Corona im Allgäu

Leere in Allgäuer Impfzentren: Ruhe vor dem nächsten Ansturm?

Leere herrscht in manchen Stunden im Warteraum des Impfzentrums in Marktoberdorf. Doch das könnte sich im Falle einer weiteren Corona-Welle im Herbst ändern, mutmaßen Experten.

Leere herrscht in manchen Stunden im Warteraum des Impfzentrums in Marktoberdorf. Doch das könnte sich im Falle einer weiteren Corona-Welle im Herbst ändern, mutmaßen Experten.

Bild: Tobias Schuhwerk

Leere herrscht in manchen Stunden im Warteraum des Impfzentrums in Marktoberdorf. Doch das könnte sich im Falle einer weiteren Corona-Welle im Herbst ändern, mutmaßen Experten.

Bild: Tobias Schuhwerk

Die Pandemie und das Impfen spielen im Alltag kaum noch eine Rolle. Das könnte sich im Herbst ändern, glauben Experten. Zu Besuch im Impfzentrum Marktoberdorf.
23.05.2022 | Stand: 06:11 Uhr

Der Zettel an der Wand mit der augenzwinkernden Botschaft erinnert an turbulente Tage. „Wir sind hier nicht bei Wünschdirwas, sondern bei Soisses“, steht darauf geschrieben. Den Spruch hängte ein Mitarbeiter des Impfzentrums in Marktoberdorf zu Zeiten des Hochbetriebs ins Besprechungszimmer. Damals, Anfang 2021, als Impfwillige es kaum erwarten konnten, den ersten Pieks zu bekommen – und als sie darum buhlten, sich den aus ihrer Sicht besten Impfstoff spritzen zu lassen.

Bis zu 700 Impfungen pro Tag führten die Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes zu Spitzenzeiten im Impfzentrum Marktoberdorf durch, einem von neun Einrichtungen dieser Art im Allgäu. Insgesamt wurden allein in Marktoberdorf bislang 87.000 Impfungen verabreicht. „Anfangs ging es vor allem darum, die Gruppen zu priorisieren und die Ströme zu kanalisieren. Was wir gemacht haben, war Mangelverwaltung“, erinnert sich der Ärztliche Leiter Gregor Blumtritt. Heute ist von Andrang nichts mehr spüren: Zehn bis 30 Impfungen pro Tag verzeichnet Verwaltungsleiter Alexander Denzel. Meistens handelt es sich um Menschen, die sich ihre dritte oder vierte Impfung (für über 70-Jährige) abholen. Kaum vorstellbar, dass hier Menschen einmal Schlange standen. „Seit es keine Corona-Einschränkungen mehr gibt, ist bei den meisten Leuten aus dem Kopf raus, dass wir weiter in einer Pandemie stecken“, sagt Denzel. Zudem habe der Ukraine-Krieg die Themen „Impfen und Corona“ in den Hintergrund rücken lassen.

Zu Spitzenzeiten wurden im Impfzentrum in Marktoberdorf bis zu 700 Impfungen pro Tag verabreicht. Neben Marktoberdorf gibt es im Ostallgäu auch das ebenfalls vom Roten Kreuz betriebene Impfzentrum Kaufbeuren.
Zu Spitzenzeiten wurden im Impfzentrum in Marktoberdorf bis zu 700 Impfungen pro Tag verabreicht. Neben Marktoberdorf gibt es im Ostallgäu auch das ebenfalls vom Roten Kreuz betriebene Impfzentrum Kaufbeuren.
Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Dabei hinkt das Allgäu in Sachen Impfen hinterher: Der Anteil der Menschen mit Erst- und Zweitimpfung in der Region lag Anfang April bei 69,5 Prozent – bundesweit waren es 76 Prozent. Eine Auffrischungsimpfung hatten zu diesem Zeitpunkt 49,5 Prozent der Allgäuerinnen und Allgäuer. Über 1000 Menschen aus der Region sind im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung gestorben.

Manche Experten rechnen damit, dass es im Herbst zu einer erneuten Welle kommen könnte. Deshalb sei es wichtig, die Impfzentren neben den Angeboten von Hausärzten und Apotheken offen zu halten, erläutert Alexander Denzel. Wenngleich in reduziertem Umfang: Derzeit hat das Impfzentrum Marktoberdorf nur noch unter der Woche für je acht Stunden geöffnet, insgesamt halten 30 Mitarbeiter den Betrieb am Laufen. Zu Spitzenzeiten, als das Zentrum teils 14 Stunden am Tag und zudem an den Wochenenden offen stand, waren es 70. Wichtig sei, an den bestehenden Strukturen festzuhalten. „So sind wir bei Bedarf schnell wieder auf Betriebstemperatur“, sagt Denzel mit Blick auf die Möglichkeit einer weiteren Welle. Bayern wird die staatlichen Impfzentren mindestens bis zum 31. Dezember 2022 fortführen. Das hat der Ministerrat im Februar beschlossen.

Beratung für ungeimpfte Pflegekräfte

Die Zentren übernehmen auch eine wichtige Rolle bei der Beratung. Wer ungeimpft in einem Pflegeberuf arbeitet, muss - in einem ersten Schritt - eine Beratung nachweisen. Sonst droht ein Bußgeld. Doch wie laufen diese Gespräche ab? „Ich führe sie auf Augenhöhe in freundlicher Atmosphäre. Ich möchte nicht, dass die Personen, die zu uns kommen, das Gefühl haben, etwas übergestülpt zu bekommen“, erläutert Mediziner Martin Friedrich. Ob sich Impfskeptiker aus Pflegeberufen danach den Pieks setzen lassen, ist unklar. Oft würden sie sich mit dem Satz verabschieden: „Ich überlege es mir.“

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Eine Entscheidung getroffen, hat dagegen Sarah Lauer. Die 35-jährige Mutter von zwei Kindern aus Marktoberdorf lässt sich an diesem Vormittag ihre dritte Biontech-Impfung verabreichen. „Ich nehme Corona nach wie vor sehr ernst“, sagt sie. Im Dezember sei ihr Vater nach einer Corona-Infektion gestorben. Trotz Vorerkrankung habe er sich nicht zu einer Impfung überreden lassen. Auch ihre Mutter lehne die Impfung ab. „Wer sich bis jetzt nicht geimpft hat, der wird es auch nicht mehr tun“, glaubt sie.

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