Marktoberdorf

Ein erster kleiner Schritt in Richtung Allgäuer „MVV“

Im Verbund soll der Öffentliche Personennahverkehr attraktiver werden. Bis dahin könnte es im Allgäu aber noch eine lange Zeit dauern. Symbol

Bild: Mathias Becker

Im Verbund soll der Öffentliche Personennahverkehr attraktiver werden. Bis dahin könnte es im Allgäu aber noch eine lange Zeit dauern. Symbol

Bild: Mathias Becker

Ostallgäu, Kaufbeuren, Oberallgäu und Kempten wollen prüfen, ob ein gemeinsamer Verkehrsverbund Sinn macht. Warum das noch dauern kann.

01.06.2020 | Stand: 12:38 Uhr

Ein Ticket, ein Tarif: Das sind die Vorteile eines Verkehrsverbundes, wie es ihn mit dem MVV für den ganzen Großraum München gibt. Nach diesem Vorbild wird nun in der Region die Gründung eines „Verkehrsverbundes Allgäu“ gemeinsam mit den Landkreisen Ost- und Oberallgäu sowie den Städten Kaufbeuren und Kempten untersucht. Und zwar mit einer fast 2,5 Millionen Euro teuren Grundlagenstudie.

Ostallgäu zahlt 124 000 Euro

Laut Landrätin Maria Rita Zinnecker bezuschusst der Freistaat die Untersuchung mindestens zu 85 Prozent. Sie soll prüfen, ob der Verbund verkehrstechnisch und wirtschaftlich Sinn macht. Für die Beteiligung an der Studie gab der Kreisausschuss am Freitag einstimmig grünes Licht. Die Kreisräte stimmten der Zweckvereinbarung zu, die Zinnecker nun nur noch unterzeichnen muss. Der Eigenanteil fürs Ostallgäu wird darin auf ungefähr 124 000 Euro beziffert.

Spannend sei nicht die „schnöde Zweckvereinbarung“, sondern das, worum es dabei geht, sagte Wirtschaftsreferent Peter Däubler vom Landratsamt. „Nämlich die Vereinheitlichung der Tarifgebiete.“ Er nannte den Weg dahin noch eine lange Reise, zumal beide Landkreise und beide Städte eigenorganisierte Personennahverkehre hätten.

Zugleich betonte Däubler: „Jede Reise beginnt mit einem allerersten Schritt vor die Haustür.“ Er verwies darauf, dass das Ostallgäu und Kaufbeuren bereits einen gemeinsamen Nahverkehrsplan haben und dass die in der Mobilitätsgesellschaft „mona“ organisierten Busunternehmer 2018 ein mit EU-Geld gefördertes Leader-Projekt zur Tarifharmonisierung gestartet haben.

Verschiedene Tarifgebiete

Nach wie vor gibt es aber verschiedene Tarifgebiete in der Projektregion – und die Bahn war bei bisherigen Projekten nicht im Boot. Das sei bei der Studie nun anders. „Für einen echten Verbund ist die Bahn auch unbedingt nötig“, sagte Däubler. Ebenso wie der Blick auf Nachbar-Verbünde wie MVV, AVV (Raum Augsburg) oder Verkehrsverbund Mittelschwaben (Günzburg, Unterallgäu).

Überlappungen zu Nachbar-Verbünden werden im ersten Schritt ebenso geprüft wie Erkenntnisse aus laufenden Projekten, aus Verkehrerhebungen und -prognosen. In einem zweiten Schritt werden die Kosten analysiert. Stelle man fest, dass ein „Verkehrsverbund Allgäu“ doch nicht attraktiv sei, könne man aus dem Projekt wieder aussteigen, sagte Däubler. „Auf der jahrelangen Reise gibt es Haltestellen.“

Bis Herbst wollen die Projektpartner Ostallgäu, Kaufbeuren, Oberallgäu und Kempten mit ihren Verwaltungen in einer Arbeitsgruppe die EU-weite Ausschreibung vorbereiten. Die Auftragsvergabe wäre laut Däubler Anfang 2021 realistisch, eine Fertigstellung der Studie in der zweiten Jahreshälfte 2023, die eigentliche Verbundgründung vielleicht 23/24.

"Nur 'rausgeschmissenes Geld"

In der Debatte lobte Dr. Alois Kling (CSU) die „tolle Förderung“ und dass „die Schiene“ bei dem Projekt dabei sei. Von Dr. Günter Räder (Grüne) gab es zwar auch Lob. „Aber die Länge der Reise hat mich erschreckt. Ich möchte nicht, dass sie erst 2050 fertig ist“, sagte er. Auch Brigitte Schröder (FW), Matthias Fack (FW), Wolfgang Hannig (SPD) oder Dr. Wolfgang Hell (CSU) äußerten Bedenken wegen der Zeitschiene. „Drei Jahre bis Umsetzungsbeginn? Da ist der Klimawandel fast schneller“, sagte Hell.

Josef Schweinberger (CSU) ging noch einen Schritt weiter: „Warum fangen wir nicht gleich mit dem Verbund an – ohne Studie. Die ist doch nur ’rausgeschmissenes Geld und verlorene Zeit!“ Ohne Voruntersuchung gehe es nicht, widersprach Däubler. Die Förderung des Freistaates für den Verkehrsverbund sei an die Studie gekoppelt, die Studie daher verpflichtend. Angelika Schorer (CSU) findet das richtig: Ohne Vorwissen darüber, wie die Verkehrssysteme funktionierten, könne der Freistaat doch nichts fördern. Landrätin Zinnecker versprach, das Verfahren so stark wie möglich zu beschleunigen.

Verbund noch vergrößern

Betont wurde, dass der Zusammenschluss nur ein erster Schritt sei. „Wir müssen den Verbund noch vergrößern“, sagte Hannig. Laut Zinnecker hat auch die Stadt Kaufbeuren dem Erstellen der Studie für einen „Verkehrsverbund Allgäu“ schon zugestimmt. Die Stadt Kempten soll als verantwortlicher „Lead-Partner“ das Projekt steuern.