Themenführung

Hexenverbrennung, Mord und Totschlag: Das ist bei der neuen Gruselführung in Marktoberdorf geboten

Verkleidet als blutrote Marie führt Andrea Guggenmos ihr Publikum an die Schauplätze grausamer Ereignisse in Marktoberdorf.

Verkleidet als blutrote Marie führt Andrea Guggenmos ihr Publikum an die Schauplätze grausamer Ereignisse in Marktoberdorf.

Bild: Luca Riedisser

Verkleidet als blutrote Marie führt Andrea Guggenmos ihr Publikum an die Schauplätze grausamer Ereignisse in Marktoberdorf.

Bild: Luca Riedisser

Andrea Guggenmos startet ihre neue Stadtführung „Mordsgeschichten mit der blutroten Marie“ in Marktoberdorf. Diese Tour ist nichts für schwache Nerven.
12.05.2022 | Stand: 09:19 Uhr

Eine Frau mit langen, roten Haaren, einem Zylinder auf dem Kopf und gehüllt in einen roten Mantel erwartet ihre Besucher auf dem Parkplatz der Musikakademie Marktoberdorf. Es ist die blutrote Marie, die ihren gespannten Zuhörern die mörderischen Seiten der Stadt offenbaren möchte. Und sie ist nicht allein. (Lesen Sie dazu auch: Urbanimarkt 2022 in Marktoberdorf: Das ist alles geboten)

Ein Skelett begleitet das Publikum auf seinem Weg durch Marktoberdorf

Die Stadtführerin Andrea Guggenmos hat einen Begleiter dabei. Ein Skelett namens „Fritz“, das sie in einem Schubkarren herum schiebt und das mit allerlei merkwürdigen Utensilien dekoriert ist – beispielsweise mit einem Filzhut, einem blauen Socken, einem Messer und einem Pantoffel. Sie begrüßt die Anwesenden als ihre Detektive, die ihr dabei helfen sollen, anhand der Gegenstände und ihrer Geschichten herauszufinden, welche arme Seele sie da herumfährt.

Die neuste Themenführung „Mordsgeschichten mit der blutroten Marie“ beginnt vor der Musikakademie, führt in den Innenhof des Schlosses und dann bergab in die Dr.-Julius Straße. Von dort aus geht es wieder bergauf bis in die Kurfürstenalle, auf der die Gruppe zurück zum Parkplatz gelangt. In eineinhalb Stunden erzählt Andrea Guggenmos, alias die blutrote Marie, ihrem aufmerksam lauschenden Publikum schaurige Geschichten.

Die blutrote Marie erzählt von grauenvollen Hinrichtungen

Es geht um Mord und Totschlag – den Unterschied erklärt Guggenmos sehr ausführlich, um Wilderer, Soldaten, Scharfrichter und Mörder. Ein großes Thema sind vor allem Hinrichtungen. In Marktoberdorf gab es drei Hinrichtungsstätten: den Galgenberg, den Kopfbichl und den Schindsbichl. Letzteren besucht die blutrote Marie mit ihrer Gruppe. Auf dem Weg hält sie mehrmals an und erzählt haarsträubende Geschichten über Hexenverbrennungen, Enthauptungen, den Galgen und vieles mehr.

Eine gruselige und zugleich humorvolle Atmosphäre

Guggenmos schafft es durch ihre humorvolle Art und ihren Dialekt, diesen ernsten Themen Witz zu verleihen. Während der Führung wird viel herumgealbert. „Genau so soll es sein. Ich wünsche mir, dass die Menschen bei mir viel lachen, aber auch, dass sie abends mit neuem Wissen nach Hause gehen“, sagt Guggenmos nach der Führung.

Es sind wahre Geschichten, die Andrea Guggenmos erzählt

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Es geht um Mord - in der neuen Stadtführung durch Marktoberdorf

Die Menschen, von denen sie erzählt, haben tatsächlich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in Marktoberdorf gelebt. Und die schlimmen Dinge, die sie getan haben, sind auch wirklich so passiert. Zum Beispiel ermordete ein Mann seine schwangere Geliebte und die plündernden Schweden flößten einem ortsansässigen Bauern den Schwedentrunk ein. „Seit vier Monaten recherchiere ich für diese eine Führung“, sagt Guggenmos. Für ihre Recherchen steht sie mit dem Heimatverein Marktoberdorf in Verbindung. „Immer wieder kommen andere Details heraus, die mir Ideen für neue Führungen geben“, sagt Guggenmos begeistert.

In Marktoberdorf gibt es viele verschiedene Stadtführungen

Und nicht nur sie ist mit Herz und Seele bei der Sache, sondern auch ihre Zuhörer. Mehrere von ihnen versprechen, bald wieder zu kommen und auch ihre anderen Stadtrundgänge mitzumachen. „Es sind viele Wiederholungstäter. Das ist natürlich sehr schön“, sagt Andrea Guggenmos. Sie freue sich aber auch immer über neue Gesichter. Neben ihrer brandneuen Führung „Mordsgeschichten mit der blutroten Marie“ hat sie noch fünf weitere auf Lager. Am beliebtsten ist nach Angaben der Stadt Marktoberdorf „Die schwarze Witwe“, dicht gefolgt von „Rauhnächte – Räuchern – Rituale“. Außerdem bieten auch andere Touristenführer Themenführungen für Alt und Jung an: Es gibt zum Beispiel besondere Führungen in Marktoberdorf, wie kulinarische und Familienführungen sowie Rad- und Wandertouren. Stadtführungen in dieser Form gibt es seit 2017, als die Interessengemeinschaft der Gästeführer gegründet wurde.

Mit viel Liebe gestaltet

Andrea Guggenmos führt seit Jahren Gruppen von 15 bis 20 Personen durch verschiedene Teile der Stadt. Ungefähr 50 Führungen bietet sie im Jahr an. So kommt sie jährlich auf circa 750 Besucher. Besonders Allgäuer kommen dafür nach Marktoberdorf. Für die Stadt haben ihre Führungen daher einen hohen Stellenwert.

Am Ende jeder Tour gibt es einen Schnaps und ein kleines Geschenk für das Publikum. Bei der neuen Führung mit der blutroten Marie wird außerdem das Rätsel um ihren knochigen Freund im Schubkarren gelöst. Wer also wissen möchte, was es mit dem Skelett auf sich hat, sollte sich einen Abend für eine Stadtführung in Marktoberdorf frei halten.

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