Ostallgäu

Ein perfektes Team

Polizei Maier Janko

Auf zur letzten Dienstfahrt: Der Kaufbeurer Polizeichef Thomas Maier (links) und sein Stellvertreter Reinhard Janko werden Ende Juli zusammen offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Bild: Foto: Harald Langer

Auf zur letzten Dienstfahrt: Der Kaufbeurer Polizeichef Thomas Maier (links) und sein Stellvertreter Reinhard Janko werden Ende Juli zusammen offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Bild: Foto: Harald Langer

Thomas Maier und sein Stellvertreter Reinhard Janko verabschieden sich zusammen in den Ruhestand. Wie die Arbeit in Kaufbeuren sie zusammenschweißte und wie sie sich künftig die Zeit vertreiben

02.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Sie wurden beide 1959 geboren, begannen 1978 ihre Karrieren bei der Polizei, verbrachten die letzten Dienstjahre erfolgreich gemeinsam in Kaufbeuren und treten nun im selben Jahr in den Ruhestand: Kaufbeurens Polizeichef Thomas Maier und sein Stellvertreter Reinhard Janko sind ein außergewöhnliches Team. Ihre 80 Mitarbeiter in der Polizeiinspektion (PI) Kaufbeuren haben schnell kapiert, dass zwischen die beiden kein Blatt Papier passt und es deshalb vergebene Mühe ist, sich bei dem einen über den anderen auszuweinen.

Durch Zufall zusammengekommen

Die Wege des Mindelheimers Maier und des Kaufbeurers Janko kreuzten sich 2005, als Maier die Leitung der PI übernahm. Janko war zu dieser Zeit noch bei der Kripo, die im selben Gebäude beheimatet ist. Drei Jahre später wurde er Maiers Stellvertreter und blieb es bis heute. „Eigentlich sind wir durch Zufall zusammengekommen“, sagt Janko. Schnell entwickelten sie sich zu einem Team, in dem sich der eine zu hundert Prozent auf den anderen verlassen kann und in dem keiner eine bedeutende Entscheidung ohne Rücksprache mit dem anderen traf – egal wie weit sie gerade voneinander entfernt waren. So klingelte Maier einmal sogar bei Janko in Indien an, wo der Kaufbeurer gerade seinen Urlaub verbrachte. Wenn sich das Verhältnis nicht so gut entwickelt hätte, hätte der heute 61-Jährige im Laufe der vergangenen zwölf Jahre vielleicht noch einmal die Dienststelle gewechselt, sich sogar auf eine Polizeichef-Stelle beworben. Doch nun werden Janko und Maier zusammen am 30. Juli von Polizeipräsident Werner Strößner im Stadtsaal verabschiedet – auch ein außergewöhnliches Ereignis, denn normalerweise bekommt nur der Polizeichef eine solche Feier.

Zusammengeschweißt haben Maier und Janko auch die immer wiederkehrenden Großereignisse in Kaufbeuren: die alljährlichen Tänzelfeste und die Eishockeyspiele. Das Lagerleben war, als Maier anfing, noch eine „raue Zeit“, erinnert er sich. „Da flogen noch Bierkrüge und die Kollegen wurden mit Messern angegangen. Um 22 Uhr waren unsere Zellen voll und wir mussten Festgenommene nach Marktoberdorf und Buchloe auslagern.“ Maier überlegte schon, an den Abenden einen Gefangenenbus aufstellen zu lassen. Doch schließlich gingen die Ordnungshüter einen effektiveren Weg, forderten etwa die Bereitschaftspolizei an und zeigten „deutlich mehr Präsenz“. „Das schreckt die Menschen ab“, wissen Janko und Maier. Hinzu kamen dann Sperrstunden beim Lagerleben – insgesamt entspannte sich die Lage, ebenso wie beim Eishockey.

Grauenhafter Eishockey-Einsatz

„Das neue Stadion ist ein Mehrwert für die Sicherheit.“ Zugänge könnten viel besser kontrolliert werden, die Fanteilung sei gut gelungen und die installierte Videoüberwachung verhindere Straftaten. Janko erinnert sich noch mit Grauen an einen Einsatz, als Schweizer Fans nach einem Freundschaftsspiel gegen eine Baden-Württemberger Mannschaft Pflastersteine auf Polizisten warfen. Damals wurde gerade das ehemalige Gasthaus am Bad abgerissen. Die etwa 20 Hooligans rissen den Bauzaun heraus, bewaffneten sich mit den Steinen und gingen auf die zwölf Beamten los. Mit Pfefferspray und Schlagstöcken gelang es diesen schließlich, die Oberhand zu gewinnen.

Insgesamt stellen Maier und Janko den Kaufbeurern aber ein gutes Zeugnis aus: „Man kann es hier als Polizeichef gut aushalten“, sagt Maier. Was ihn allerdings „nachhaltig betroffen macht“, ist die neuerliche Gewalt gegen Polizeibeamte. 2019 verzeichnete die PI Kaufbeuren 30 Fälle. „Das ist deutlich zu viel. Ich kann und will es nicht verstehen“, sagt Maier. Die Kollegen trügen ihre Haut zu Markte und stünden für die Sicherheit aller ein. Bei 90 Prozent der Übergriffe spielt laut Janko Alkohol eine Rolle, die Täter entstammten allen gesellschaftlichen Kreisen. Dankbar sind die Polizeichefs, dass sie in all den Dienstjahren nicht ein einziges Mal ihre Waffe gegen einen Menschen richten mussten. Janko hatte sie nie im Einsatz, Maier nur ein einziges Mal, um einem angefahrenen Reh den Gnadenschuss zu gewähren. In über 40 Dienstjahren haben sie eine rasante Entwicklung erlebt. Janko weiß noch, wie er seine ersten Anzeigen auf der mechanischen Schreibmaschine mit fünf Durchschlägen tippte, Maier erinnert sich an 34 PS starke VW Käfer als Streifenfahrzeuge. Inzwischen hat längst die Digitalisierung Einzug in den Dienststellen gehalten, und im Hof stehen an die 200 PS starke BMW für Einsätze bereit.

Doch ob mit alten oder neuen Methoden, am meisten hat es die Polizisten stets gefreut, wenn sie „einen üblen Straftäter hinter Gitter bringen“ konnten. Maier erinnert sich an einen Einzeltäter, der über 500 Straftaten auf dem Kerbholz hatte, vor allem Einbrüche. Janko fällt spontan ein Autofahrer ein, der 31 Unfälle fingiert hatte und dafür zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Die schwierigsten Situationen, da sind sich die Polizeichefs einig, waren für sie, Todesnachrichten überbringen zu müssen.

Neubau für Nachfolger

Das werden sie im Ruhestand ganz sicher nicht vermissen. Gerne übergeben sie an ihre Nachfolger auch die Umsetzung des lange geplanten Neubaus für die Inspektion. Die Entwurfsplanung sei relativ weit, der Einzug für 2024 geplant. Ihnen selbst wird in der Pension ebenso wenig langweilig werden wie im Dienst, sind sich Maier und Janko sicher: Die Familien freuen sich auf mehr Zeit für sie, in Haus und Garten gibt es viel zu tun und Sport und Reisen sollen auch nicht zu kurz kommen. Und eines ist auch ganz sicher: Im Laufe der Jahre ist zwischen den Männern eine Freundschaft entstanden, die sie auch im Ruhestand verbinden wird.