Sagenhaftes Ostallgäu

Wie ein Bauer in Thalhofen einst einen Pakt mit dem Teufel einging

Eine Sage im Ostallgäu spielt in der kleinen, aber feinen Pfarrkirche St. Michael in Thalhofen.

Eine Sage im Ostallgäu spielt in der kleinen, aber feinen Pfarrkirche St. Michael in Thalhofen.

Bild: Heiko Wolf

Eine Sage im Ostallgäu spielt in der kleinen, aber feinen Pfarrkirche St. Michael in Thalhofen.

Bild: Heiko Wolf

Um die Thalhofener Kirche St. Michael rankt sich eine besondere Sage. Früher war die alte Geschichte sogar auf Bildern in dem Gotteshaus zu sehen.
31.08.2022 | Stand: 15:16 Uhr

Viele Sagen ranken sich um das Ostallgäu. Es geht um Geister, Hexen, Werwölfe oder einen Pakt mit dem Teufel: In unserer kleinen Serie „Sagenhaftes Ostallgäu“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen solche Sagen vor. In den meisten Fällen eignet sich der Ort der Erzählung für einen schönen Ausflug.

Noch im 19. Jahrhundert standen in der Pfarrkirche St. Michael sieben Bildtafeln, auf denen eine uralte Geschichte erzählt wurde. Ob sie tatsächlich wahr ist, weiß heute niemand mehr. Es geht um einen Pakt mit dem Teufel und das Schicksal der Kirche:

Ein Bauer geht einen Pakt mit dem Teufel ein

In Thalhofen wohnte einst ein reicher Bauer mit seinen fünf schönen Töchtern. Wie es der Zufall wollte, heirateten alle fünf innerhalb einer Woche. Ihr Vater, der ein großzügiger Mann war, wollte daher auch fünf große Feste feiern und übergab seinen Töchtern überdies eine ansehnliche Mitgift. Bei der Hochzeit der Letzten bereute er seine Entscheidung jedoch bereits. Er war sicher, dass er nun allein und vollkommen mittellos zurückbleiben würde.

In diesem Moment gesellte sich ein Unbekannter zu ihm. Er hatte Hufe statt Füße. Der Mann legte dem Bauern die Hand auf die Schulter und versprach, ihm als Knecht zu neuem Reichtum zu verhelfen. Dafür verlangte er allerdings eine besondere Gegenleistung: Der Bauer sollte spätestens am St. Michaels Tag, dem 29. September, die Kirche in Thalhofen niederbrennen. Der Bauer willigte zögerlich ein.

Kurz darauf kaufte er einen kleinen Hof bei Geisenried. Und der Teufel hielt Wort. Die steinigen Ufer der Wertach, die kein anderer Bauer zu bepflanzen vermochte, blühten unter der Hand des Bauers plötzlich auf. Sein Hof gedieh und er erstand weitere Landstriche, die bis nach Marktoberdorf reichten. Der Michaelstag rückte näher und näher und der Bauer musste seinen Teil der Abmachung erledigen.

Der heilige St. Michael durchkreuzte die Pläne des Bauers

Am 29. September platzierte er mit schlechtem Gewissen Heu in der Glocke der Thalhofener Kirche. Sobald sie das nächste Mal geläutet werden würde, würde das trockene Heu herunterfallen – direkt auf die Öllampe des Mesners. Das Feuer sollte die kleine Kirche niederbrennen, wie es der Teufel verlangt hatte.

Doch das Vorhaben misslang. Ein großes Unwetter kam und die Wertach lief über. Wasser drang unaufhaltsam in die Kirche ein. Um die Menschen vor dem Gewitter zu warnen, läutete der Mesner die Glocke und das Heu fiel heraus. Statt auf der Öllampe landete es im Wasser und entzündete sich nie. Die Legende besagt, dass der heilige St. Michael, der unermüdlich für das Gute kämpft, für das Hochwasser und die Rettung der Kirche verantwortlich war.

Die Felder des Bauern wurden überschwemmt und konnten nicht mehr bestellt werden. Andere Bauern blieben von der Flut jedoch verschont. Statt der Kirche ging der Hof des Brandstifters in Flammen auf. Er suchte das Weite und niemand sah ihn jemals wieder. Jahr um Jahr danach fand der Mesner auf der Türschwelle der Kirche eine dicke, weiße Kerze. Die legte der schuldbewusste Bauer dort bis zum Ende seiner Tage ab, um für seine Tat zu büßen.

Quelle: Franziskus Reitemann - Die dunkelsten Allgäuer Sagenorte

Eine weitere Sage unserer Serie: Wo der Teufel wohnt: Eine alte Geschichte aus Obergünzburg