Termine im Ostallgäu

Nach Corona-Pause: Hier feiern die Menschen im Ostallgäu wieder Maibaumfeste

In vielen Gemeinden im mittleren Ostallgäu werden am Sonntag wieder Maibäume aufgestellt.

In vielen Gemeinden im mittleren Ostallgäu werden am Sonntag wieder Maibäume aufgestellt.

Bild: Kar-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolfoto)

In vielen Gemeinden im mittleren Ostallgäu werden am Sonntag wieder Maibäume aufgestellt.

Bild: Kar-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolfoto)

In Marktoberdorf und Umgebung finden endlich wieder Maibaumfeste statt. Das Maibaum-Aufstellen läuft ähnlich ab. Doch in einigen Gemeinden gibt es Besonderheiten.
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Von Luca Riedisser
01.05.2022 | Stand: 07:41 Uhr

Der Mai steht vor der Tür und die Ostallgäuer Gemeinden bereiten nach langer coronabedingter Pause ihre Maibäume endlich wieder vor. Feiern wie vor Corona, lautet das Motto der Vereine, die sich freuen, wieder zu der gemeinsamen Tradition zurückzukehren – ohne Maske und Abstand. Der Brauch des Maibaum-Aufstellens gehört für viele Menschen zum alljährlichen Geschehen und bedeutet Gemeinschaft und Zusammenhalt. Doch woher kommt eigentlich die Maibaum-Tradition?

Maibaum-Feste und Maibaum-Aufstellen im Ostallgäu: Experte aus Sulzschneid erklärt den Maibaumbrauch

„Da vermischen sich zwei Brauchtümer“, sagt Walter Sirch, Brauchtumsexperte aus Sulzschneid. „Im Mittelalter gab es Zunftbäume, an denen Zeichen der Handwerksbetriebe des jeweiligen Dorfes angebracht waren. Aber generell war und ist der Baum ein Symbol für das Erwachen des Frühlings“, erklärt Sirch. Der erste urkundlich erwähnte Maibaum wurde in Aachen 1225 aufgestellt. Heutzutage ist es Sirchs Meinung nach wichtig, dass der Maibaum kein reiner Reklamebaum mit den Logos irgendwelcher Firmen ist. Auch die Rinde sollte entfernt werden, da der Baum so länger hält. (Mehr zum Brauch erfahren Sie hier.)

Geklaut werden darf im Ostallgäu ab April

Walter Sirch bemängelt, dass manche Orte den Maibaum schon im April aufrichten. „Der traditionelle Maibaum sollte unbedingt im Mai aufgestellt werden“, sagt Sirch. Allerdings falle der traditionelle Maibaum-Klau in den April. Sobald der Baum aus dem Wald in die Tenne oder den Stadel gebracht wurde, ist der Baumklau erlaubt. „Man braucht sich nicht zu ärgern, wenn einem der Maibaum geklaut wird – das ist eben Tradition.“ (Weitere ungeschriebene Regeln zum Maibaum-Klau lesen Sie hier.)

Die Maibaumfeste im Ostallgäu laufen alle ähnlich ab: Baumaufstellen, Frühschoppen, Musik der örtlichen Blaskapelle. Doch trotzdem haben die Orte ihre eigenen kleinen Traditionen. Eine kleine Auswahl:

  • Marktoberdorf:
    „Das Besondere bei uns ist, dass die Menschen zuschauen können, wie der Maibaum gehobelt und geschmückt wird“, sagt Gisela Wißmiller, Vorsitzende des Trachtenvereins „D’Wertachtaler“ in Marktoberdorf. Normalerweise kann man auf dem Fest lediglich beobachten, wie der Baum aufgestellt wird – geschmückt ist er meistens davor schon. Nicht so in Marktoberdorf: Die Arme mit den bunten Figuren sind jedes Jahr im Oktober abgenommen und eingelagert worden. Erst kurz vor dem Aufstellen werden die Maibaumfiguren aus dem Winterlager geholt und am Maibaum wieder angebracht. „Die Holzfiguren haben wir durch kupferne ersetzt. Die gehen nicht so schnell kaputt“, sagt Wißmiller. Sie freue sich schon sehr auf das Maibaumfest. Es läute die Zeit ein, in der man wieder richtig draußen feiern könne.

