Projekt für mehr Natur

Margeriten, Bocksbart, Flockenblumen: Wie die Wiesen im Ostallgäu artenreicher werden

Margeriten, Flockenblumen und Wiesenbocksbart sollen auf Flachland-Mähwiesen im Ostallgäu wieder blühen dürfen. Dazu gibt es ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Motto "Blütenreich Ostallgäu".

Margeriten, Flockenblumen und Wiesenbocksbart sollen auf Flachland-Mähwiesen im Ostallgäu wieder blühen dürfen. Dazu gibt es ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Motto "Blütenreich Ostallgäu".

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolfoto)

Margeriten, Flockenblumen und Wiesenbocksbart sollen auf Flachland-Mähwiesen im Ostallgäu wieder blühen dürfen. Dazu gibt es ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Motto "Blütenreich Ostallgäu".

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolfoto)

Das Ostallgäu soll wieder zu einem "Blütenreich" werden. So nennt sich auch ein Hilfsprojekt für Wiesen. Welch wertvolle Vorarbeit da der "Wiesefix" leistet.
09.11.2021 | Stand: 15:30 Uhr

Der Name ist Programm: „Blütenreich Ostallgäu“ heißt das Wiesenhilfsprojekt. Einst häufige, artenreiche Flachland-Mähwiesen will Projektmanagerin Claudia Gruber in den Landkreis zurückkehren. Dazu schlossen die Landwirtschaft und der Landschaftspflegeverband eine Allianz.

Als Spenderflächen für das wertvolle Saatgut wurden in diesem Sommer rund 300 noch intakte Wiesen kartiert. Dazu meldeten sich 30 Landwirte und Landwirtinnen als Interessenten. Die Flächengrößen reichen von wenigen 1000 Quadratmetern bis hin zu mehreren Hektar. „Ihre extensiv genutzten, zweischürigen Wiesen eignen sich hervorragend für eine Artenanreicherung mittels Ansaat oder Mahdgutübertragung“, schildert Gruber in einer Pressemitteilung. Hierfür werden die Samen mit einer speziellen Maschine, dem „Wiesefix“, aus dem reifen Wiesenbestand einer artenreichen Spenderfläche ausgebürstet, anschließend getrocknet und innerhalb der nächsten zwei Jahre auf artenärmere Empfängerflächen ausgebracht.

Lokales Saatgut für Marktoberdorf und das Ostallgäu

2021 wurden von etwa 13,5 Hektar rund 55 Kilogramm heimisches Saatgut gewonnen. Mit der Zeit sollen dort wieder intakte Flachland-Mähwiesen entstehen, wo sie in der Vergangenheit verschwanden. Margeriten, Flockenblumen und Wiesenbocksbart, die in der Vergangenheit ein wichtiger Lebensraum für heimische Insekten waren, sollen wieder wachsen dürfen. „Kommerzielles Regiosaatgut kann zwar auch helfen, doch ist dies niemals so perfekt an die standörtlichen Gegebenheiten im Ostallgäu angepasst wie aus lokalen Beständen gewonnene Samen“, erklärt Claudia Gruber.

Der „Wiesefix“ hilft dabei, Wiesen artenreicher zu machen. Er ernetet das wertvolle Saatgut, das getrocknet und später gesät werden. So soll das Ostallgäu wieder zu einem Blütenreich werden.
Der „Wiesefix“ hilft dabei, Wiesen artenreicher zu machen. Er ernetet das wertvolle Saatgut, das getrocknet und später gesät werden. So soll das Ostallgäu wieder zu einem Blütenreich werden.
Bild: Claudia Gruber/LPV

Deutschland gliedert sich in 22 Herkunftsgebiete, innerhalb derer Saatgut einheimischer Wildpflanzen der Herkunftsqualität „Regiosaatgut“ gesammelt und vertrieben wird. Das Ostallgäu gehört zum am stärksten vertretenen Herkunftsgebiet 17. Es reicht von Singen am Hohentwiel im Westen bis nach Freilassing im Osten. „Da liegt es nahe, dass eine Art je nach Herkunft genetische Unterschiede aufweisen kann und am Bodensee besser gedeiht als vor den Toren Salzburgs,“ sagt die Projektmanagerin.

Forscherteam untersucht Genetik der Saat aus dem Ostallgäu

Wie groß die genetischen Unterschiede einer Art innerhalb und zwischen den Herkunftsgebieten sind, soll eine wissenschaftliche Untersuchung zeigen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Walter Durka und Dr. Stefan Michalski am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle will diese Fragen klären. Basis der Forschung sind rund 6000 von Freiwilligen gesammelte Pflanzenproben von ausgewählten Arten aus dem gesamten Bundesgebiet.

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Am Sammeln der Pflanzenproben hat sich auch das Wiesenhilfsprojekt Ostallgäu beteiligt. Ziel ist es, für jede der Arten die innerartliche genetische Vielfalt über die verschiedenen Regionen Deutschlands hinweg zu ermitteln. In Zukunft könnte es so möglich werden, regional besser angepasstes Wiesensaatgut zu produzieren und somit einen weiteren Schritt in Richtung artenreicher Wiesen zu gehen.