Protest gegen Mobilfunk im Ostallgäu

Angst vor Strahlung: Ostallgäuer protestieren gegen 5G-Mast

Hergatz Mobilfunkmast

In Kipfenberg bei Unterthingau-Reinhardsried soll ein neuer Mobilfunkmast errichtet werden. Dagegen regt sich viel Protest.

Bild: Olaf Winkler (Symbolbild)

In Kipfenberg bei Unterthingau-Reinhardsried soll ein neuer Mobilfunkmast errichtet werden. Dagegen regt sich viel Protest.

Bild: Olaf Winkler (Symbolbild)

Neben einem Hochbehälter und nahe von Häusern soll ein Handymast entstehen. Dagegen haben Anlieger mehrerer Unterthingauer Weiler Unterschriften gesammelt.
16.09.2021 | Stand: 06:40 Uhr

Auf einem Privatgrundstück bei der Wasserversorgung Reinhardsried, Hochbehälter Lippenhalde, soll ein 40 Meter hoher Mobilfunkmast gebaut werden. Dagegen laufen Anlieger aus den Weilern Kipfenberg und Lippenhalde Sturm. Über 130 Unterschriften haben sie bereits gesammelt. Die Angst vor potenziell gesundheitsschädlicher Strahlung versetzt die Bürger in Aufregung.

Bürger in Reinhardsried, Kipfenberg und Lippenhalde sorgen sich um die Gesundheit von Menschen und Tieren

„Der Mast wäre nur 220 Meter vom nächsten Wohnhaus weg. In Kipfenberg haben daher alle Einwohner gegen den Masten unterschrieben“, sagt eine Anwohnerin. Auch im nahen Unterthingauer Ortsteil Reinhardsried herrscht große Aufregung und Sorge um die Gesundheit von Bewohnern und Tieren. Nun beschäftigte das Vorhaben, das die Kipfenberger, Lippenhalder und Reinhardsrieder so empört, den Unterthingauer Marktrat.

Im November 2020 ging bei der Gemeinde eine Information zum geplanten Bau einer Mobilfunksendeanlage für das Vodafone-Netz ein, gab Elisabeth Schober von der Verwaltungsgemeinschaft Unterthingau, einen Abriss der Vorgeschichte. Es sei ein Bedarf ermittelt worden. In einem vorgegebenen Suchkreis wollte der Antragsteller daher einen technisch geeignetem Standort auf einem Grundstück oder Gebäude anmieten.

Die Gemeinde lehnte einen Standort am Wasserbehälter Lippenhalde bereits als ungeeignet ab

Die Kommune habe daraufhin der beauftragten Firma dimofas mitgeteilt, dass sie von ihrem Mitwirkungsrecht Gebrauch machen will. Den vom Betreiber angedachten gemeindliche Standort Wasserbehälter Lippenhalde lehnte die Gemeinde nicht zuletzt wegen der Nähe zur bestehenden Bebauung als ungeeignet ab. Ihr Gegenvorschlag, einen Mast von Allgäu-DSL weiter westlich zu nutzen, sei aber als technisch unmöglich abgelehnt worden. Außer der Mitteilung, dass die Firma erst noch weitere Grundeigentümer anschreiben wolle, gab es keine weiteren Rückmeldungen von dimofas an die Gemeinde.

Erst im August diesen Jahres wies die Vertreterin einer Interessengemeinschaft der Bewohner der beiden Weiler Kipfenberg und Lippenhalde die Gemeinde dann darauf hin, dass sie erfahren hätten, dass auf der Lippenhalde eine G5-Antenne installiert werden soll. Auf Anfrage habe die Firma dimofas dann der Marktgemeinde mitgeteilt, dass der Standort nördlich neben dem Hochbehälter vertraglich mit dem Grundbesitzer gesichert sei. Es werde ein 40 Meter hoher Mast gebaut. Derzeit sei eine 4G-Antenne geplant, künftig aber auch 5G.

Unterschriften werden gegen den Bau eines Mobifunkmasten (Symbolfoto) in der Gemeinde Unterthingau gesammelt.
Unterschriften werden gegen den Bau eines Mobifunkmasten (Symbolfoto) in der Gemeinde Unterthingau gesammelt.
Bild: stock.adobe.com

Die Bürger sagen: Auch das Trinkwasser für viele Haushalte soll nicht durch eine solche Antenne beeinflusst werden

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Anfang September überreichte nun die Interessengemeinschaft eine Unterschriftenliste (eine weitere soll folgen) mit der Bitte, den Bau dieser Antenne in aller Deutlichkeit abzulehnen. Begründet wurde das Gesuch mit der Sorge um die Gesundheit von Mensch und Tier in der Umgebung der Anlage. Auch solle das Trinkwasser für viele Haushalte nicht durch eine solche Antenne beeinflusst werden. Das Gesuch wurde in der Marktratssitzung vorgelesen.

Schober wies in der Sitzung noch darauf hin, dass Antennen im Außenbereich bis zu einer Höhe von 15 Metern genehmigungsfrei sind. Doch für einen 40-Meter-Mast sei eine Baugenehmigung nötig. Das Landratsamt werde einen entsprechenden Bauantrag daher auf Genehmigungsfähigkeit prüfen.

Hält das Landratsamt den Masten für genehmigungsfähig, hat die Gemeinde Unterthingau keine Handhabe mehr

Sei der Mast aber genehmigungsfähig, werde das Landratsamt das „gemeindliche Einvernehmen“ Unterthingaus zu dem Bauantrag „ersetzen“ – selbst wenn es die Marktgemeinde zuvor verweigere. Das sei rechtlich so geregelt – außer die Marktgemeinde stelle einen Alternativstandort bereit, der für den Anbieter funktechnisch und wirtschaftlich gleichwertig ist.

Der Weg zum Hochbehälter ist laut Gemeinde aber nur beschränkt öffentlich und lediglich für den Betriebsdienst zur Versorgung des Wasserhochbehälters frei. Abgesehen davon, bestehe nur noch für den Grundstückseigentümer der betroffenen Flur-Nummer 738, Gemarkung Reinhardsried, und dessen Pächter ein Geh- und Fahrtrecht. Dritter Bürgermeister Johann Frank sagte, dass ein Funkmast in dieser exponierten Lage höher als der Kirchturm aufragen würde und betonte, dass die Bürger Reinhardsrieds in großer Sorge um ihre Gesundheit und um die der Um- und Tierwelt seien. Danach diskutierte der Rat das Vorhaben kontrovers.

Mit zehn zu fünf Stimmen legt der Marktrat Unterthingau am Ende ein Veto gegen den Mobilfunkmasten ein

Letztlich beschloss der Marktrat mit 10:5 Stimmen, gegen die Errichtung einer Mobilfunksendeanlage am geplanten Standort Widerspruch einzulegen. Zudem geht der Protest der Bürger weiter: „Auch in Kraftisried werden jetzt Unterschriftenlisten ausgelegt“, kündigt die Anwohnerin aus Kipfenberg an. Sie ist sehr froh, dass die Gemeinde ihr „Veto gegen den Masten“ einlegen will, und hofft, dass das Argument mit der Trinkwasserschutzzone das Landratsamt überzeugen werde.

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