Corona-Impfungen in Marktoberdorf

Auch ohne Priorisierung: Warum viele Marktoberdorfer in Arztpraxen nach wie vor auf ihre Impfung warten müssen

Neu-Ulm - Hausarzt - Hausärzte dürfen endlich Impfen

Die Hausärzte in Bayern dürfen seit Donnerstag alle bislang zugelassenen Impfstoffe spritzen – unabhängig von der vorgegebenen Priorisierung.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Die Hausärzte in Bayern dürfen seit Donnerstag alle bislang zugelassenen Impfstoffe spritzen – unabhängig von der vorgegebenen Priorisierung.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Die Priorisierung der Impfstoffe in Arztpraxen ist gefallen. Trotzdem müssen Impfwillige in Marktoberdorf noch warten. Wie es mit den Zweitimpfungen weitergeht.
23.05.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Seit Wochen stehen die Telefone in Marktoberdorfer Hausarztpraxen nicht mehr still. Seit der Corona-Impfstoff AstraZeneca für alle Menschen freigegeben wurde, löchern Patienten die Sprechstundenhilfen mit Fragen. Die Praxen befürchten einen noch größeren Ansturm in den kommenden Wochen. Der Grund: Die Hausärzte in Bayern dürfen seit Donnerstag alle bislang zugelassenen Impfstoffe spritzen – unabhängig von der vorgegebenen Priorisierung. Trotzdem müssen viele Impfwillige noch auf ihre Spritze warten.

Aufhebung der Impf-Priorisierung bedeutet nicht, dass alle drankommen

In der Praxis von Dr. Markus Strieder in Marktoberdorf gehen 30 bis 50 Anrufe pro Tag nur zum Thema Corona und Impfung ein, sagt Arzthelferin Nathalie Klein. Hinzu kommen noch tägliche E-Mail-Anfragen. „Ich gehe davon aus, dass das noch mehr wird“, sagt Klein. Doch die Aufhebung der Impf-Priorisierung bedeute noch lange nicht, dass nun alle Impfwilligen drankommen, sagt Klein. Aktuell stehen auf der Warteliste der Praxis noch über 270 Menschen, die zu den Priorisierungsgruppen gehören.

Etwa Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen oder medizinisches Personal. „Diese Menschen warten teilweise seit Monaten auf ihre Impfung“, sagt Klein. „Deswegen werden wir die Liste auf jeden Fall zuerst abarbeiten.“

Viel los ist auch in der Praxis von Dr. Anne-Dore Fritzsche und Dr. Heinz Sannig in Marktoberdorf, sagt Arzthelferin Christina Schmid. Jeder wolle am besten sofort eine Impfung, um zum Beispiel in den Urlaub fahren zu können. „Aber wir haben nur begrenzt Kapazitäten“, sagt Schmid. Alle Patienten bekommen früher oder später ihre Dosis, doch im Moment sei noch Geduld gefragt.

Problem: Es gibt immer noch zu wenig Impfstoff

Das Problem liege noch immer beim Impfstoffmangel, sagt Strieder. Und daran werde auch die Aufhebung der Priorisierung nichts ändern. „Wir können gar nicht so viel impfen wie wir wollen – es fehlt der Impfstoff.“ Vor allem Biontech. Beim Vakzin von AstraZeneca gebe es dagegen keine Engpässe. Wer sich diesen Impfstoff spritzen lasse, komme in weniger als zwei Wochen dran. „Leider haben viele Leute Angst und lehnen AstraZenca ab“, sagt Strieder. „Wer einen speziellen Impfstoff will, muss eben warten.“

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Die Vorurteile gegen AstraZeneca erschweren den Arztpraxen das Arbeiten, sagt Arzthelferin Klein. Die Wartelisten könnten viel schneller abgearbeitet werden, wenn die Menschen bereit wären, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Denn bei geringen Menge an Impfdosen von Biontech pro Woche „kommen wir nicht voran“.

Ob sich das in den nächsten Wochen ändere, sei unklar, sagt Strieder. Hausärzte sollen zwar mehr Impfstoff bekommen. Auch die Vakzine von anderen Herstellern als Biontech und AstraZeneca sollen in Arztpraxen verimpft werden. „Aber wann?“, sagt Strieder. „ Ich kann mich auf nichts verlassen, ich habe nichts Schriftliches.“ Er lebe stattdessen von Woche zu Woche und müsse sich immer an die gelieferte Menge Impfstoff anpassen.

Und wie geht es nun mit den Zweitimpfungen weiter? Müssen diese Patienten länger warten? Nein, heißt es in allen Marktoberdorfer Arztpraxen. Bereits bei der Erstimpfung werde ein fixer Termin für die Zweitimpfung vereinbart, sagt Melanie Jakob, Arzthelferin in der Praxis von Dr. Daniel Mauch in Marktoberdorf. Die Impfstoffe werden über zwei verschiedene Rezepte bestellt und getrennt gelagert. „Die Zweitimpfung bekommen die Menschen definitiv“, sagt Jakob.

Die Corona-Impfungen sind ein großer Aufwand für die Arztpraxen, sagt Jakob. In der Praxis von Dr. Mauch gibt es Zeitfenster, die nur für Impfungen geblockt sind. Patienten können online einen Termin für eine Impfung mit AstraZeneca buchen. Bis zu 40 Menschen können pro Tag in der Praxis geimpft werden.

Corona-Impfungen: Wer woanders seine Spritze bekommt sollte sich abmelden

Bei Strieder gibt es ebenfalls eine Extrasprechstunde für Impfungen. „Dienstag und Mittwochnachmittag sind ausschließlich für Impfungen reserviert“, sagt Strieder. An diesen beiden Tagen können je 50 bis 70 Patienten geimpft werden. Die Praxis bietet am 26. Mai sogar einen reinen Impftag für Zweitimpfungen an. „Eigentlich sind wir in dieser Zeit im Urlaub“, sagt Arzthelferin Nathalie Klein. Aber so könne die Praxis einige Zweitimpfungen abarbeiten und Platz für Erstimpfungen schaffen.

Wer möglichst schnell eine Impfung haben möchte, sollte zweigleisig fahren, raten die Marktoberdorfer Arztpraxen. Das heißt: sich im Impfzentrum und bei mehreren Hausärzten anzumelden. So sei die Wahrscheinlichkeit am höchsten, schnellstmöglich einen Termin zu bekommen. Sobald die Menschen allerdings eine Impfung bekommen haben, sollten sie sich bei den anderen wieder abmelden.

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