Marktoberdorf

Imkerin: Mit vollem Bauch sticht Biene nicht gern

Zeit, die Stöcke winterfest zu machen: Der Vereinschef der Marktoberdorfer Imker, Christian Kneip (rechts), und Ausbilder Theo Kremer (Besitzer von zwei Dutzend eigenen Bienenstöcken, links) assistieren dem Jungimker Dénes Széchényi, der das Bienenvolk auf die kalte Jahreszeit vorbereitet.

Zeit, die Stöcke winterfest zu machen: Der Vereinschef der Marktoberdorfer Imker, Christian Kneip (rechts), und Ausbilder Theo Kremer (Besitzer von zwei Dutzend eigenen Bienenstöcken, links) assistieren dem Jungimker Dénes Széchényi, der das Bienenvolk auf die kalte Jahreszeit vorbereitet.

Bild: Foto: Anton Reichart

Zeit, die Stöcke winterfest zu machen: Der Vereinschef der Marktoberdorfer Imker, Christian Kneip (rechts), und Ausbilder Theo Kremer (Besitzer von zwei Dutzend eigenen Bienenstöcken, links) assistieren dem Jungimker Dénes Széchényi, der das Bienenvolk auf die kalte Jahreszeit vorbereitet.

Bild: Foto: Anton Reichart

Was Dénes Széchényi als Neu-Imker beim Imkerverein Marktoberdorf alles lernt und warum es am Lehrbienenstand erst einmal ordentlich dampft.
27.08.2020 | Stand: 19:34 Uhr

Ordentlich Dampf machen sie erst einmal. Am Lehrbienenstand in Geisenhofen zeigt der Vorsitzende der Marktoberdorfer Imker, Christian Kneip, dem Nachwuchs-Imker Dénes Széchényi und weiteren interessierten Bienenfreunden, wie man sein Hautflüglervolk – besser bekannt als Honigbiene – winterfest macht. Jetzt, im August, liegt die Honigernte schon einen Monat zurück.

Kneip und Széchényi befüllen den Smoker mit Holzpellets oder morschem Birkenholz. Das zünden sie an und räuchern damit die Umgebung des Bienenstocks etwas aus. Kneip erklärt die Wirkung: Der Rauch täuscht der kaum zehn Millimeter großen Biene vor, dass der Wald brennt. Hastig hamstert sie Futter im Futtermagen. Und mit vollem Magen, da wollen sie nicht so leicht stechen, sagt der erfahrene Imkerchef mit einem Schmunzeln.

Sechs Stöcke

Aber die Völker der sechs Stöcke am Lehrbienenstand seien von Haus aus sehr friedlich, versichert er. Keine Biene sticht, schließlich wäre es auch ihr Tod, da das Insekt den Stich nicht überleben würde. Széchényi hebt mit der Zug- und Stockwaage eine Seite seines Stockes hoch: 15 Kilogramm zeigt das Messgerät an. Mal zwei genommen bedeutet das: Sein Volk wiegt 30 Kilogramm. Da kann er ordentlich zufüttern, damit die Bienen den Winter über genügend Nahrung haben. Rund vier Kilogramm Zuckersirup wird er zugeben, allerdings nicht mit Antibiotika versetzt, so wie es amerikanische Imker machen.

Zuvor steht eine umfangreiche Inspektion der Hautflügler an. Nach dem Öffnen des Stockes zieht der Jungimker behutsam eine Wabe heraus. Kneip lobt das schöne Haarkleid. Denn wenn die Haare fehlen würden, würden die Bienen schwarz erscheinen. Aber noch wichtiger als das schöne Haarkleid ist ein kaum ein Millimeter großer Mitbewohner, die bienenschädliche Varroamilbe. Hier finden sich allerdings nur wenige tote Milben. Damit das auch so bleibt, fügt der Imker ein Gefäß mit 60-prozentiger Ameisensäure in den Stock ein. Die verdunstende Säure vernichtet Varroa, ohne dass die Bienen geschädigt werden.

Dénes Széchényi hat zusammen mit seiner Frau Conny seine Liebe zu den Bienen entdeckt. Die Kinder seien aus dem Gröbsten heraus, so haben die beiden etwas mehr Zeit als früher. Und es stellt einen guten Gegenpol zu seinem Hauptberuf dar, in dem er als Chef der Kommunikation bei der weltweiten Plansee Group arbeitet: „Es gibt keine Hektik, da kommt man automatisch ’runter“, beschreibt der Nachwuchsimker den beruhigenden und entschleunigenden Umgang mit den Hautflüglern. 5000 bis 10000 Insekten pro Stock seien es im Winter, sie wachsen auf 40 000 bis 50 000 Exemplare im Sommer an.

Széchényi hat sich, wie auch manch anderer, auf der Imkerschule in Kleinkemnat bei Kaufbeuren auf sein Hobby vorbereitet. Darüber hinaus gelte es, „immer wieder zu lesen, zu lesen und nochmals zu lesen“.

Im März einzusteigen empfiehlt sich

Kneip, der seit acht Jahren den Verein leitet und von 84 auf 130 Mitglieder vergrößert hat, trifft sich mit Vereinsmitgliedern jeden dritten Mittwoch im Monat ab 20 Uhr im Modeon zum Gedankenaustausch. „Jeder ist willkommen“, erweitert er seine Einladung auch an Nichtmitglieder. Ein guter Zeitpunkt einzusteigen sei der März jeden Jahres. Da beginne der Jahreszyklus. Jeder „Jung“-Imker bekomme dann einen erfahrenen Paten für zwei Jahre zur Seite gestellt und erhalte ein eigenes Volk. Das darf der Nachwuchsimker anschließend behalten. So möchte der Verein sich für die Zukunft rüsten – auch im 152. Jahr nach seiner Gründung im Jahr 1868.