Hacker-Angriff auf AGCO-Fendt

Nach Hackerangriff auf Fendt: Seit Montagmorgen wird in Marktoberdorf wieder gearbeitet

Der Fendt-Parkplatz in Marktoberdorf ist am Montagmorgen wieder gut gefüllt. Die Frühschicht hat die Arbeit wieder aufgenommen.

Der Fendt-Parkplatz in Marktoberdorf ist am Montagmorgen wieder gut gefüllt. Die Frühschicht hat die Arbeit wieder aufgenommen.

Bild: Dirk Ambrosch

Der Fendt-Parkplatz in Marktoberdorf ist am Montagmorgen wieder gut gefüllt. Die Frühschicht hat die Arbeit wieder aufgenommen.

Bild: Dirk Ambrosch

Nach dem Hackerangriff auf Fendt haben Mitarbeiter der Frühschicht am Montag in Marktoberdorf die Arbeit wieder aufgenommen. Die Stimmung ist angespannt.
16.05.2022 | Stand: 14:11 Uhr

Nach dem gravierenden Hackerangriff vor eineinhalb Wochen hat der Landmaschinenhersteller AGCO/Fendt am Montag in Marktoberdorf die Arbeit wieder aufgenommen. Eine offizielle Bestätigung des Unternehmens steht noch aus. Aus Mitarbeiterkreisen heißt es allerdings, dass am Montag mit der Frühschicht um sechs Uhr die Produktion wieder aufgenommen wurde. Auch im AGCO/Fendt-Werk in Asbach-Bäumenheim wird wieder gearbeitet.

Der Mitarbeiterparkplatz vor dem Firmengelände in Marktoberdorf ist Montagfrüh etwa zu drei Vierteln belegt. Es werde derzeit noch nicht mit der vollen Belegschaft gearbeitet, heißt es. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei angespannt. "Man weiß eben noch nicht genau, ob alles funktioniert und läuft", sagt einer aus der Belegschaft.

Um kurz nach acht Uhr hat sich vor dem Empfangsgebäude am Haupteingang des Werks eine kleine Schlange gebildet. Fendt-Mitarbeiter lassen ihre Laptops von IT-Experten des Unternehmens untersuchen. Nur wer die aktuelle Anti-Viren Software auf seinem Gerät hat, darf Laptop oder Rechner einschalten und ins Firmennetzwerk gehen.

Ein Fendt-Angestellter geht in Richtung Werksgelände. "Schauen wir mal, wie es läuft an Tag eins", sagt er kurz vor dem Drehkreuz.

Produktion in Marktobertdorf stand still

Wie berichtet, wurde der gesamte US-Landtechnikkonzern AGCO - zu dem Fendt gehört - Opfer einer Hacker-Attacke. Der Angriff hatte weltweit Produktionsanlagen „beeinträchtigt“, wie der Konzern am Abend des 6. Mai mitteilte. Die Standorte des amerikanisch-deutschen Konzerns sind international untereinander vernetzt. Was sonst ein großer Vorteil scheint, ist nun ein Problem: Weltweit waren an den Standorten Computer-Server lahmgelegt, funktionieren Logistik und Arbeitsabläufe nicht mehr. Dem Vernehmen nach ging an Standorten in Europa, den USA und in China nichts mehr. Spezialisten bemühten sich derweil, die Computerprogramme wieder zum Laufen zu bringen.

Das Gros der 4000 Beschäftigten in Marktoberdorf konnte nicht arbeiten und wurde nach Hause geschickt. Nach Informationen unserer Zeitung waren Fertigung und Montage geschlossen und auch die Verwaltung teilweise lahmgelegt. Schon seit Donnerstagmittag, 5. Mai, wurden wegen der Schadsoftware-Attacke an dem Unternehmensstandort keine Traktoren und andere Landmaschinen mehr hergestellt (wir berichteten mehrfach). In normalen Zeiten rollen dort mehr als 110 Schlepper pro Tag vom Band.

Über die Hintergründe der Hacker-Attacke hüllt sich der Konzern in Schweigen. Nach Informationen unserer Zeitung ist der Angriff von Finnland aus gestartet worden. Bislang gibt es dazu aber keine bestätigten Informationen. Die Kriminalpolizei Kempten ermittelt in dem Fall gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. Zur entscheidenden Frage, ob die Reparatur des IT-Systems gelungen ist und alle Schadprogramme ausgemerzt sind, mag sich Oberstaatsanwalt Thomas Goger nicht äußern. Kernfrage für die Ermittler sei, von aus die Kriminellen den Angriff auf AGCO und somit Fendt gestartet haben. Die Informationen, wonach das "Einfallstor" Finnland gewesen sei, könne er jedoch derzeit nicht bestätigen. Ebenso wie Einschätzungen, die Attacke könne einen russischen Hintergrund haben. Fest stehe bislang lediglich, dass sich die "die Erpressung" primär gegen den AGCO-Konzern in den USA richte, sagte Goger. "Ob es eine konkrete Lösegeldforderung gab, ist uns aber nicht bekannt."

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