"So geht es nicht weiter"

Corona-Maßnahmen: Marktoberdorfer Bürgermeister Hell fordert Umdenken

Corona-Maßnahmen für Gastronomie und Handel: Ein "Weiter so" darf es laut dem Marktoberdorfer Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nicht geben.

Corona-Maßnahmen für Gastronomie und Handel: Ein "Weiter so" darf es laut dem Marktoberdorfer Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nicht geben.

Bild: Helmut Fohringer (Symbolfoto)

Corona-Maßnahmen für Gastronomie und Handel: Ein "Weiter so" darf es laut dem Marktoberdorfer Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nicht geben.

Bild: Helmut Fohringer (Symbolfoto)

Ein Weitermachen wie bisher fahre „Einzelhandel und Gastronomie an die Wand“. Warum Marktoberdorf raus ist aus dem Rennen um die Corona-Modellregionen.
06.04.2021 | Stand: 17:54 Uhr

Die Stadt Marktoberdorf ist raus aus dem Rennen um die Corona-Modellregionen. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell räumt der Kreisstadt bereits vor der offiziellen Bekanntgabe keine Chancen mehr ein. Zum einen liege im Ostallgäu der Inzidenzwert zu hoch. Zum anderen dürfen laut Hell nach aktuellen Informationen nur Große Kreisstädte oder kreisfreie Städte am Modellversuch zu Corona-Lockerungen nach dem Tübinger Modell teilnehmen. Unterdessen fordert Hell neue Denkansätze für die Corona-Maßnahmen. „Sich von Lockdown zu Lockdown zu hangeln, bringt nichts“, sagte Hell.

Marktoberdorf war unter ersten Bewerbern

Für die in Bayern vorgesehenen acht Modellregionen hatten sich 83 Städte beworben. In den Modellregionen sollen durch viele Tests vorsichtige Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen ermöglicht werden: Geschäfte dürften dann wieder öffnen. Marktoberdorf war eine der ersten Städte, die sich für den Modellversuch bewarb, um dem Einzelhandel eine Öffnungsperspektive zu bieten.

Auch wenn der erhoffte Erfolg ausbleibt, sei die Bewerbung nicht umsonst gewesen, sagt Hell. „Es ist wichtig, dass sich die Städte geballt zu Wort melden und der Staatsregierung klar machen: So geht es nicht weiter. So fahren wir Einzelhandel und Gastronomie an die Wand!“ Das Land bewege sich von einem Lockdown zum nächsten. Und obwohl Einzelhandel und Gastronomie geschlossen sind, „explodieren die Fallzahlen“. Für Hell „ein klarer Hinweis dafür, dass unsere Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe (...) nicht die Ursache der Erregerverbreitung sind“.

Bürgermeister fordert neue Denkansätze

Der Bürgermeister fordert deswegen „neue Denkansätze“. Denn: „Als dauerhafte Maßnahme ist das Zusperren von Schulen, Kitas, Geschäften und Gastronomiebetrieben nicht geeignet“, sagt Hell. Man müsse lernen, mit dieser und auch der nächsten Pandemie zu leben – denn bis dahin werden laut Hell keine weiteren 100 Jahre vergehen. Entscheidend sei immer das eigene Verhalten. Eine Kombination aus Tests, Impfen, Maske tragen und dem Einhalten der Abstandsregeln könne Rahmenbedingungen für die Öffnung von Geschäften schaffen. Nach einem Jahr im Corona-Modus sind laut Hell Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe in Marktoberdorf mittlerweile an ihren Grenzen angelangt. Existenzen seien bedroht, Händler und Gastronomen verzweifelt. Wie berichtet, beteiligt sich die Stadt an einer Initiative, die Betrieben nach dem Lockdown helfen soll: Marktoberdorf bietet heimischen Unternehmen eine IT-Lösung zur digitalen Nachverfolgung von Kontakten – ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung der Pandemie.

"Alles tun, damit Intensivstationen nicht überquellen"

Hell betont, es gehe ihm mit seiner Forderung nach neuen Denkansätzen nicht um das sofortige Öffnen aller Läden und Lokale, sondern um ein generelles Umdenken im Umgang mit der Pandemie. Mit Blick auf die aktuelle Infektionslage sagt der Bürgermeister: „Wir müssen alles dafür tun, damit die Intensivstationen nicht überquellen. Das heißt: Jeder muss vorsichtig sein und sich an die Regeln halten.“

Inzidenz im Ostallgäu bei knapp 263

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Derweil liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Ostallgäu laut Robert-Koch-Institut bei knapp 263. Stand Dienstag gab es im Landkreis 774 Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Für die Stadt Marktoberdorf sind aktuell 243 Fälle verzeichnet (12,9 Fälle pro 1000 Einwohner). Hohe Fallzahlen gibt es ebenso in Stötten 29 positiv Getestete (15,3 Fälle pro 1000 Einwohner) und in Ronsberg 22 Fälle pro 1000 Einwohner bei aktuell 38 Infizierten.

In den Krankenhäusern im Ostallgäu sind aktuell laut DIVI noch fünf Intensivbetten frei, 29,4 Prozent der Betten sind mit Covid-Patienten belegt. Am Klinikum in Kaufbeuren gibt es derzeit nur noch zwei freie Intensivbetten. 37,5 Prozent der Intensivbetten sind mit Covid-Patienten belegt.