählt“, steht auf der Urne, in die der Marktoberdorfer seinen Stimmzettel wirft. Sie zählt, obwohl Benjamin noch nicht wahlberechtigt ist. Im Rahmen der U18-Wahl des Kreisjugendrings (KJR) Ostallgäu können auch Jugendliche wie Benjamin zum Wählen gehen – zumindest fiktiv. Ihr Kreuz zählt zwar nicht für die Bundestagswahl, jedoch wird ein Stimmungsbild erstellt. „Das ist eine gute Sache“, findet Benjamin.

Wahlmobil tourt durch den Landkreis Ostallgäu

Vier Tage lang tourt das Wahlmobil des Kreisjugendrings durch den ganzen Landkreis. Mit an Bord sind Anna Heiland und Ricarda Klinger vom KJR, die die U18-Wahl organisieren. „Wir fahren unter anderem nach Obergünzburg, Buchloe und Pforzen, kommen aber auch an Schulen“, erklärt Heiland, die studierte Sozialpädagogin ist. An diesem Nachmittag hat sich das Team am Ettwieser Weiher in Marktoberdorf positioniert. „Wir dachten, am letzten Ferientag sind hier ein paar Jugendliche anzutreffen.“ Ein Mädchen sei bereits zum Wählen gekommen, erzählt Heiland, während sie ein großes Plakat aufstellt. „Behalte deine Stimme nicht für dich“, steht dort in großen Buchstaben. „Das Mädchen hätte auch gerne bei der Bundestagswahl gewählt, aber sie darf nicht. Sie ist zu jung.“

Der Kreisjugendring tour mit dem Wahlmobil durch den Landkreis: Anna Heiland (von links), Ricarda Klinger und Jessica Biehl organisieren die Umsetzung.
Der Kreisjugendring tour mit dem Wahlmobil durch den Landkreis: Anna Heiland (von links), Ricarda Klinger und Jessica Biehl organisieren die Umsetzung.
Bild: Stefanie Gronostay

Das Thema Wahlrecht ist ein wichtiger Punkt bei der U18-Wahl. Sollte das Wahlrecht abgesenkt werden? „Ja“, sagt der Bayerische Jugendring. Er setzt sich bereits seit vielen Jahren für ein aktives Wahlrecht ab dem 14. Lebensjahr ein. „Die Jugendlichen sind politisch interessiert. Das erleben wir immer wieder“, erzählt die Sozialwirtin Ricarda Klinger. Die Minderjährigen kommen freiwillig zum Wahlmobil und setzten dort ihr Kreuz – die Nachfrage ist vorhanden.

Kreisjugendring möchte ein Stimmungbild abgegen

Auch Benjamin schaut mit seinen Freunden beim Bus vorbei, der übrigens „Andi“ heißt, wie Heiland erzählt. Zur Stimmabgabe dürfen sie jeweils einzeln in den dekorierten Innenraum des Fahrzeugs klettern. Benjamin ist vorbereitet. Er weiß, welche Partei er wählt. „Ich interessiere mich für Politik und möchte wählen“, sagt er. Wer sich noch unsicher ist, findet die Wahlinhalte der einzelnen Parteien auf einer großen Schautafel. Die Wahl erfolgt geheim. „Wir zählen die Stimmen im Anschluss aus“, sagt Heiland. Mit der Aktion möchte der KJR ein Bild abgeben, welche Interessen und Meinungen die Jugendlichen haben und welche Inhalte ihnen wichtig sind. Das Ergebnis sollen Politikerinnen und Politiker in ihre Entscheidungen miteinbeziehen.

Benjamin wäre es hingegen am liebsten, wenn er bereits wahlberechtigt wäre. „Das Wahlalter sollte gesenkt werden“, findet er. Doch bis er in zwei Jahren tatsächlich wählen darf, nutzt er das Angebot der KJRs, der sich eine Stunde später auf den Weg zur nächsten Station macht.

Der 16-jährige Benjamin aus Marktoberdorf gibt seine Stimme ab.
Der 16-jährige Benjamin aus Marktoberdorf gibt seine Stimme ab.
Bild: Stefanie Gronostay

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