Eine bewegte Geschichte

Von heidnischen Kelten, Hexen und Rittern: So geschichtsträchtig ist der Kalvarienberg bei Bidingen

Der Kalvarienberg in Bidingen-Weiler blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Der Kalvarienberg in Bidingen-Weiler blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Bild: Heiko Wolf

Der Kalvarienberg in Bidingen-Weiler blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Bild: Heiko Wolf

An Karfreitag pilgern wieder viele Gläubige auf den schönen Kalvarienberg in Bidingen-Weiler. Die Anhöhe ist aber auch ein besonders geschichtsträchtiger Ort.

15.04.2022 | Stand: 12:42 Uhr

Der Kalvarienberg in Bidingen-Weiler ist ein besonders geschichtträchtiger Ort. Vermutlich beherbergte die Anhöhe bereits in der Keltenzeit (700-100 vor Christus) eine keltische Befestigung und Höhensiedlung. Auch eine keltische Kultstätte wird dort von Geschichtswissenschaftlern vermutet, während im Hochmittelalter in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wohl eine mittelalterliche Burganlage auf dem exponierten Bergkegel stand. (Lesen Sie dazu: Mit Jesus auf den Berg Golgota: Ein Gang auf den Kalvarienberg bei Bidingen.)

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Impressionen vom Kalvarienberg in Bidingen

Um den Kalvarienberg in Bidingen-Weiler ranken sich auch spannende Hexensagen

Zugleich ranken sich viele Sagen um den Weileraner Kalvarienberg, der auch Teil des Sagenhaften Weges in der Region ist. Die bekannteste Sage berichtete von Hexen auf dem Berg, die einen Kirchenbau dort verhindern wollte, bis ein wildfremder Schimmel - einer anderen Sage nach ein Heiliger hoch zu Ross - das benötigte Baumaterial Tag und Nacht auf den Berg schleppte. Erst danach hätten die Menschen gefahrlos den Berg erklimmen - und beim Kirchenbau zu Ehren Gottes helfen ikönnen.

Um den Kalvarienberg in Bidingen-Weiler ranken sich auch spannende Sagen.
Um den Kalvarienberg in Bidingen-Weiler ranken sich auch spannende Sagen.
Bild: Heiko Wolf

Eine erste christliche Kapelle auf dem Kalvarienberg in Bidingen-Weiler, der zwischenzeitlich auch den Mönchen des St. Mang Klosters in Füssen gehörte, ist dann für 1670 urkundlich bestätigt. In schwerer Krankheit gelobte der damalige Bidinger Pfarrer Mathias Hartmann nämlich, aus eigenen Mitteln eine Kapelle auf der hübschen Anhöhe zu errichten. Vermutlich wegen Baufälligkeit wurde dann vom berühmten Marktoberdorfer Baumeister Johann-Georg Fischer 1730 die Nachfolge-Kapelle gebaut.

Der Rundbau hat eine bemerkenswerte Akustik, die Grabkapelle mit Tuffstein befindet sich in deren Keller

Die der Muttergottes geweihte Kalvarienbergkapelle ist ein Rundbau mit einer bemerkenswerten Akustik. Das Deckengemälde stammt vom Eggenthaler Kirchenmaler Franz Xaver Bernhard. Ebenso bemerkenswert ist die in Tuffstein (mit Zement) errichtete halbkreisförmige Grabkapelle unter der Nordhälfte des Kirchleins. Sie bildet die 14. Kreuzwegstation. Auch die anderen 13 Kreuzwegstationen wurden erstmals im 18. Jahrhundert errichtet.

Wann die Ölbergkapelle am Fuße des Kreuzwegs hinzugekommen ist

Die Ölbergkapelle am Fuße des Kreuzwegs stammt dagegen erst von 1894. Zu dieser Zeit wurden auch die Kreuzwegstationen im damals üblichen neugotischen Baustil renoviert. In den 1970er Jahren fanden ebenfalls Renovierungen im größeren Stil statt, bei den Kapellen und beim Kreuzweg. Damals wurden auch die heutigen Kreuzwegbilder gestaltet: Sie stammen von dem Pfrontener Kirchenmaler Andreas Dasser.

Der Startpunkt des Kalvarienbergs in Bidingen-Weiler mit der Ölbergkapelle.
Der Startpunkt des Kalvarienbergs in Bidingen-Weiler mit der Ölbergkapelle.
Bild: Heiko Wolf

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Von Herbst 1992 bis Frühjahr 1993 fanden - quasi zum 100-jährigen Bestehen der Ölbergkapelle und auf Anregung des damaligen Pfarrers Siegfried Beyrer - erneut umfangreiche Renovierungsarbeiten in mühevoller Kleinarbeit statt. Alle 14 Kreuzwegstationen wurden damals von Mathias und Manfred Burkhart sowie dem damaligen Mesner Martin Keller in mühevoller Kleinarbeit renoviert und neu gemalt. Die Spenglerarbeiten übernahm Rudolf Neher, die Zimmererarbeiten Josef Weiß und Magnus Mooser, die Putzarbeiten Andreas Mariner. Die verwendeten Materialien dazu stammten von Bidinger sowie Marktoberdorfer Betrieben.

Wie die heutige Gemeinde Bidingen unter der Pest gelitten hat

Direkt auf der benachbarten Anhöhe (südlich des Kalvarienbergs) befand sich übrigens ab 1633 mit dem Pestfriedhof der Pfarrei Bidingen ein weiterer geschichtsträchtiger Ort. Während des 30-jährigen Krieges hatte die Seuche die Zahl der Einwohner Bidingens von 500 auf 200 schrumpfen lassen. In der Pfarrei Bernbach überlebten nur 43 Einwohner die Pest. 35 leere Hofstellen wurden durch einwandernde Tiroler mit neuem Leben erfüllt.

Manfred Burkhart sowie Mesnerin Margit Hipp sind mit dem Kalvarienberg aufgewachsen.
Manfred Burkhart sowie Mesnerin Margit Hipp sind mit dem Kalvarienberg aufgewachsen.
Bild: Heiko Wolf