Aberglaube

Sind schwarze Katzen Glücksbringer oder Unglücksboten?

Ostallgäuer Tierheime können schwarze Ksatzen schwerer vermitteln.

Ostallgäuer Tierheime können schwarze Ksatzen schwerer vermitteln.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Ostallgäuer Tierheime können schwarze Ksatzen schwerer vermitteln.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Tierheime im Ostallgäu können  die Tiere wegen Vorurteilen schwerer vermitteln. Was die Gründe dafür sind.
19.09.2020 | Stand: 12:30 Uhr

„Ob eine schwarze Katze Unglück bringt oder nicht, hängt davon ab, ob man ein Mensch ist oder eine Maus.“ Mit diesen Worten brachte der französische Journalist und Schriftsteller Max O’Rell es auf den Punkt: Der Aberglaube, der sich um die Tiere rankt, ist Unsinn. Dennoch, teilt der Deutsche Tierschutzbund mit, sind schwarze Katzen in Tierheimen schwerer vermittelbar als ihre andersfarbigen Artgenossen. Der Verein möchte deshalb mit dem Vorurteil aufräumen, dass schwarze Katzen Unglück beringen und stattdessen auf die Schönheit dieser Tiere aufmerksam machen. Noch bis November steht die aktuelle Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ und die dazugehörige Website www.tierheime-helfen.de daher ganz im Zeichen der schwarzen Tiere.

Laut einer Umfrage des Tierschutzbundes unter den ihm angeschlossenen Tierheimen gaben 48 Prozent an, dass schwarze Katzen schwerer vermittelt werden können. 47 Prozent nannten dafür Aberglaube und Vorurteile als Ursachen. Andrea Flügel, Leiterin des Tierheims in Rieden am Forggensee, bestätigt das: „Es ist in der Tat so. Ich höre das immer wieder.“ Sie ist seit zehn Jahren im Riedener Tierheim und es gebe dort zum Beispiel vier schwarze Katzen, die seit sechs Jahren dort lebten, weil sie keiner haben wollte. Sie sind mittlerweile als Freigängerkatzen am Tierheim und werden auch nicht mehr vermittelt.

Vorbehalte reichen bis ins Mittelalter zurück

Flügel kennt allerdings auch die andere Seite. Nämlich Leute, die unbedingt eine schwarze Katze wollen. In der Gothic-Szene etwa seien die Tiere sehr beliebt. „Wenn jemand unbedingt eine schwarze Katze will, muss man sehr genau nachfragen, warum“, sagt die Tierheimleiterin. Denn es gebe auch Fälle, in denen sie geopfert werden. Persönlich kenne sie zwar keinen, sie wisse aber, dass so etwas vorkomme.

Gisela Egner vom Tierschutzverein Arche Noah mit einem Sitz auch in Bidingen erinnert sich an eine Art Sekte, die vor Jahren in der Region auf Pestfriedhöfen schwarze Katzen geopfert haben soll. „Was auch immer das dann heißen mag“, sagt sie. Dass schwarze Katzen schwerer vermittelbar sind, kann sie allerdings nicht bestätigen. Die Arche Noah bekomme Tiere mit dieser Fellfarbe in der Regel genauso gut vermittelt wie andere. Es gebe Leute, die wollen unbedingt eine schwarze, andere eine rote Katze. „Der nächste sagt, bloß nicht schwarz oder rot. Auch für Schildpatt-Katzen gibt es Liebhaber und solche, die diese total ablehnen, weil sie von der Farbe irritiert sind“, sagt Egner. Nach wie vor am beliebtesten sind ihrer Erfahrung nach getigerte Katzen.

Eine besonders gefragte Fellfarbe konnte Flügel bisher nicht ausmachen. Sie erzählt aber von einem kuriosen Trend: „Es gibt seit Neuestem Leute, die wollen keine Katzen mit rosa Nasen mehr, weil die immer überfahren würden. Man hält es nicht für möglich, aber das ist bei uns tatsächlich so.“

Der Aberglaube um schwarze Katzen reicht in Deutschland bis ins Mittelalter zurück. Damals wurden die Tiere mit dem dunklen Fell zum Beispiel als Begleiter von Hexen dämonisiert. Um nicht der Hexerei bezichtigt zu werden, mieden viele Menschen deshalb den Kontakt zu ihnen.

In Japan Männermagneten

In anderen Ländern hingegen haben die Tiere ein besseres Image. In Japan zum Beispiel sollen schwarze Katzen bei einer Single-Frau helfen, Männer anzulocken. In Teilen Großbritanniens gelten sie als perfektes Hochzeitsgeschenk, das der Braut Liebe und Glück bescheren soll. Und bei englischen Matrosen gelten schwarze Katzen an Bord als Glücksbringer für eine sichere Heimreise. Die Seemänner hätten also sicher gerne eine schwarze Katze gestreichelt.

Am 13 September veranstaltete der Tierschutzbund den „Brich-einen-Aberglauben- oder Wider-den-Aberglauben-Tag“. Teilnehmer sollten ihre Hand über das dunkle Fell einer Katze gleiten lassen, unter einer Leiter hindurchgehen oder irgendetwas anderes tun, was das Gegenteil dessen ist, vor dem der Aberglaube warnt. Denn Ziel des Tages war es, mit solchen Handlungen gegen Aberglauben vorzugehen.