Helle Räume, kurze Wege

Fast zu schön für einen Übergangsbau: Die Marktoberdorfer Ausweichschule

Mo Ausweichschule

In den hellen, neuen Räumen des Horts und der Ausweichschule St. Martin fühlen sich die Kinder wohl.

Bild: Heiko Wolf

In den hellen, neuen Räumen des Horts und der Ausweichschule St. Martin fühlen sich die Kinder wohl.

Bild: Heiko Wolf

Fünf Mio. Euro hat der Übergangsbau gekostet, der 222 Kindern in Marktoberdorf als Schulhaus dient, da ihre Schule neu gebaut wird. Wir haben es uns angesehen.
07.10.2021 | Stand: 09:00 Uhr

Viele Fenster, helle, weiße und gelbe Wände, ein dank Modeon-Spielplatz großer Außenbereich: Das Ausweichquartier für die Grundschule St. Martin wirkt freundlich, lebendig. Auch an diesem Nachmittag, an dem zwar nicht alle 222 Schüler da sind, aber 70 Hortkinder durchs Haus laufen und es mit Leben erfüllen. Hinzu kommt eine Abordnung von Schule, Hort, Stadt und Schulamt, die den Übergangsbau begutachtet.

Man sieht es der Ausweichschule in Marktoberdorf nicht an, dass ihre Wände aus Gipskarton sind

Dass nur die tragenden Teile des Leichtbaus aus Stahl sind, die Wände aus Gipskarton und in nur wenigen Wochen hochgezogen – man sieht es ihnen nicht an. Die Luft ist frisch, nicht abgestanden. Auch nicht im Treppenhaus, wo keiner der zwei Meter hohen, mobilen Luftfilter steht, die laut Stadtbaumeister Ralf Baur fünfmal in der Stunde die Raumluft umwälzen, dabei aber nicht lauter als 40 Dezibel sein dürfen. Sie surren leise.

Schulleiter Jörg Schneider empfindet den Neubau, der für drei Jahre sein Domizil ist, als temporäres, aber „vollwertiges Wohlfühlhaus“. Großzügig wirken Schneiders Büro im Erdgeschoss („Ich hatte Glück, dass ein Modul dafür zu klein war“), das Lehrerzimmer für die 23 Lehrkräfte, die elf Klassenräume. Und das, obwohl diese mit 50 bis 60 Quadratmetern bis zu 20 Quadratmeter kleiner sind als in der alten Schule.

Warum es Klassenzimmer mit digitalen Tafeln gibt, aber auch welche mit konventionellen Kreidetafeln

In den Klassenzimmern stechen die Akustikdecken ins Auge, die Mischung aus White Boards, Kreide- und Digitaltafeln. Bei Letzteren gab es Lieferprobleme. Fünf digitale Tafeln habe die Schule aber schon, sagt Rupert Filser von der städtischen Schulverwaltung. Die anderen Klassen behelfen sich mit Beamer und Dokumentenkamera. Und es gibt 48 Schüler-Tablets. Schneider zeigt mit Unterrichtsbeispielen den „digitalen Quantensprung“.

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So sieht es in der Marktoberdorfer Ausweichschule aus

Als die Gruppe das Treppenhaus durchquert, bleibt es angenehm leise. Der Boden dort und in den Gängen besteht aus grauem Linoleum, drunter ist eine Trittschall-Schicht und Stein bzw. Estrich. „Schon der Estrich dämpft etwas. Den Container hört man nicht“, sagt Architektin Amica-Laura Westermayr vom Bauamt. „Meine Lehrerkollegen und ich, wir fühlen uns nicht wie in einer Ausweichsituation“, sagt Schneider. Und das, obwohl mit dem Auszug aus dem alten Bau in der Stadtmitte 150 Jahre Schulgeschichte endeten. Aber manch lieb gewonnener Schrank, manch Bücherregal zog ja mit um. Die langen Wege, den muffigen, bei Regen oft nassen Keller vermisse keiner.

Nach Container fühlt sich die aus recycelbaren Modulen gebaute Grundschule nicht an

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Es sei gut, dass etwas Gutes entstanden ist, sagt Schneider. „Auch die Drittklässler, die ich unterrichte, finden die Ausweichschule toll.“ Immerhin verbringen die meisten Schüler mehrere Jahre in dem Übergangsbau. „Da darf’s nichts Läppriges sein.“ Nach Container fühle sich die aus lauter Modulen gebaute Schule jedenfalls nicht an, bestätigt Hortleiter Klaus Hönig. Im alten Hort hätten die Eltern ja die Containerunterbringung ihrer Kinder beklagt.

Auch die Horträume sind nun hell, geräumig, es gibt eine Lesecouch, Kickertische, Spielecken. Schneider berichtet, dass einige Eltern sogar sagten: „Es ist super hier. Hier können die Kinder doch bleiben?“ Er und Hönig loben die kurzen Wege, die die Kooperation von Schule und Hort erleichtern. Wie der Raumplan an der Wand erklärt: Schulverwaltung und 1. Klassen sind im Parterre, 2. Klassen und Hort gemeinsam im 1. Stock, 3. und 4. Klassen im 2. Stock untergebracht.

Bürgermeister: "Ich habe den Eltern das Versprechen gegeben, dass sie nicht in einer Wellblechkiste unterrichtet werden!"

Beide Leiter loben – erneut – die Stadt. Es sei nicht selbstverständlich, dass eine Stadt „ihren Schulen einen so hohen Stellenwert beimisst“. Das lobt auch Schulrätin Karin Weikmann. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erinnert an das Versprechen, das die Stadt den Eltern gab: „Das Versprechen, dass sie nicht in einer Wellblechkiste – und nicht schlechter als in einer normalen Schule – unterrichtet werden.“

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