Psychisch auffällige Schüler

Hilferuf von Sozialarbeitern: Immer mehr Schüler haben Angst, zu versagen

Schulsozialarbeiter aus Obergünzburg haben festgestellt, dass Grundschüler viel mehr Hilfe brauchen.

Schulsozialarbeiter aus Obergünzburg haben festgestellt, dass Grundschüler viel mehr Hilfe brauchen.

Bild: Barbara Kettl-Römer

Schulsozialarbeiter aus Obergünzburg haben festgestellt, dass Grundschüler viel mehr Hilfe brauchen.

Bild: Barbara Kettl-Römer

Die Zahl der Angstörungen bei Schülern hat während der Pandemie deutlich zugenommen, sagen Sozialarbeiter aus Obergünzburg. Was steckt dahinter?
30.05.2022 | Stand: 05:30 Uhr

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben laut Schulsozialarbeiter Jonas Mohring die Schul- und Versagensängste bei Grundschülern deutlich zugenommen. Im laufenden Schuljahr betreut Mohring allein an den Grundschulen in Obergünzburg und Ronsberg 57 Kinder als „Einzelfälle“. 24 davon sind seit September neu dazugekommen. Das sei schon „eine starke Zunahme bei der Einzelfallhilfe“, meinte er.

Es gibt mehr Problem im Sozialverhalten

Es gebe viel mehr Probleme im Sozialverhalten, sagt Mohring. „Allgemein sind die Schüler psychisch auffälliger geworden“, sagte Mohring. Besonders betroffen seien die „Corona-Jahrgänge“, also die Kinder, die jetzt in der zweiten und dritten Klasse sind und bisher „noch gar kein normales Schuljahr hatten“. Auch bei den Eltern sei der Beratungsbedarf hoch. Insgesamt sei die Einzelfallhilfe zeitlich sehr aufwendig, wodurch weniger Zeit für die Präventionsprojekte bleibt, die eigentlich ein Schwerpunkt der Schulsozialarbeit an den Grundschulen sei, bedauerte Jonas Mohring.

Ebenfalls zugenommen haben die Schwierigkeiten bei den Mittelschülern, die von der Jugendsozialarbeiterin Sonja Angerer betreut werden. Derzeit verzeichnet sie 78 Einzelfälle, normalerweise sind es 70. Die durch die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie erzeugten Probleme bei den älteren Kindern sind freilich etwas anders gelagert.

Viele Kinder und Jugendliche im Ostallgäu haben nachts gezockt

„Ganz viele Kinder haben nachts gezockt“, berichtete Angerer, das gehe bis zur Spielsucht. Das Spielen am Computer sei oft die einzige Möglichkeit gewesen, Kontakt mit anderen Kindern und Jugendlichen zu haben, erklärt sie, aber dadurch hätten viele einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus gehabt und seien beim (Online-) Unterricht entsprechend müde gewesen. Auch die familiäre Enge sei für viele schwierig gewesen. Ein Mädchen, das im Übergangswohnheim lebt, habe erzählt, dass es sich oft auf die Toilette zurückgezogen habe, um in Ruhe lernen zu können.

Schüler aus Obergünzburg fanden dennoch den Übergang in einen Beruf

Zur Jugendsozialarbeit an der Mittelschule Obergünzburg gehören eigentlich auch Projekte, die den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern sollen. Dass diese alle ausfallen mussten und es weder Praktika noch Bewerbungstrainings gab, „hat es nicht einfacher gemacht“, sagte Angerer. Trotzdem hätten alle Schülerinnen und Schüler der Mittelschule einen Anschluss nach dem Abschluss gefunden, freute sie sich. Positiv wertete die Jugendsozialarbeiterin, dass es den Jugendlichen wichtig gewesen sei, den Kontakt mit ihr zu halten, was über Video und auch bei gemeinsamen Spaziergängen gelungen sei.

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Die Be- und Entlüftungsanlagen an der Grund- und Mittelschule Obergünzburg sollen über die Sommerferien erweitert werden. Konkret geht es um die Schulküche, die Werkräume und den Raum, der für die Mittagsbetreuung genutzt wird. Diese sollen ebenso gut be- und entlüftet werden wie die Klassenzimmer. Dazu werden dezentrale Lüftungsanlagen eingebaut.

Da Leitungen verlegt und Decken teilweise rückgebaut werden müssen, sollen die Arbeiten im Wesentlichen in den Schulferien ausgeführt werden, sodass nach Schuljahresbeginn nur noch ein paar Restarbeiten anfallen, die den Unterrichtsbetrieb nicht stark stören. Im Gemeindehaushalt sind 520.000 Euro dafür eingestellt, 408.000 Euro werden aus Fördermitteln bezahlt.

Viel mehr Schüler in Obergünzburg im nächsten Schuljahr

Neuigkeiten hatte auch Schulrektor Bernhard Meyer für die Runde: Ab dem Schuljahr 2022/23 wird es in Friesenried keine Mittelschulklassen mehr geben. Alle Schüler wechseln nach Obergünzburg. Insgesamt werden im neuen Schuljahr 650 Schülerinnen und Schüler in 30 Klassen die Grund- und Mittelschule besuchen (derzeit sind es 27 Klassen mit 609 Schülern). Das Gros des Zuwachses entfalle auf die Grundschule, erklärte Meyer, es werden daher wieder vier erste Klassen gebildet. Derzeit besuchen 13 aus der Ukraine geflüchtete Kinder die Grundschule, nach den Pfingstferien sollen noch zwei dazukommen. Vier Kinder besuchen die Mittelschule. Alle werden gemeinsam mit den deutschen Kindern unterrichtet, erhalten aber täglich eine Deutsch-Förderstunde. Das klappe sehr gut, sagte der Rektor.

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