Die Tafeln in Aitrang sind handgeschnitzt

  • Aitrang:
    Der Maibaumclub Aitrang bereitet für das Maifest immer eine große Menge Kesselfleisch vor. „Erfahrungsgemäß kommen die Menschen nicht nur, um vor Ort zu essen, sondern auch, um etwas von dem Fleisch abzuholen“, sagt der Vorsitzende des Clubs, Andreas Probst. Er habe zwar kleine Bedenken wegen der zwei Kommunionen, die diesen Sonntag parallel zum Maibaumfest stattfinden: „Ich hoffe, es kommen aber trotzdem viele Leute, um mit uns den Maibaum aufzustellen, zu essen und das ein oder andere Bier zu trinken. Einfach feiern, wie wir’s vor Corona gemacht haben.“Das besondere am Aitranger Maibaum seien die handgeschnitzten Tafeln, die teilweise schon 36 Jahre alt sind. „Wir müssen die Tafeln demnächst erneuern, damit sie nicht kaputt gehen. Würde man sie heute kaufen, wären sie ziemlich teuer. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Probst.
Ein Ausleger an einem Maibaum in Stötten zeigt zwei bayerische "Fingerhakler". In Stötten stellt der Trachtenverein den Maibaum mit Muskelkraft und nicht mit einem Kran auf.
Ein Ausleger an einem Maibaum in Stötten zeigt zwei bayerische "Fingerhakler". In Stötten stellt der Trachtenverein den Maibaum mit Muskelkraft und nicht mit einem Kran auf.
Bild: Kar-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolfoto)

  • Rieder:
    Die Feuerwehr Rieder geht dieses Jahr mit einem besonderen Vorhaben in den Mai. Einer ihrer Kollegen ist schwer erkrankt und die Behandlung ist kostspielig. Ihm soll der Umsatz aus dem Maifest und der Versteigerung des letzten Maibaumes zugute kommen. „Wir haben beschlossen, den Gewinn dann von unserem Ersparten zu verdoppeln. Während der Corona-Pandemie konnten wir viel auf die Seite legen“, sagt Markus Rothe, Vorsitzender der Feuerwehr Rieder. Er hofft darauf, dass viele Menschen dabei sein werden: damit eine möglichst hohe Summe für den kranken Kollegen zusammen kommt – und weil es so schön sei, endlich wieder zusammen zu feiern.

In Stötten stellt der Trachtenverein den Baum von Hand auf

  • Stötten:
    Der Trachtenverein Stötten ist einer der wenigen, der seinen Maibaum noch von Hand aufstellt, denn meistens wird zum Aufstellen ein Kran benutzt. „Seit 1997 wird in Stötten der Maibaum aufgestellt und zwar immer von Hand. Wir sägen ihn auch von Hand und schaffen ihn mit einem Pferdefuhrwerk aus dem Wald. Das sind schöne Traditionen, bei denen wir bleiben wollen“, sagt Martin Kreuzer, Vorsitzender des Trachtenvereins Stötten. Allerdings sei es bei schlechtem Wetter nicht möglich, den Maibaum von Hand aufzustellen, da der Baum bei Nässe wegrutsche. Im Regenfall wird dann doch ein Kran benutzt.Die Besonderheit am Stöttener Maibaum ist, dass auf ihm keine Tafeln, sondern Gegenstände angebracht werden, die mit der Gemeinde Stötten in Verbindung stehen. So thronen auf dem Baum beispielsweise Feuerwehrutensilien, oder –im kleinen Format – die St.-Georgs-Kirche vom Auerberg.

