Pandemie statt Palmenstrand

Corona: Marktoberdorfer Reisebüros bewerben sich als "Taskforce"

Ferienschnäppchen, Palmenstrand, Kreuzfahrt? Fehlanzeige. Die weltweite Corona-Pandemie hat der Urlaubsbranche einen Tiefschlag verpasst. Zwei Marktoberdorfer Reisebüros wollen daher ihre freien Kapazitäten dafür einsetzen, dem Ostallgäuer Gesundheitsamt zu helfen.

Ferienschnäppchen, Palmenstrand, Kreuzfahrt? Fehlanzeige. Die weltweite Corona-Pandemie hat der Urlaubsbranche einen Tiefschlag verpasst. Zwei Marktoberdorfer Reisebüros wollen daher ihre freien Kapazitäten dafür einsetzen, dem Ostallgäuer Gesundheitsamt zu helfen.

Bild: Anna Lisa Lienert

Ferienschnäppchen, Palmenstrand, Kreuzfahrt? Fehlanzeige. Die weltweite Corona-Pandemie hat der Urlaubsbranche einen Tiefschlag verpasst. Zwei Marktoberdorfer Reisebüros wollen daher ihre freien Kapazitäten dafür einsetzen, dem Ostallgäuer Gesundheitsamt zu helfen.

Bild: Anna Lisa Lienert

Zwei Marktoberdorfer Reisebüros wollen das Ostallgäuer Gesundheitsamt unterstützen. Warum das Hilfsangebot für beide Seiten zur rechten Zeit kommen könnte.
10.11.2020 | Stand: 12:02 Uhr

Ferienschnäppchen, Palmenstrand, Kreuzfahrt? Fehlanzeige. Die weltweite Corona-Pandemie hat der Urlaubsbranche einen Tiefschlag verpasst. Die Folge: Umsatzausfälle und Kurzarbeit in den Reisebüros. Die Reisebüros Reimann und MOD Reisen in Marktoberdorf haben sich deshalb als „Taskforce“ zur Pandemie-Bekämpfung beim Gesundheitsamt in Marktoberdorf beworben. Die Behörde unter dem Dach des Landratsamtes ist für das Ostallgäu und Kaufbeuren zuständig. Dort werden händeringend Mitarbeiter gesucht. Es seien bereits mehrere Bewerbungen von Reisebüros eingegangen, „die alle seriös waren“, wie es vom Landratsamt in einer ersten Reaktion gegenüber unserer Zeitung heißt.

Der Personalbedarf in den Behörden ist landauf, landab enorm, um Covid-19-Infektionsketten nachzuverfolgen. Sogar Polizeibeamte und Bundeswehrsoldaten unterstützten die Ämter bereits. „Auch in Marktoberdorf sind die Kapazitäten knapp“, sagt Christoph Hauptvogel, Inhaber des Reisebüros Reimann. „In unserem Reisebüro dagegen haben wir gerade freie Kapazitäten - und wir sind dringend daran interessiert, dass diese Pandemie ein rasches Ende findet“, betont auch Alexander Rippl, Geschäftsführer von MOD Reisen. Also keineswegs eine Spaßbewerbung, denn die Reiseberater sind derzeit alle in Kurzarbeit. Und ein Ende der Krise mit den Einschränkungen und der Reisezurückhaltung der Deutschen ist nicht absehbar.

Bei der Bewerbung handelt es sich laut beiden Reiseberatern um eine konzertierte Aktion. Denn die Reisebüro-Kooperation Best-Reisen, in der das Marktoberdorfer Unternehmen Mitglied ist, unterstützt die „Taskforce-Initiative“, an der auch andere Reisebüros teilnehmen. Best-Reisen hat den Taskforce-Vorschlag zudem den Gesundheitsministerien des Bundes und der Länder unterbreitet. „Wir meinen es ernst“, so Hauptvogel zu dem Hilferuf. Mehrere hundert Urlaubsbuchungen mussten seit Beginn der Pandemie rückgängig gemacht werden. Er spricht von einem Umsatzrückgang in Höhe von 80 Prozent. „Der Branche geht’s schlecht.“

Rippl hofft, dass das Gesundheitsamt die Bewerbung ernst nimmt. Er sieht in den klassischen Qualifikationen der Reisebüro-Beschäftigten die perfekte Voraussetzung für den Einsatz als Pandemie-Taskforce an. Seine Mitarbeiter seien regional und überregional bestens vernetzt, pflegten professionelle Kommunikation in verschiedenen Sprachen, zeigten soziale Kompetenz und Flexibilität. Reisebüros seien zudem den Umgang mit sensiblen Daten gewohnt, firm in der IT-Arbeit und in der Lage, sich schnell in neue Prozesse einzuarbeiten. „Wir sind bereit, neue Wege zu gehen“, sagt Rippl. „Es muss das gemeinsame Ziel von Gesellschaft und Politik sein, die Pandemie mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu bekämpfen.“

Jede seriöse Bewerbung werde ernstgenommen und gesichtet, teilt das Landratsamt gegenüber der Allgäuer Zeitung mit. Aktuell seien im Ostallgäuer Gesundheitsamt acht CTT-Stellen (Contact Tracing Team), eine Stelle als Hygienesekretär und eine Stelle als Fachkraft für Sozialmedizin zu besetzen. Außerdem sind zurzeit drei Ärztestellen über die Regierung von Schwaben ausgeschrieben. Pro Woche gingen 30 Bewerbungen ein. Von Vorteil seien Verwaltungserfahrung, Flexibilität und ein kundenorientierter Umgang mit Bürgern. (avu, mb)