Wohin mit Hund und Katze nach dem Home-Office?

Tierheim Marktoberdorf befürchtet große Rückgabewelle

Das Tierheim Marktoberdorf rechnet im Herbst mit einem größeren Ansturm. Viele Besitzer wollen ihr Tier wohl wieder abgeben.

Das Tierheim Marktoberdorf rechnet im Herbst mit einem größeren Ansturm. Viele Besitzer wollen ihr Tier wohl wieder abgeben.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Das Tierheim Marktoberdorf rechnet im Herbst mit einem größeren Ansturm. Viele Besitzer wollen ihr Tier wohl wieder abgeben.

Bild: Ralf Lienert (Symbolfoto)

Im Lockdown habe sich viele Menschen ein Haustier angeschafft. Tierschützer aus Marktoberdorf sagen, warum manchem das Tier jetzt zur Belastung wird.

14.06.2021 | Stand: 11:59 Uhr

Noch ist der große Ansturm aufs Marktoberdorfer Tierheim ausgeblieben. „Aber wir rechnen damit, dass er im Herbst einsetzen wird“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Elke Blum. Dann nämlich könnte es durchaus sein, dass Hunde oder andere Haustiere, die während des Corona-Lockdowns schnell mal angeschafft wurden, zu Hause keinen Platz mehr haben – und ins Heim sollen. „Das würde uns dann schon vor Probleme stellen“, sagen Blum und die Leiterin des Tierheims, Michaela Schmid. Zumal Corona sich massiv auf die Finanzen des Tierheims ausgewirkt hat.

Tierheim Marktoberdorf klagt über finanzielle Einbußen

Vier ansonsten geldbringende Veranstaltungen mussten abgesagt werden. „Der Verlust geht in die Tausende.“ Dazu komme, so Schmid, dass auch die Pensionstiere ausgeblieben sind: Denn keiner konnte ja in Urlaub fahren. Auch diese Einnahmen fehlen. Das wiederum hat Folgen für den Personalstand, der sich um ein Drittel reduziert hat.

Es gab Berichte von leeren Auffangstationen für Hunde und Meldungen darüber, dass immer mehr Menschen im Lockdown ein Haustier haben wollen. Immer wieder wurde betont, bei der Anschaffung des Tieres auch die veränderte Situation nach Corona im Blick zu behalten. Jetzt sind die Inzidenzzahlen gesunken und alle haben wieder mehr Bewegungsfreiheit gewonnen, können in Urlaub fahren. „Sicher sind die neuen Mitbewohner wie Hunde und Katzen ihren Besitzern auch ans Herz gewachsen“, sagt Elke Blum. Aber in einigen Fällen könnten die Herrchen und Frauchen auf einmal keine Zeit mehr für ihre Vierbeiner haben: durch das Ende der Kurzarbeit, des Homeoffice oder andere Umstände. Aber wohin dann mit den Tieren?

Besitzer mit Tieren überfordert

Der Tierschutzverein geht auch davon aus, dass der eine oder andere neue Hundebesitzer mit dem Tier überfordert sein dürfte. Denn ein Hund will erzogen sein. Die Hundeschulen aber hatten über weite Strecken des Lockdowns aber geschlossen. „Wahrscheinlich wird auch diese Überforderung für manche der Grund sein, für den Hund über kurz oder lang ein anderes Zuhause zu suchen“, meint Blum.

Nicht zu unterschätzen sei ein weiterer Faktor, sagt Michaels Schmid: Ein Hund, der es gewohnt ist, immer Leute um sich zu haben, will nicht von heute auf morgen allein sein. Er muss langsam daran gewöhnt werden: Also bevor alle wieder zum Arbeiten oder in die Schule gehen.

Tierheim Marktoberdorf blickt besorgt Richtung Herbst

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Im Moment sind es zwei Hunde, die in der Coronazeit angeschafft und jetzt im Tierheim abgegeben wurden. Vereinzelt waren es in letzter Zeit auch andere Haustiere, wie Wellensittiche, Hamster, Meerschweinchen oder Zwerghasen, die in Lockdown gekauft und jetzt ins Tierheim gebracht wurden. „Dabei taugen Meerschweinchen und Hamster von Haus aus nichts als Haustiere für Kinder“, sagt Schmid. Leider sei das vielen nicht bekannt. „Wenn im Herbst tatsächlich auf einmal viele Tiere ins Tierheim kommen sollten, dann haben wir vor allem auch ein finanzielles Problem. Die große Finanzlücke, die Corona geschlagen hat. Ich bin gespannt, was uns da bevorsteht“, sagt Blum.

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