Unterstützung bei der Pflege

Damit Pflege zu Hause die Angehörigen nicht kaputt macht

Die Pflege von Angehörigen kostet viel Kraft.

Die Pflege von Angehörigen kostet viel Kraft.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Die Pflege von Angehörigen kostet viel Kraft.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Fachstellen des BRK und der Caritas im Ostallgäu unterstützen pflegende Angehörige mit breitem Beratungsangebot. Wie das Erschöpfung vorbeugen soll.
27.04.2021 | Stand: 04:30 Uhr

Über 70 Prozent der älteren Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt und betreut. Pflegende Kinder, Schwiegerkinder oder (Ehe-)Partner tragen dabei die Hauptlast der Versorgung. Sie sind unersetzlich. Sie kümmern sich nicht nur Wochen und Monate, sondern teilweise über Jahre um Vater, Mutter, Partner oder Partnerin. „Lang andauernde Pflege kann körperlich und seelisch erschöpfen bis hin zur Gefährdung der Gesundheit. Zudem führt sie durch die zeitliche Belastung oftmals zu sozialer Isolation“, beschreiben Annett Filser vom Bayerischen Roten Kreuz und Katharina Dursun von der Caritas den Alltag vieler pflegender Angehöriger.

Kostenlose Beratung für pflegende Angehörige

Um genau diesem Erschöpfungszustand vorzubeugen, schufen das BRK Kreisverband Ostallgäu und der Caritasverband Ostallgäu im Jahr 2001 die Fachstellen für pflegende Angehörige. Hier erhalten alle pflegenden Angehörigen eine kostenlose Beratung. Zu den zentralen Aufgaben der Fachstellen gehören psychosoziale Beratungsgespräche, begleitende Unterstützung und Entlastung der pflegenden Angehörigen. So soll die häusliche Pflege so lange wie möglich gut bewältigt werden können. Gefördert werden die Fachstellen vom Land Bayern über das ‚Bayerische Netzwerk Pflege’ und die Pflegekassen. Mittlerweile zählt Bayern 110 Fachstellen für pflegende Angehörige. (Lesen Sie auch: Pflegekraft am Memminger Klinikum: „Nach dem Dienst bist du am Ende“)

Belastung, Erschöpfung und Leistungsdruck

Katharina Dursun leitet die Fachstelle der Caritas, Annett Filser die des Roten Kreuzes in Marktoberdorf. „Im Gründungsjahr begannen wir mit 107 Beratungen“, erinnert sich Filser. Der Bedarf wuchs von Jahr zu Jahr. „Heute führen wir beim BRK allein jährlich über 1.340 Gespräche.“ Die Beratungsfelder seien breit gestreut, erklärt Dursun: „Wir sprechen mit den pflegenden Angehörigen sowie den Betroffenen selbst über die Belastung, die Krankheit des zu Pflegenden und die Folgen, Hilfemöglichkeiten oder Finanzielles.“ Dabei stünden immer wieder die schwierige Lebenssituation, die psychische Belastung und Erschöpfung oder der Leistungsdruck im Mittelpunkt. „Unser Ziel ist es, Angehörigen und Pflegebedürftigen aufzuzeigen, wie sie mit der herausfordernden Alltagssituation, den Schuldgefühlen oder der Veränderung der Rollenverhältnisse besser umgehen können und geben Orientierungshilfen.“

Helferkreise, Nachbarschaftshilfen und mehr ausgebaut

Aufgrund der täglichen Begleitung erkannten die Fachstellen des BRK und der Caritas den wachsenden Bedarf an Diensten und Hilfestellungen für die pflegenden Angehörigen und reagierten darauf. „Wir haben unser Angebot in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig dem steigenden Bedarf angepasst“, sagt Thomas Hofmann, Geschäftsführer des BRK. Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Angehörigengruppen, Betreuungsgruppen für Demenzerkrankte, Helferkreise oder Nachbarschaftshilfen wurden aufgebaut und werden vermittelt. So besteht etwa seit 2012 auch eine Betreuungsgruppe in Obergünzburg. (Lesen Sie auch: "Nicht selbstverständlich": Joko und Klaas geben Pflegekräften zur Primetime eine Stimme)

Regelmäßige Schulungs- und Fortbildungsangebote

„Ein nicht mehr wegzudenkender Bereich sind zudem regelmäßige Schulungs- sowie Fortbildungsangebote für ehrenamtliche Helfer und pflegende Angehörige“, sagt Renate Dantinger, Fachbereichsleitung Pflege und Soziales beim BRK. Vorträge zu Themen rund um Pflege und Demenz sowie monatlich angebotene Treffen von Angehörigengruppen in Buchloe, Füssen, Marktoberdorf, Kaufbeuren und Obergünzburg sorgen neben der fachlichen Wissensvermittlung für den so wichtigen sozialen Austausch der Betroffenen untereinander.

Kontaktstellen beim BRK und der Caritas

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Außerdem reagieren die Fachstellen auf den Corona-bedingt erhöhten Gesprächsbedarf mit dem neuesten Angebot‚ der „Nummer gegen Kummer“: Immer montags von 9 bis 11 Uhr nehmen sich die Fachleute beim BRK (Telefon 08342/966943) und bei der Caritas (Telefon 08342/961945) besonders Zeit für das Sorgentelefon.

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