Erleichterung und Anspannung zugleich

Einzelhändler in Marktoberdorf atmen auf - aber die Angst vor einem weiteren Lockdown bleibt

In den Marktoberdorfer Geschäften ist wieder was los: Bei Sportmode Huttner ist bei den sommerlichen Temperaturen vor allem Bademode gefragt.

In den Marktoberdorfer Geschäften ist wieder was los: Bei Sportmode Huttner ist bei den sommerlichen Temperaturen vor allem Bademode gefragt.

Bild: Mona Boos

In den Marktoberdorfer Geschäften ist wieder was los: Bei Sportmode Huttner ist bei den sommerlichen Temperaturen vor allem Bademode gefragt.

Bild: Mona Boos

Ladenbesitzer in Marktoberdorf sind erleichtert. Trotzdem ist die Sorge vor einem neuen Lockdown groß. Wie sie mit dieser Angst und Ungewissheit umgehen.
21.06.2021 | Stand: 19:37 Uhr

Einzelhändler in Marktoberdorf atmen auf. Seit einigen Wochen dürfen sie ihre Geschäfte wieder unter Corona-Bedingungen öffnen und freuen sich über viele Kunden. Bei der aktuellen Ostallgäuer Inzidenz von 10,9 können die Menschen sogar ohne Test und Termin einkaufen. Gleichzeitig sitzt den Ladenbesitzern aber auch die Angst vor einem weiteren Lockdown im Nacken. Während einige optimistisch sind und auf ein gutes Geschäft im Sommer und im Herbst hoffen, rechnen andere bereits damit, dass sie ihren Laden wieder zusperren müssen.

„Die Menschen sind richtig in Kauflaune“, sagt Renate Huttner, Inhaberin von Sportmode Huttner. „Das Geschäft läuft zum Glück gerade richtig gut.“ Dazu trage auch das Wetter seinen Teil bei, denn alle brauchen und wollen nun Sommerkleidung und Bademode. Nachdem die Möglichkeit zum Einkaufen mit Terminvereinbarung („Call & Collect“) bei den meisten nicht so gut ankam und auch die Testpflicht vor dem Einkauf viele Kunden abgeschreckt habe, sei sie nun richtig erleichtert, dass im Laden wieder etwas los sei.

Christian Bader freut sich wieder über Kunden bei Sport Lipp. Vor allem Outdoor-Artikel zum Wandern, Klettern und Radeln sind derzeit gefragt.
Christian Bader freut sich wieder über Kunden bei Sport Lipp. Vor allem Outdoor-Artikel zum Wandern, Klettern und Radeln sind derzeit gefragt.
Bild: Mona Boos

Ladenbesitzer in Marktoberdorf fürchten einen erneuten Lockdown

„Man merkt richtig, dass die Menschen schon lange Zeit keinen Laden mehr von innen gesehen haben“, sagt Christian Bader, vom Sportgeschäft Lipp in Marktoberdorf. So viel Dankbarkeit und Erleichterung sei er gar nicht gewöhnt, sagt er mit einem Lachen. Vor allem Outdoor-Artikel seien im Moment sehr gefragt. Denn Sportarten wie Wandern, Klettern, Radfahren seien in der Corona-Zeit unglaublich beliebt geworden. Und dazu brauche es die passende Ausrüstung. Die Bestellung im Internet sei gerade Sportartikeln schwer: „Die Sachen müssen einfach perfekt passen“, sagt Anita Lipp. „Und dafür brauchen die Menschen Beratung.“

Die Sorge, dass die Lockerung nur von kurzer Dauer sind, belasten sowohl Anita Lipp als auch Renate Huttner. „Die Herbstware ist bestellt“, sagt Huttner. „Einen weiterer Lockdown wäre wirklich schlimm für uns.“ Bei Sport Lipp fiel die gesamte Wintersaison heuer aus. „Und wir sind eigentlich mehr auf Wintersport spezialisiert“, sagt Lipp. „Wir können nur hoffen, dass es nicht wieder so weit kommt.“