Erstmals das Ortswappen am Baum von Sulzschneid

  • Sulzschneid:
    Normalerweise fällen die Sulzschneider Trachtler, „D’Hohenwaldegger“, ihren Maibaum im Dezember, wenn laut Mondkalender die Zeit dafür gekommen ist. „Dieses Jahr haben wir das nicht so gemacht, weil die Bäume jetzt im Frühling das meiste Wasser tragen und daher die Rinde leichter abzutrennen ist“, sagt Jürgen Klaus, der Vorsitzende der Trachtler Sulzschneid. Dieses Jahr hat der Maibaum der Sulzschneider erstmals eine Tafel mehr. Zusätzlich zu den Vereinstafeln, die immer am Baum angebracht werden, kann man diesen Mai auch das neue Ortswappen der Gemeinde am Baum bewundern. Das Wappen bekam der Ort anlässlich seines 900-jährigen Bestehens. (mit hkw)

Hier finden am Sonntag Maibaumfeste statt

  • Aitrang: Der Maibaum wird um 9.30 Uhr beim Kriegerdenkmal aufgestellt. Anschließend gibt es Kesselfleisch und nachmittags Kaffee und Kuchen. Das Fest wird begleitet von der Musikkapelle Aitrang.
  • Altdorf: Die Maibaumaufstellung erfolgt um 11 Uhr. Im Anschluss ist gemütliches Beisammensein im Schützenheim. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Musikgesellschaft Altdorf.
  • Bertoldshofen: Das Maibaumfest beginnt um 10 Uhr mit dem Frühschoppen auf dem Schulhof. Anschließend tritt die Trachtenjugend Geltnachtaler auf. Nach dem Mittagessen wird ab etwa 13.30 Uhr der Maibaum aufgestellt. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen. Für Musik sorgt die Musikkapelle Bertoldshofen.
  • Ebenhofen: Das traditionelle Maibaumfest findet am Sonntag, 1. Mai, statt. Alle Bürger sind zu Kaffee und Kuchen, Bier und Brotzeit eingeladen. Ab 11.30 Uhr sorgen die Mitglieder des Maibaumclub für den Mittagstisch. Bei schlechtem Wetter findet das Fest im Feuerwehrhaus mit Zelt statt.
  • Ebersbach: Um 9.30 Uhr findet auf dem Dorfplatz die Maibaumaufstellung und die Weihe des Feuerwehranhängers statt. Das Frühschoppen, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen folgen anschließend in einem Zelt am Dorfplatz. Die Musik kommt von der Musikkapelle Ebersbach.
  • Geisenried: Der Maibaum in Geisenried wird am Sonntag um 17 Uhr beim Spielplatz aufgestellt.
  • Marktoberdorf: Das Maibaumfest beginnt am Sonntag um 11 Uhr auf dem Vorplatz des Modeon mit dem Frühschoppen. Die Besucher können sowohl beim Schmücken des Baumes als auch beim Aufstellen dabei sein. Musik kommt von den Oberdorfer Blosar. Außerdem treten die Trachtenjugend und die Böllergruppe auf.
  • Rieder: Das Maibaumfest beginnt ab 10 Uhr auf dem Dorfplatz. Die Feuerwehr Rieder stellt den Maibaum auf. Die Musikkapelle Rieder begleitet das Fest. Nach dem Mittagessen werden Stücke des letzten Maibaumes versteigert. Danach gibt es Kaffee und Kuchen.
  • Stötten: Auf dem Schulplatz wird um 10 Uhr der Maibaum aufgestellt. Anschließendes Frühschoppen und nachmittägliches Kaffeetrinken werden von der Musikkapelle Stötten begleitet.
  • Sulzschneid: Um 11 Uhr beginnt das Maifest in Sulzschneid mit dem Frühschoppen. Nachdem der Baum aufgestellt wurde, gibt es zu essen und zu trinken, Kaffee und Kuchen. Es spielt begleitend die Musikkapelle Sulzschneid. Der Trachtenverein sorgt mit Tänzen und Plattlern für Unterhaltung.
  • Unterthingau: Der Maibaum wird um 10 Uhr auf dem Dorfplatz aufgestellt und geweiht. Um 13.30 Uhr wird der ehemalige Maibaum versteigert. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
  • Untrasried: Ab 13.30 Uhr wird der Maibaum vor dem Gemeindehaus auf dem Dorfplatz in der Ortsmitte aufgestellt. Darauf folgt das Essen und die Unterhaltung durch die Musikkapelle Untrasried.
  • Untrasried/Waizenried: Die Maibaumaufstellung und die Bewirtung beim anschließenden Fest finden am 30. April ab 19 Uhr statt.

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