Für drei Jahre in Ausweichquartier

Wie die Martinsschule das Mega-Projekt Umzug stemmt

Schule

In freien Klassenzimmern oder auch in der Turnhalle stapeln sich Kartons und alte Tafeln. Die Vorbereitungen auf den Umzug der Martinsschule laufen.

Bild: Andreas Filke

In freien Klassenzimmern oder auch in der Turnhalle stapeln sich Kartons und alte Tafeln. Die Vorbereitungen auf den Umzug der Martinsschule laufen.

Bild: Andreas Filke

Grundschule in Marktoberdorf wird abgerissen und neu gebaut. Dafür muss das alte Gebäude geräumt werden. Welche Herausforderungen auf Lehrer und Schüler warten.
13.05.2021 | Stand: 17:46 Uhr

In einer Klasse stapeln sich die Pappkartons. Alle sind sie mit einer Nummer versehen. Auch ein Großteil der Möbel trägt den grünen Aufkleber. Jede Nummer findet sich auf der Liste von Armin Martin und zeigt, was wo in der Ausweichschule am Modeon in Marktoberdorf seinen Platz finden soll. Die Vorbereitung auf den Umzug der Grundschule St. Martin hat begonnen. „Das ist wie in einem Privathaushalt – nur im Großen“, beschreibt es der Hausmeister. Wie an vielen Teilen hängen auch am Gebäude Erinnerungen. „Das Haus ist uns ein Stück Heimat“, sagt Schulleiter Jörg Schneider.

Neubau der Schule in Marktoberdorf an gleicher Stelle

„Auf dem Dachboden können wir nichts zwischenlagern“, sagt Martin. Dachsparren, Latten, Pfannen. Das war’s. Im Winter kalt, im Sommer heiß. Manchmal fallen ein paar Schneeflocken hinein oder ein paar Regentropfen. Energetisch eine Katastrophe, sagt Schneider, während Martin ein Video vom jüngsten Graupel mit Starkregen zeigt. Er war auf der Hut, denn bei Starkregen läuft oft der Keller voll. Draußen zeigen Metalltreppen am Haus als zusätzliche Fluchtwege und Container für Hortkinder: Das Gebäude ist alt. Deshalb wird es abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut.

Für drei Jahre Umzug in Übergangsschule

Drei Jahre soll das dauern. Während dieser Zeit ziehen 230 Kinder in elf Klassen zum Modeon um, wo eine Übergangsschule in Leichtbauweise entsteht: die tragenden Teile aus Stahl, die Wände aus Gipskarton. Jedes Klassenzimmer wird 56 Quadratmeter groß und ist damit deutlich kleiner als die 72 Quadratmeter, die Kinder und Lehrer in der Vergangenheit gewohnt waren.

Da heißt es: vor dem Umzug ausmisten. Klasse für Klasse gehen Armin Martin oder sein Stellvertreter Karl Osterried mit den Lehrern durch und sortieren nach „kommt mit“ und „kann weg“. Dazu gehören die beliebten Leseecken. Sie haben in der Ausweichschule einfach keinen Platz. Da gebe es manch angeregte Diskussion, sagt Martin. Auf jeden Fall endet mit dem Umzug die Kreidezeit. Die alten Tafeln haben ausgedient. Die Zukunft ist digital. Fünf hochmoderne Tafeln mit Internetanschluss besitzt die Schule bereit, sieben kommen in der Ausweichschule hinzu. Der Wandel kam schnell. „Vor fünf Jahren habe ich noch Wandkarten gekauft. Die braucht heute niemand mehr“, nennt Schneider als Beispiel.

Kein Abschiedsfest wegen Corona

Auch die könnten sich in einer Online-Auktion wiederfinden, die der Elternbeirat mit der Schule vorbereitet. Von alten Stühlen über Leuchten aus den 1950er Jahren und handgemalten Wandfliesen aus dem Hausflur bis zu alten Tafeln und vielem mehr soll das, was nicht mehr gebraucht wird, unter den virtuellen Hammer kommen. Wie genau und wann werde gerade erarbeitet. Eigentlich sollte die Versteigerung während eines großen Abschiedsfestes stattfinden. Armin Martin hatte da auch so seine Idee: Jede Klasse steht für ein Land, aus dem die Schüler kommen, samt landestypischen Speisen und entsprechender Musik. Aber das wird wegen Corona nichts. „Schade“, sagen beide und seufzen.

Ganz Marktoberdorf packt mit an

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Unterdessen werden in der städtischen Schreinerei die Garderoben gezimmert und Pinnwände geändert. Auch Mitarbeiter anderer städtischer Einrichtungen, deren Betrieb wegen Corona nur eingeschränkt möglich ist, helfen mit, sagt Schneider. So wie überhaupt alles Hand in Hand gehe mit der Verwaltung und dem Baugremium des Stadtrats.

Das habe schon damit begonnen, dass die Lehrer von Anfang an in die Planung der neuen Schule einbezogen wurden. „Unsere pädagogischen Wünsche stehen im Zentrum. Das ist ein ganz großes Pfund, das wir in Marktoberdorf haben.“ Für Schneider ist dies ein Glücksfall. Angesichts der zusätzlichen Arbeit, die auch auf ihm lastet, „könnte ich jammern. Mache ich aber nicht, denn es ist eine Chance für uns alle.“

Der gute Geist von St. Martin soll weiterleben

Nach wie vor steht er in engem Kontakt mit den Architekten. Die wichtigste Änderung: Die Klassenzimmer sollen wieder eine Größe von 72 Quadratmetern erhalten. Dafür soll, so Schneider, auf andere Räume verzichtet werden. Ursprünglich sollten die Klassen, die jahrgangsweise wabenförmig um einen „Marktplatz“ angeordnet kleiner werden. Doch Corona habe gezeigt, dass wohl auch in Zukunft mehr Platz nötig sein wird. „Und wer weiß, vielleicht ändert sich ja auch die Lernform wieder und wir brauchen dann diesen Platz“, sagt Schneider. Lieber an anderem sparen, aber nicht an der Pädagogik, lautet seine Maxime. Auch in der neuen Schule gehe es darum, wieder eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Wenn die vorhanden sei, sei es egal, ob die Kinder „in einem Schloss oder in einer Jurte“ unterrichtet werden. Der gute Geist von St. Martin soll weiterleben.

In der neuen Schule ist der Hort integriert. Falls eines Tages die Ganztagsschule eingeführt wird, müsse nicht noch einmal großartig umgebaut, sondern könnten die Räume übernommen werden. Denn wenn die Corona-Pandemie eines gelehrt habe, dann sei es Flexibilität. „Und da machen alle mit“, sagt Schneider und ist dankbar dafür. Denn das erleichtere die Arbeit ungemein. Nicht nur während des Umzugs.

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