Beerdigung

So sehr hat der gestorbene Stadtpfarrer Holdenried das Leben in Marktoberdorf geprägt

Holdenrieder

Im Priestergrab an St. Martin fand Pfarrer Alwin Holdenrieder seine letzte Ruhe.

Bild: Günther Beck

Im Priestergrab an St. Martin fand Pfarrer Alwin Holdenrieder seine letzte Ruhe.

Bild: Günther Beck

Der frühere Stadtpfarrer Holdenrieder wird in Marktoberdorf bestattet. Er war mit fast 100 Jahren gestorben. Mit diesen Worten haben die Redner ihn geehrt.
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Von Günther Beck
13.09.2021 | Stand: 04:00 Uhr

Eine große Gemeinde hat in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Marktoberdorf Abschied von ihrem ehemaligen Stadtpfarrer Alwin Holdenrieder genommen, der kurz vor seinem 100. Geburtstag gestorben ist. Viele haben am Vortag der Beerdigung vor dem aufgebahrten Sarg für ihn gebetet. Das Requiem, vom Kirchenchor musikalisch begleitet, zelebrierte Pfarrer Wolfgang Schilling mit geistlichen Weggefährten und Freunden. Vereine, die ihre Verbundenheit zeigen wollten, schickten Fahnenabordnungen ins Gotteshaus.

Trotz schwerer Zeit den Humor nicht verloren

In seiner Ansprache zitierte Schilling, der Holdenrieder als Stadtpfarrer nachfolgte, den heiligen Augustinus, den der Verstorbene im Festbuch zur 250-Jahrfeier der Pfarrkirche sagen ließ: „Du machst es uns zur Freude, dich zu loben, denn zu dir hin hast du uns erschaffen, Herr. Und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Allen, die immer wieder den mühsamen Weg zur Pfarrkirche nähmen, rufe er zu: „Singe und wandere, Gott steht am Ende der Straße.“ Holdenrieder, so Schilling, sei nun am Ende der Straße angekommen, immer betreut von liebevollen Pflegerinnen und versehen mit der heiligen Kommunion als Wegzehrung.

Der Prediger ging auf seinen Lebensweg ein und ließ dessen Humor durchleuchten. So habe Holdenrieder zu seinem fehlenden Auge, das ein Granatsplitter 1942 zerstörte, gemeint, Gott habe es gefühlt, dass er immer ein Auge zudrücken solle, um barmherzig sein zu können. Holdenrieder habe immer ein guter Arbeiter in Gottes Weinberg sein wollen. Seinen Benefiziaten sei er immer ein großes Vorbild und für die Gläubigen ein Ansporn fürs Leben gewesen.

Er habe auch im Ruhestand „Gott liebevoll und humorvoll erleben lassen“. In den letzten Wochen seines Lebens habe Holdenrieder bekannt, er wolle seinen 100. Geburtstag nicht mehr auf der Erde, sondern im Himmel feiern.

Zweiter Bürgermeister von Marktoberdorf lobt ihn Integrationsfigur

Oberstes Ziel sei für den Stadtpfarrer stets die Kontaktpflege gewesen, bescheinigte ihm Zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig. Holdenrieder sei verlässlicher Partner gewesen, habe sich um die Menschen gekümmert, mit ihnen gelebt und gefeiert. An der Integration der türkischen Mitbürger sei er maßgeblich beteiligt gewesen, indem er beim Solidaritätsverein mitwirkte. Ein besonderes Anliegen sei für Holdenrieder die Feier des Veteranenjahrtages gewesen, sagte Hannig. In seinen prägnanten Predigten wurde seine „große Abscheu vor dem Krieg deutlich“. Als besonderen Akt der Nächstenliebe bezeichnete der Bürgermeister die Betreuung der Kranken im Krankenhaus, indem sich Holdenrieder auch um diejenigen gekümmert habe, die nicht der Kirche angehörten.

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Josef Gebler, der Kirchenpfleger der Filialkirche St. Josef in Rieder, dankte dem Verstorbenen für die vielen Jahre, die dieser die Eucharistie in seiner Gemeinde gefeiert hat.

Pfarrer Oliver Rid gestaltete anschließend die feierliche Grablegung am Priestergrab neben der Kirche. Unter den Trompetenklängen, gespielt von Herbert Leonhard, wurde der Sarg in die Erde gesenkt.

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