Ab Donnerstag stehen die Bänder still

Fendt muss zum zweiten Mal wegen Corona die Produktion stoppen

Weil ein Hauptzulieferer ausfällt, fehlen dem Marktoberdorfer Traktorenhersteller AGCO/Fendt die Teile. Und die Produktion muss stoppen.

Weil ein Hauptzulieferer ausfällt, fehlen dem Marktoberdorfer Traktorenhersteller AGCO/Fendt die Teile. Und die Produktion muss stoppen.

Bild: AGCO/Fendt (Symbolbild)

Weil ein Hauptzulieferer ausfällt, fehlen dem Marktoberdorfer Traktorenhersteller AGCO/Fendt die Teile. Und die Produktion muss stoppen.

Bild: AGCO/Fendt (Symbolbild)

Fendt fehlen die Teile, weil das Werk vom deutschen Hauptzulieferer wegen vieler Corona-Fälle geschlossen ist. Wie lange der Stopp in Marktoberdorf dauern soll.
20.04.2021 | Stand: 17:45 Uhr

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres muss der Marktoberdorfer Traktoren- und Landmaschinenhersteller AGCO/Fendt wegen fehlender Teile die Produktion stoppen. Aufgrund des kompletten Produktionsausfalls eines wichtigen deutschen Zulieferers für Gussteile setzt Fendt die Montage an den Standorten Marktoberdorf (Traktoren und Getriebe) und Bäumenheim (Kabinen) vom 22. bis 30. April aus. Das Werk des Zulieferers ist nach Angaben von Fendt wegen etlicher Corona-Fälle geschlossen worden.

Fendt-Chef spricht von "Ausnahmezustand" in der Produktion

„Die Industrie ist seit nunmehr einem Jahr in einem Ausnahmezustand im Bereich Produktion“, sagte Christoph Gröblinghoff, Vorsitzender der Geschäftsführung von AGCO/Fendt. Bedingt durch die anhaltende Corona-Pandemie sind die Lieferketten weltweit weiterhin angespannt. Die dritte Welle beeinträchtigt in ganz Europa die Industrie. Unbeständige Materialzuflüsse schränken die Produktionskapazitäten vieler Hersteller, wie auch AGCO/Fendt, immer wieder ein.

Hauptzulieferer von Fendt muss Werk wegen Corona schließen

Im vergangenen Frühjahr waren es fehlende Bauteile aus Italien und Frankreich, die die Bänder zum Stillstand brachten. Nun fällt ein Hauptlieferant aus Deutschland aus. Wegen etlicher Corona-Fälle hat das zuständige Gesundheitsamt das Zulieferer-Werk geschlossen; ein Großteil der Mitarbeiter ist in Quarantäne. Das Unternehmen beliefert Fendt mit hochspezialisierten Gussteilen für alle Baureihen. „Uns fehlen Teile für sämtliche Komponenten. Daher können wir die Produktion nicht aufrecht erhalten“, sagte AGCO/Fendt-Pressesprecherin Manja Morawitz. Betroffen ist sowohl die Produktion von Traktoren als auch von Kabinen. Das Unternehmen rechnet mit einem Produktionsausfall von sieben Arbeitstagen. Das entspricht in etwa 700 Traktoren, die in dieser Zeit nicht gebaut werden können. (Lesen Sie auch: Marktoberdorfer Traktorenhersteller Fendt stellt die Weichen für weiteres Wachstum)

Fendt hat volle Auftragsbücher

„Wir haben volle Auftragsbücher für Fendt-Traktoren und werden mit verschiedenen Maßnahmen den Produktionsrückstand in den kommenden Monaten aufholen, um unsere Kunden weltweit zu beliefern“, sagt Fendt-Chef Gröblinghoff. Das Unternehmen steht in einem engen Austausch mit dem betroffenen Zulieferer. Stand jetzt rechnen die Verantwortlichen bei Fendt damit, am 3. Mai wieder mit der Produktion beginnen zu können. Bis dahin geht ein Großteil der Produktionsmitarbeiter in Kurzarbeit.

Verschärfte Situation bei Zulieferern

Mitte Februar hatte Fendt-Chef Gröblinghoff im Interview mit unserer Zeitung auf die „angespannte Situation“ auf der Zulieferer-Ebene hingewiesen. Die Lage habe sich im Vergleich zum Frühjahr 2020 nochmals verschärft: Zulieferer bauten aufgrund der Corona-Krise massiv Kapazitäten und Ressourcen ab, gleichzeitig stiegen die Preise für Rohstoffe. Für Fendt ergebe sich daraus eine „sehr kritische Situation“, sagte Gröblinghoff. Statt einiger weniger Betriebe gebe es nun eine „lange Liste an Problem-Lieferanten“. Es bestehe für Fendt stets die Gefahr, aufgrund von Zulieferer-Problemen kurzfristig zum Stillstand zu kommen. Dieser Fall ist nun eingetreten.

Über 20.000 Traktoren sollen heuer in Marktoberdorf vom Band rollen

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Trotz Corona hat sich Fendt für dieses Jahr viel vorgenommen. Gröblinghoff spricht von „20.000 Traktoren plus“, die dieses Jahr in Marktoberdorf vom Band rollen sollen. Ein Rekord, sollte es gelingen. Die Stückzahl von 20.000 zu übertreffen, ist ein lange angepeiltes Ziel in der Firmen-Zentrale. Zudem will der Traktorenhersteller den Weltmarkt beackern und global wachsen.

Ein Baustein auf dem Weg zum Erfolg ist die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter. Seit dieser Woche stellt das Unternehmen allen 6.000 Fendt-Mitarbeitern in Deutschland täglich einen Corona-Selbsttest zur Verfügung. „Die Mitarbeiter sind angehalten, täglich vor Arbeitsbeginn einen Test zu Hause zu machen“, sagt Pressesprecherin Morawitz. Im Monat benötigt das Unternehmen somit rund 120.000 Selbsttests.

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