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Nur hoffen – das wollte Natalie Brugger, die das Schuhgeschäft Sepp in Marktoberdorf führt, auf keinen Fall. Anfang des Jahres bestellte sie bereits die Ware für den Herbst 2021 – und kalkulierte einen weiteren Lockdown mit ein. „Ich glaube, dass bald die indische Virus-Variante dominiert und wir spätestens im Herbst wieder alles dichtmachen müssen.“ Darauf habe sie sich bereits psychisch eingestellt und entsprechend weniger bestellt. „Der nächste Lockdown kann uns psychisch und finanziell gar nicht mehr so schlimm erwischen wie der vergangene – wir sind vorbereitet.“ Eine harte Zeit liege hinter ihr und jetzt es gehe bergauf. „Der Berg ist aber verdammt steil“, sagt Brugger.

Im Schuhgeschäft Sepp in Marktoberdorf dürfen Kunden wieder Schuhe anfassen, anprobieren oder sich inspirieren lassen. Helga Pfanner (links) und Luise Lahr freuen sich über das Leben im Laden.
Im Schuhgeschäft Sepp in Marktoberdorf dürfen Kunden wieder Schuhe anfassen, anprobieren oder sich inspirieren lassen. Helga Pfanner (links) und Luise Lahr freuen sich über das Leben im Laden.
Bild: Mona Boos

Schuhgeschäft Sepp in Marktoberdorf: Die verkaufsstärksten Monate sind ausgefallen

Derzeit kann sie sich wie Huttner und Lipp über viele Kunden freuen. „Die Leute haben ihre Einkäufe auf die Zeit nach dem Lockdown verschoben“, sagt Brugger. Sonst seien der März, April und Mai die verkaufsstärksten Monate. Nachdem das Schuhgeschäft in dieser Zeit geschlossen war, kaufen die Kunden jetzt ein. Es werde also nicht mehr gekauft als sonst, sondern die gleiche Menge in kürzerer Zeit. „Obwohl es jetzt gut läuft, wird das also keine normale Saison.“ Brugger rechne damit, dass sie dieses Jahr 30 Prozent weniger Ware verkauft. „Und wir sitzen ja immer noch auf einem Überhang vom ersten Lockdown.“ Ob sie diesen bis Ende des Jahres verkaufen könne sei fraglich.

Anders als die meisten anderen Geschäfte, war das Juwelier Hansen in der Marktoberdorfer Innenstadt während der Lockdown-Zeit zumindest teilweise geöffnet. „Wir waren vormittags für Reparaturen da“, sagt Evi Hansen, die das Juweliergeschäft mit ihrem Mann Franz Theo Hansen führt. „Das tat psychisch sehr gut und half uns zumindest ein bisschen.“

Schmuck und Uhren beim Juwelier Hansen in Marktoberdorf sind ebenfalls gefragt. Hier verkauft Elvira Haf Uhren.
Schmuck und Uhren beim Juwelier Hansen in Marktoberdorf sind ebenfalls gefragt. Hier verkauft Elvira Haf Uhren.
Bild: Mona Boos

Seit sie wieder normal öffnen dürfe, kommen wieder viele Kunden in das Juwelier-Geschäft. Sie habe den Eindruck, dass die meisten Menschen in den vergangenen Monaten weniger ausgegeben hatten und sich nun etwas gönnen wollen. „Aber das vergangene halbe Jahr aufholen, dass schaffen wir sicher nicht.“

Gleiches gilt im Schuhgeschäft Sepp und bei Sportmode Huttner und Sport Lipp: Das gute Geschäft jetzt, reiche bei Weitem nicht, um die Einbußen der vergangenen Monate auszugleichen. „Keine Chance“, sagt Brugger. So viele Monate wieder aufzuarbeiten sei schlicht nicht möglich.

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