Ostergottesdienste in Corona-Zeit

In der Kirche, im Freien, am PC: Marktoberdorf feiert Ostern

Im frühen Morgengrauen feierte die evangelische Johannesgemeinde mit Pfarrer Klaus Dinkel auf der Buchel den Auferstehungsgottesdienst.

Im frühen Morgengrauen feierte die evangelische Johannesgemeinde mit Pfarrer Klaus Dinkel auf der Buchel den Auferstehungsgottesdienst.

Bild: Heinz Budjarek

Im frühen Morgengrauen feierte die evangelische Johannesgemeinde mit Pfarrer Klaus Dinkel auf der Buchel den Auferstehungsgottesdienst.

Bild: Heinz Budjarek

Christen freuen sich auch in Marktoberdorf über die Auferstehung Jesu. Diesmal sind gewohnte Formen teilweise möglich. Warum sogar ein Grabstein zu blühen beginnt.
05.04.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Auch die Marktoberdorfer Christen feierten die Auferstehung Jesu mit festlichen Gottesdiensten. Die Form war dabei durchaus unterschiedlich: Die katholische Kirchengemeinde traf sich in festen Gotteshäusern, die Gottesdienste wurden zum Teil auch im Internet übertragen, die evangelische Johannesgemeinde nutzte für die Feier unter anderem die Buchel.

In der Stadtpfarrkirche St. Martin waren in der Osternacht – coronakonform mit Maske und dem gebotenen Abstand – alle Plätze besetzt. Ein Vokalensemble unter der Leitung der Kirchenmusikerin Birgit Brücklmayr begleitete den Gottesdienst mit festlichen Weisen.

Segnung der Kerzen in Marktoberdorf

Vor der Eucharistiefeier segnete Kaplan André Harder die Osterkerze am Feuer vor der Kirche und trug sie dann ins dunkle Gotteshaus, wo Ministranten die Flammen an die Gläubigen weitergaben. Nach dem Exsultet, dem Osterlob, und drei Lesungen erstrahlte die Kirche beim Gloria in vollem Glanz. Vom Kirchturm kündeten die Glocken die Freude über die Auferstehung und in der Kirche zog Brücklmayr alle Register der Orgel.

In seiner Ansprache blickte der Kaplan zurück auf die Erzählung des Durchzugs durch das Rote Meer und sagte, sie sei aus der Osternacht nicht wegzudenken. Darin wird erzählt, wie Jahwe sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens in die Freiheit geführt hat. Allerdings habe sie einen hohen Preis, denn „das ganze Heer des Pharao wird vernichtet“.

Ostern lebt von Bildern

Die Osternacht sei voll von Bildern, die mit dem Wasser zu tun haben. Da sei „nicht nur von lebensspendendem Elixier die Rede, sondern auch vom Wasser, das den Tod bringt und einen Neuanfang möglich macht“, sagte Harder. Er bezeichnete die Erzählung als ein Bild für das ewige Leben, für die Taufe. „Unser altes Leben stirbt und unser neues Leben mit Jesus beginnt.“ Die Israeliten seien ein Bild der Gläubigen, „die durch das Wasser der Taufe aus der Knechtschaft des Bösen befreit sind“.

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Bei seiner Suche nach Geschichten und Erlebnissen aus unserer Zeit, die „die Gefühle dieser Nacht beschreiben“ und die „uns heute näherbringen, was Auferstehung heißt“, sei ihm klar geworden: „Am Tod kommen wir nicht vorbei. Der Tod ist die Grundlage für die Auferstehung. Es muss etwas sterben, damit etwas Neues entstehen kann“, sagte er. Er schilderte den Tod eines 22 Monate alten Mädchens, dessen Eltern sich bereit erklärt hatten, die Organe zu spenden. So bekamen „drei teils ganz junge Menschen ein neues Leben geschenkt“. So werde Tod und unaussprechlicher Schmerz für die einen zum Heil für andere. „An Ostern stirbt nur einer: der Tod selbst und wir dürfen leben“, beendete der Kaplan seine Ansprache und sagte: „Seit der Auferstehung Jesu von den Toten ist der Tod in Wahrheit am Ende mit seinem Latein.“

Erstmals wieder mit Abendmahl

Zum ersten Mal seit über einem Jahr feierte die evangelische Johannesgemeinde Marktoberdorf unter strengen Corona-Schutzmaßnahmen wieder einmal Abendmahl. Gleich fünfmal bestand an den Ostertagen die Gelegenheit, an einer der Feiern teilzunehmen.

Neue Wege wurden auch bei der Osternacht gegangen. Sie fand mit Pfarrer Klaus Dinkel dieses Jahr im Freien bei einem Osterfeuer auf der Buchel statt. Beim Familiengottesdienst in der Johanneskirche bekräftigte Pfarrerin Stefanie Mangold: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Nach der Lesung aus dem Markusevangelium verwies sie auf die brennende Osterkerze. Sie verkünde, dass der Tod überwunden sei.

Kindgerecht erzählte sie im Familiengottesdienst vom Schreck der Frauen, als sie zu Jesu Grab kamen, dieses leer fanden und der Engel ihnen nicht nur die Freude über die Auferstehung vermittelte. Vielmehr übertrug er ihnen auch die Aufgabe, seinen Jüngern mitzuteilen, dass er sie in Galiläa erwarte. Wobei er mit Galiläa die Landschaft und damit ihren Lebensalltag gemeint habe. Damit wollte er sie ermutigen, ihr Leben freudig in die Hand zu nehmen. Denn er sei stets bei ihnen.

Grund zur Freude für Christen in Marktoberdorf

Durch die Überwindung des Todes können wir alle unsere Traurigkeit ablegen, uns unseres Lebens erfreuen und das Osterfest fröhlich feiern, betonte sie. Denn seine Engel begleiteten uns alle Tage – auch wenn sie keine Flügel trügen. Spürbar seien sie an einer helfenden Hand, einem Zuspruch oder guten Wort.

Der von Jesu Grab gewälzte Stein – im Gottesdienst durch eine graue, aufgestellte Matratze dargestellt – habe seine Schrecken verloren und könnte sich begrünen. Dies stellte die Pfarrerin mit einem grünen Behang dar. Um der Osterfreude Ausdruck zu verleihen, konnten sich alle aus farbigem Krepppapier eine Lebensblume formen. Diese konnten die kleinen und großen Gottesdienstbesucher entweder mit nach Hause nehmen oder am symbolischen Grabstein anheften, um ihn zum Blühen zu bringen.