Furioser Neustart

So bringen Jazzmusiker das Publikum in Marktoberdorf zum Jubeln

Das Rüschenbaum-Trio feierte in der Filmburg in Marktoberdorf einen furiosen Neustart nach der Lockdown-Pause.

Das Rüschenbaum-Trio feierte in der Filmburg in Marktoberdorf einen furiosen Neustart nach der Lockdown-Pause.

Bild: Gabriele Schroth

Das Rüschenbaum-Trio feierte in der Filmburg in Marktoberdorf einen furiosen Neustart nach der Lockdown-Pause.

Bild: Gabriele Schroth

Erstes Konzert in der Filmburg Marktoberdorf nach acht Monaten Lockdown-Pause. Wie die Starsolisten die ausgehungerten Musikliebhaber in ihren Bann zogen.
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Von Gabriele Schroth
09.06.2021 | Stand: 05:00 Uhr

Verheißungsvoll wirkten die beiden Konzertauftritte des Rüschenbaum-Trios, mit denen die Filmburg nach acht Monaten Stillstand ihren Neustart feierte. Die ausgehungerten Jazzliebhaber konnten sich nur an den letztjährigen Hofkonzerten des Trios festhalten. Gerade diese fulminante Jazztruppe um Drummer Harald Rüschenbaum bot ein Stück Identität und Glückseligkeit. Jetzt also war sie zurück auf der Filmburg-Bühne mit ihren verjazzten Kultstücken „Swing frei, Schütz!“ und „Swing, Carmen, swing!“. Auch wenn die Plätze noch begrenzt waren: Filmburg-Chefin Monika Schubert und die Musiker jubelten, das Publikum jauchzte. Das Kulturleben hielt wieder Einzug, und die Filmburg präsentierte die ersten Konzerte in ganz Bayern.

Verbinbung zwischen Marktoberdorf und Eutin

Die beiden verjazzten Opern sind Perlen im Rüschenbaum-Repertoire. Dank der Bande zwischen Marktoberdorf und Eutin durch den Komponisten Carl Maria von Weber und seine Mutter Genovefa Brenner, destillierte der Eutiner Reiseforscher Dr. Wolfgang Griep mit Pianist und Arrangeur Daniel Mark Eberhard aus Webers „Freischütz“ eine wundervoll leichtfüßige Jazzversion. Alsbald folgte George Bizets „Carmen“. Auch jetzt erwies sich Griep als charmanter Erzähler, der mit seinen Geschichten von der freiheitsliebenden stolzen Zigeunerin aus Sevilla oder den schauerlichen Vorgängen in der Wolfsschlucht das Publikum ganz in seinen Bann zog.

Starsolisten mit musikalischem Wunder

Das eigentliche Wunder ereignete sich musikalisch bei den Starsolisten mit ihrer wunderbar hellhörigen kunstreichen Trio-Jazzsprache. Wie von Zauberhand beschworen sie die legendären Melodien und zeichneten präzise Stimmungsbilder.

Drummer Rüschenbaum in Marktoberdorf in Hochform

Drummer Rüschenbaum lief zu absoluter Hochform auf. Am Drumset beglückte er mit wuchtigem Basstrommel-Feuer, schimmerndem Beckenglanz und unwiderstehlichem Castagnetten-Geklapper. Auch Uli Fiedler entlockte seinem Mittenwalder Kontrabass weich singende oder grollend abgründige Tonlagen. Markenzeichen von Pianist und Arrangeur Daniel Mark Eberhard ist das virtuos-geistreiche Jonglieren zwischen Klassik und Jazz. Am Flügel entwarf der Eichstätter Musikdidaktik-Professor einen hinreißenden Melodienrausch, den er mit allerlei Evergreen-Zierrat versah, um dann unversehens in einen moderneren, mitreißend synkopierten Jazz-Zugriff zu verfallen.