Ortsumgehung

Umfahrung Marktoberdorf: Jetzt freie Fahrt auf neuer B16

Die neue B16, das heißt, die Ortsumfahrung Marktoberdorf westlich von Bertoldshofen, wurde nun für den Verkehr freigegeben.

Die neue B16, das heißt, die Ortsumfahrung Marktoberdorf westlich von Bertoldshofen, wurde nun für den Verkehr freigegeben.

Bild: Heinz Budjarek

Die neue B16, das heißt, die Ortsumfahrung Marktoberdorf westlich von Bertoldshofen, wurde nun für den Verkehr freigegeben.

Bild: Heinz Budjarek

Ab sofort können Autofahrer die Umfahrung Marktoberdorf westlich von Bertoldshofen nutzen. Spange soll vom Verkehr zwischen Kaufbeuren und Füssen entlasten.
13.08.2020 | Stand: 21:30 Uhr

3,2 Kilometer ist er lang und 6,2 Millionen Euro hat er gekostet, der Bauabschnitt West der B 16-/B 472-Ortsumfahrungen, der am Mittwochabend freigegeben wurde. Und er soll für Einheimische schon eine (Teil-)Entlastung bringen. Schließlich muss der Verkehr von Kaufbeuren ins südlich von Marktoberdorf gelegene Ostallgäu – sprich nach Stötten, Füssen oder an den Forggensee – und umgekehrt nun nicht mehr mitten durch Marktoberdorf und Bertoldshofen.

Umfahrung ist Teil der neuen B16 im Allgäu

Der bei einem Pressetermin freigegebene Streckenabschnitt beginnt am Kreisverkehr Schillenberg an der neuen Einmündung westlich von Bertoldshofen, führt zum neuen Kreisel nördlich von Bertoldshofen und bindet südlich von Kreen wieder auf die Kreisstraße OAL 5 ein. Damit ist er Teil der neuen Bundesstraße 16 und ersetzt in diesem Bereich künftig B 472 und OAL 5.

Bei der Teilfreigabe der Umgehung: (ab rechts im Bild zu sehen) Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt Kempten, Firmenchef Hubert Schmid mit seinem Bauleiter Raimund Reichle sowie Ralf Eisele vom Staatlichen Bauamt Kempten.
Bei der Teilfreigabe der Umgehung: (ab rechts im Bild zu sehen) Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt Kempten, Firmenchef Hubert Schmid mit seinem Bauleiter Raimund Reichle sowie Ralf Eisele vom Staatlichen Bauamt Kempten.
Bild: Heinz Budjarek

Die Freude bei den Verantwortlichen über die Teilverkehrsfreigabe der B 16 neu Marktoberdorf war groß. Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Kempten, betonte die Bedeutung der Ortsumgehung Marktoberdorf/Bertoldshofen als größtes (Straßen-)Bauvorhaben in Schwaben. Mit der Westspange sei dabei „ein Meilenstein“ erreicht, „durch den wir die Ortsdurchfahrten Bertoldshofen und Marktoberdorf schon spürbar vom Durchgangsverkehr entlasten können“, sagte er mit Blick auf die erhoffte Entlastung vom Nord-Süd-Verkehr.

„Stadt der wichtigste Partner“

Kreitmeier lobte bei der Teilverkehrsfreigabe mit Verweis auf die umfangreichen Grunderwerbsverhandlungen die Stadt als „wichtigsten Partner“. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und die Bertoldshofener Stadträte hörten es zufrieden. Kräftigen Applaus spendeten die 40 versammelten Politiker, Verwaltungsmitarbeiter, Grundstückseigentümer, Arbeiter und Anlieger den beteiligten Firmen und deren Bauarbeitern. Vor allem bedankte sich Kreitmeier bei Hubert Schmid. Dessen Marktoberdorfer Baufirma ist maßgeblich für den Bau der 3,2 Kilometer langen und 7,5 Meter breiten Straße samt des neuen Kreisverkehrs und der zwei Brücken – Feldwege „Am Hart“ über B 16 sowie B 16 über Gemeindestraße Kreen – verantwortlich.

Kreitmeier erklärte, wie lange die Planüberlegungen für die Umfahrungen zurückreichen („20 Jahre hat das Staatliche Bauamt an den Planungen gearbeitet“) und wie schwer es war, deren Umsetzung zu erreichen (siehe Infokasten). Er ging auf den noch fehlenden B 12-Anschluss der neuen Straße bei Altdorf sowie den laufenden Straßenausbau östlich von Bertoldshofen samt Tunnel ein. Wie berichtet, soll die Umgehung inklusive B 12-Anschluss Ende 2021 fertig sein.

„Die Navis programmieren“

Freude über die Teilfreigabe zeigte auch Landrätin Maria Rita Zinnecker: „Heute schaffen wir es, mit der Westspange die Ortsumgehung Marktoberdorf zu aktivieren.“ Auch sie ging auf den jahrzehntelangen Vorlauf ein, den es gab, bevor das Projekt 2017 startete. Neben dem vielen Verkehr durch Bertoldshofen sprach Zinnecker die bislang hohe Belastung der Rauhkreuzung an. Die Landrätin wünschte sich, das nun „ein großer Teil des Schwerlastverkehrs“ aus Marktoberdorf rauskomme. Sie appellierte, die Navis entsprechend zu programmieren, damit die Ortsumgehung angenommen wird. Außerdem äußerte sie die Hoffnung, „dass wir uns der Phase nähern, in der das Geschirr im Schrank nicht mehr wackelt“. Zinnecker spielte damit auf eine Aussage von Bürgermeister Hell an, wonach bei einigen Bundesstraßenanwohnern Küchenfenster und Gläser im Schrank klirren, wenn ein Lastzug nach dem anderen vorbeifährt.

Hell selbst ging ebenfalls auf die erhoffte Entlastung ein und nannte die Umgehung „einen großen Teamerfolg, zumal wir vor sechs Jahren noch dafür gekämpft haben, ohne zu wissen, wie es ausgeht“. Die Corona-Pandemie habe den Straßenbau aber glücklicherweise nicht aufhalten können, sagte Hell.

Laut Bundestagsabgeordnetem Stephan Stracke wurden die rund 55 Millionen Euro für die Umgehung in einem Rekordtempo zur Verfügung gestellt. Stracke sagte auch, dass die Bertoldshofener nun schon ein Stückweit aufatmen könnten und dass es noch mehr Entlastung gebe, wenn der B 12-Anschluss geschafft sei. Landtagsabgeordnete Angelika Schorer sprach von einem schwabenweit einmaligen Vorzeigeprojekt, das die Verkehrssicherheit verbessere und lobte, dass regionale Firmen zum Zug kamen. Wie die anderen Redner wünschte Schorer „unfallfreie Fahrt“, den Bauarbeitern weiter „unfallfreies Schaffen“.

35 000 Kubikmeter Erde bewegt

Abteilungsleiter Ralf Eisele vom Staatlichen Bauamt verdeutlichte die Dimension der in eineinviertel Jahren zügig errichteten Westspange. Er sprach von 35 000 Kubikmetern Erde, die bewegt wurden, und 29 000 Kubikmeter Kies, die für den Oberbau der fast 35 000 Quadratmeter umfassenden Fahrbahn benötigt wurden. Eisele erläuterte, dass durch das Abrücken der neuen Straße von der OAL5 auf 800 Metern ein gut 30 Meter breiter Grünstreifen direkt neben der Geltnach entstehe. Neben dieser Ausgleichsfläche, die renaturiert wird, ging Eisele auch auf die Amphibien-Leiteinrichtungen der B16 neu ein.