Pandemie im Ostallgäu

Zahl der Corona-Infizierten in Marktoberdorf extrem gestiegen

In Marktoberdorf ist die Zahl der Corona-Infizierten überdurchschnittlich schnell gestiegen. Zur Ursache gibt es eine Vermutung.

In Marktoberdorf ist die Zahl der Corona-Infizierten überdurchschnittlich schnell gestiegen. Zur Ursache gibt es eine Vermutung.

Bild: Lukas - stock.adobe.com (Symbolfoto)

In Marktoberdorf ist die Zahl der Corona-Infizierten überdurchschnittlich schnell gestiegen. Zur Ursache gibt es eine Vermutung.

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Die Zahl der aktiv Corona-Infizierten in Marktoberdorf klettert innerhalb einer Woche von 81 auf 173. Auch der Traktorhersteller AGCO/Fendt ist betroffen.
27.03.2021 | Stand: 08:26 Uhr

Im Marktoberdorfer Rathaus wird angestrengt Ursachenforschung zu einem Thema betrieben, das im Moment viele bewegt: Warum ist die Zahl der mit Corona Infizierten innerhalb einer Woche nahezu explodiert? 173 sind es aktuell (Stand: Freitag, 14 Uhr), 162 waren es am Donnerstag, 81 am Donnerstag voriger Woche.

Eine Antwort darauf zu finden, wo sich die Betroffenen angesteckt haben könnten, ist schwer. Doch eine Vermutung liegt nahe: bei Treffen im privaten Bereich – sei es innerhalb der Familie oder mit Freunden. Dabei kommt hinzu, dass sich im Ostallgäu die britische, wesentlich ansteckendere und auch Kinder betreffende Virusvariante rasch ausbreitet.

Corona in Marktoberdorf: Die Suche nach Ursachen ist schwierig

Die Gastronomie ist bis auf den Außer-Haus-Verkauf von Speisen geschlossen. Die scheide als Übertragungsort aus, sagt nicht nur Martin Vogler, Leiter des Bürgermeisterbüros im Rathaus. Auch der Einzelhandel komme wegen der hohen Hygieneauflagen kaum in Betracht. Vogler sieht sich in dieser Auffassung beim Blick auf einige andere Kommunen im Landkreis bestätigt.

Dort sei kaum Einzelhandel, der Wert aber ebenfalls sehr hoch. Laut der Landkreiskarte, die die einzelnen Gemeinden nach Fallzahlen aktuell positiv Getesteter aufschlüsselt, liegt Stötten (9,52 auf 1000 Einwohner) prozentual gesehen noch über dem Marktoberdorfer Wert (9,25), ebenso Ronsberg (12,16) und Obergünzburg (13,25). In der Marktgemeinde sind zwar drei Mitarbeiter des Ebersbacher Kindergartens und ein Kind positiv getestet worden, trotzdem erklärt das allein nicht, warum aktuell 84 Personen infiziert sind.

Corona: Auch im Werk von AGCO/Fendt läuten die Alarmglocken

Auch beim Marktoberdorfer Traktorenhersteller AGCO/Fendt wird die Lage ganz genau beobachtet. Derzeit sind laut Pressesprecherin Manja Morawitz 60 der 4000 Mitarbeitenden starken Belegschaft mit dem Coronavirus infiziert. Noch wirke sich das nicht auf die Produktion aus, aber man betrachte die Entwicklung mit Sorge. Das Werk ist gleichsam ein Spiegelbild des Landkreises und der Stadt: Steigen oder fallen dort die Wert, steigen oder fallen sie fast in gleichem Maß bei Fendt. Daher zieht auch Morawitz den Schluss, dass die Infektionen eher aus dem privaten Umfeld kommen müssten.

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Daher habe die Geschäftsleitung an alle Mitarbeitenden in einem Schreiben eindringlich appelliert, alle Hygienemaßnahmen weiterhin zu beachten. Dazu gehört dem Gesundheitsministerium angesichts schöneren Wetters und der bevorstehenden Osterfeiertage zufolge auch das Beachten der Kontaktvorschriften.

AGCO/Fendt: Unternehmen betreibt seit Monaten Vorsorge

In der Fabrik selbst werde alles versucht, keine Infektionsherde aufkeimen zu lassen – und das bereits weit bevor solche Verordnungen auf Bundesebene in Kraft traten. Die Testzelte seien weiter in Betrieb, es werde regelmäßig getestet, auf dem gesamten Betriebsgelände herrsche Maskenpflicht, aus dem Bürobereich arbeiteten die meisten schon lange im Homeoffice. Und dann sagt Morawitz, was das Virus so gefährlich macht: „Wir hatten bei den Tests auch Personen, die positiv waren, obwohl sie völlig symptomfrei waren.“ Das mache es schwer, die Ausbreitung einzugrenzen. Wenn jemand positiv sei, werde sofort dessen Arbeitsumfeld untersucht.

Morawitz hofft, dass es mit den Impfungen zügig vorangeht. Die drei Betriebsärzte des Unternehmens hätten sich über ihren Bundesverband dafür gemeldet, die Mitarbeitenden zu impfen. Das Wissen, die Logistik, selbst die Kühlschränke – alles gebe es dank der jährlichen Grippeschutzimpfungen, die Fendt der Kollegschaft anbietet. Wäre Impfstoff vorhanden, könnten innerhalb kurzer Zeit die tausenden Mitarbeitenden geimpft werden.

Neuinfektionen Marktoberdorf aktuell über dem Schnitt im Ostallgäu

Ungeachtet dessen steht die Verwaltungsspitze der Stadt „in engem Kontakt mit dem Landratsamt, um Maßnahmen ergreifen zu können, falls Hinweise auf konkrete Ursachen bestehen. Laut Auskunft des Landratsamtes lassen sich die Fälle jedoch nicht einer bestimmten Personengruppe oder einem Wohnort zuordnen.“ Auffällig sei, so Vogler: Die Fallzahlen der einzelnen Gemeinden laufen nicht konform mit den Zahlen des Landkreises. „Beispielsweise hatten wir im Sommer im Marktoberdorf durchgehend zwölf Wochen ohne Nachweis einer Neuinfektion, im Februar lagen wir weit unter dem Landkreisschnitt, aktuell darüber.“

Gerade weil sich keine genauen Ursachen für den Anstieg und keine Hotspots ausmachen lassen, sagt Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nochmals eindringlich: „Wir können nicht genug appellieren, sich selbst durch das konsequente Tragen einer FFP2-Maske, Abstand und Lüften zu schützen. Dies gilt auch für Begegnungen mit Bekannten und Verwandten außerhalb des eigenen Haushalts.“

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