Schutz vor Corona

Gemeinderat Bidingen lehnt Luftfilter in Klassenzimmern ab

Für die Grundschule von Bidingen soll es keine mobilen Luftfilter geben. Der Gemeinderat setzt auf eine nachhaltige Lösung.

Für die Grundschule von Bidingen soll es keine mobilen Luftfilter geben. Der Gemeinderat setzt auf eine nachhaltige Lösung.

Bild: Hauke-Christian Dittrich dpa

Für die Grundschule von Bidingen soll es keine mobilen Luftfilter geben. Der Gemeinderat setzt auf eine nachhaltige Lösung.

Bild: Hauke-Christian Dittrich dpa

Gesundheit: Gremium in Bidingen diskutiert über das richtigen Lüften in der Grundschule. Schließlich entscheiden sich die Räte für eine nachhaltige Lösung.
03.11.2021 | Stand: 04:00 Uhr

Braucht es diese kostspielige Anlage? Bringt sie etwas? Ist sie vielleicht zu laut oder lassen die Corona-Auflagen vielleicht etwas anderes zu? Viele Fragen waren es, die Bidingens Bürgermeister Franz Martin und seinen Gemeinderat in der jüngsten Sitzung beschäftigten. Es ging um die Lüftungsanlage in der örtlichen Grundschule. Das Interesse an dem Thema, das in der Turnhalle behandelt wurde, war groß.

Alle 20 Minuten das Klassenzimmer lüften

Fakt ist: Die Schulen müssen in Zeiten der Pandemie alle 20 Minuten stoßlüften sowie zusätzlich nach etwa 35 Minuten und nach jeder Unterrichtsstunde und in den Pausen querlüften, also mit Durchzug. Außerdem wird empfohlen, Luftreinigungsgeräte aufzustellen oder einzubauen. Mit einer Luftfilteranlage konnte sich der Gemeinderat nicht anfreunden, da trotzdem regelmäßig über die Fenster gelüftet werden müsse.

Schulleiterin aus Bidingen: Die Kinder frieren im Winter

Schulleiterin Julia Greisel zeigte in einer Stellungnahme an die Gemeinde das Problem des Lüftens in den Wintermonaten auf: „Die Kinder werden frieren, die dritte und vierte Klasse sind bis 12.40 Uhr besetzt“. Außerdem werden in den nächsten Jahren die Klassen wesentlich größer. Greisel hält deshalb eine Nachrüstung mit einer Lüftungsanlage für sinnvoll.

Bürgermeister zeigt Kosten auf für Gemeinde Bidingen

In dieser Richtung tendierte auch Bürgermeister. Er verwies zudem auf die eingegangene Unterschriftenliste, die Einsparung der Energie- und Heizkosten und die Nachhaltigkeit – auch nach Corona. Martin stellte dann verschiedene Kostenrechnungen vor. Je eine Lüftungsanlage sollte nach seinem Vorschlag in den vier Klassenzimmern (ohne Werk- und EDV-Räume) nachgerüstet werden. Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf etwa 60 000 Euro, für die Montage kommen rund 10 000 Euro dazu. An Betriebskosten sei mit 4000 Euro zu rechnen. Davon geht die Förderung von 56 000 Euro ab, der Eigenanteil der Gemeinde beträgt demnach 14 000 Euro. Das Angebot von der Firma LTM beziehe sich auf fünf Geräte, die Lieferzeit wäre im Moment Januar/Februar 2022, sagte Martin. Er erinnerte daran, dass wegen der Förderung eine Ausschreibung von drei verschiedenen Geräten vorgeschrieben ist.

Zweiter Bürgermeister Martin Epp betonte, diese Investition sei eine dringende und nachhaltige Lösung. Gemeinderätin Waltraud Mair wiederum wunderte sich, dass manch andere Gemeinden noch nicht mit der Nachrüstung angefangen haben: „Es gibt doch so viel Fördergeld“.

"Verantwortung für Gesundheit der Kinder"

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Doch es gab auch kritische Stimmen. „Wir müssen nicht die Vorreiter spielen“, betonte Hermann Schindele. „Zuerst haben wir das nicht gebraucht, jetzt brauchen wir es“, sagte Magnus Mair. „Wir haben eine Verantwortung für die Gesundheit der Kinder“, konterte Dieter Fischer, obwohl es „vor Wochen es noch geheißen hat, dass wir uns mit dem Thema nicht belasten müssen und jetzt drängt es“.

Michael Kirchmayr erkundigte sich nach den Belegzeiten im Werk- und EDV-Raum und den Stunden der Mittagsbetreuung: „Man könnte hier ein Gerät einsparen“ – entgegen dem vorliegenden Angebot über fünf Geräte.

Im Anschluss dreht sich die Diskussion um die CO2-Ampel, um die Kanäle der Eingangs- und Ausgangsluft und vor allem um die Lautstärke der Lüftungsanlagen. „36 Dezibel sind kaum zu hören“, entgegnete Fischer. Auch Martin hat sich diesbezüglich in Buchloe erkundigt.

Gemeinderat drängt auf Abstimmung

„Wir sollten jetzt mal in die Gänge kommen“, forderte Epp und drängte auf eine Ausschreibung. Zahlreiche Zuhörer bedankten sich für diese Aussage mit Applaus. Nun liege es an der Gemeinde, wie schnell die Ausschreibung für eine dezentrale Lüftungsanlage der vier Klassenzimmer erfolgt und „wie schnell geliefert und montiert werden kann“, sagte Martin. Mit zwei Gegenstimmen wurde der Beschluss gefasst.

Lebensmittelmarkt in Bidingen soll kommen

Ein weiteres Thema war das Grundstücks-Kaufangebot der Raiffeisenbank Bidingen für einen neuen Lebensmittelmarkt (2800 Quadratmeter) am Laichweg/Ecke Bernbacher Straße, östlich des Wertstoffhofs. Der Bürgermeister informierte nochmals über den Plan des Investors, über den Anbieter Rewe (Nahkauf) und über die Zeitschiene (Baubeginn Ende 2022/Anfang 2023, Fertigstellung Herbst 2023). „Die Gemeinde hat eine Verantwortung für eine Lebensmittelversorgung“, sagte er. Er persönlich sei für den Bau. „Wir haben als Gemeinde kein Risiko. Es ist eine Win-Win-Situation für alle: Investor, Gemeinde und Anbieter.“

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