Tourismus im Ostallgäu

Kein "Urlaub auf dem Bauernhof" während der Corona-Pandemie: "Viele Vermieter resignieren"

Den Tieren ganz nah – und doch unabhängig in einer Ferienwohnung. Das macht Urlaub auf dem Bauernhof aus. Insbesondere Familien schätzen das Angebot. Doch derzeit ist Lockdown, und die Ferienwohnungen stehen leer.

Den Tieren ganz nah – und doch unabhängig in einer Ferienwohnung. Das macht Urlaub auf dem Bauernhof aus. Insbesondere Familien schätzen das Angebot. Doch derzeit ist Lockdown, und die Ferienwohnungen stehen leer.

Bild: Martina Diemand

Den Tieren ganz nah – und doch unabhängig in einer Ferienwohnung. Das macht Urlaub auf dem Bauernhof aus. Insbesondere Familien schätzen das Angebot. Doch derzeit ist Lockdown, und die Ferienwohnungen stehen leer.

Bild: Martina Diemand

„Mir Allgäuer“, kritisiert, dass auch Feriendomizile auf dem Land leer bleiben müssen. Wenige Wohnungen sind dennoch bewohnt – das hat mit der Polizei zu tun.
Den Tieren ganz nah – und doch unabhängig in einer Ferienwohnung. Das macht Urlaub auf dem Bauernhof aus. Insbesondere Familien schätzen das Angebot. Doch derzeit ist Lockdown, und die Ferienwohnungen stehen leer.
Von Susanne Lorenz-Munkler
08.01.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Auf das wohl bewegteste Jahr in ihrem Amt als Vorsitzende der Anbietergemeinschaft „Mir Allgäuer“, in der 520 Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof organisiert sind, blickt Angelika Soyer zurück. Die Rettenbergerin ist auch stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Bauernhof- und Landurlaub. Wenn sie an 2020 denkt, dann fallen Soyer zunächst die Corona-Pandemie ein und die Folgen. Sie sagt: „Es war ein schlimmes Jahr.“ Damit spricht sie wohl vielen Privatvermietern, Hoteliers und Gastwirten aus dem Herzen. Susanne Lorenz-Munkler hat mit ihr auf 2020 zurück- und auf 2021 ausgeblickt.

Was hat der Lockdown für Ihren Verband bedeutet?

Soyer: Bei uns in den Geschäftsstellen in München und Kempten sind die Drähte heiß gelaufen. Unsere Vermieter waren extrem verunsichert und konnten es nicht glauben. „Müssen wir wirklich die Gäste heimschicken?“, fragten sie. Ja sie mussten. Es war für viele ein Horror im ersten Lockdown, frisch angereiste Gäste wieder heimzuschicken. Und auch finanziell wurde es damals schon für den einen oder anderen Betrieb eng.

Lockerungen gab es in anderen Bundesländern

Wie ging es den Gastgebern selbst damit?

Soyer: Es kam die Zeit des Wartens, der Perspektivlosigkeit. Unsere Gesellschaft ist gewohnt, alles zu planen, jetzt war plötzlich nichts mehr planbar. Das zermürbt. Von März bis Mai betrug der Umsatzverlust je Hof monatlich über 10 000 Euro, laut Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof- und Landtourismus.

Bald gab es die ersten Lockerungen. Schaffte das Erleichterung?

Soyer: Im Gegenteil. Die Lockerungen gab es vor allem in den anderen Bundesländern. Bei uns nicht. Im Norden hat der Beherbergungstourismus am 5. Mai wieder aufgemacht. Am 18. Mai hat Baden Württemberg geöffnet. Bayern nicht. Unser Vorschlag an die Politik, zumindest abgeschlossene Selbstversorger-Einheiten wieder zu öffnen, blieb unbeachtet. Das hat uns sehr frustriert, zumal die Infektionszahlen das zugelassen hätten. Wir konnten es einfach nicht glauben, dass wir als einziges Bundesland nicht öffnen. Das trage ich der Landespolitik heute noch nach, dass wir 14 Tage zusätzlich keine Umsätze hatten.

Wie viel bringt die Soforthilfe?

Sie sind ja selbst Vermieterin von neun Ferienwohnungen. Wie ging es ihnen mit dem Lockdown?

Soyer: Mein Haus wäre komplett ausgebucht gewesen. Die Schäden, die sind deshalb immens. Wir haben Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro bekommen. Das ist gerade einmal der Umsatz von einer Woche. Vor allem wenn man, wie wir, 2020 in einen neuen Stall investiert hat, ist das eine harte Nummer. Wir hatten Gott sei Dank Rücklagen gebildet, weil wir auch immer einen ordentlichen Preis von unseren Gästen verlangen. Viele unserer Betriebe tun das nicht. Sie sind auf Kante genäht, haben keine Rücklagen. Bei mir rufen immer wieder Vermieter an, die richtig verzweifelt sind. Das tut mir unglaublich weh. Wir sind als Verband ganz eng mit der Politik verbandelt und immer hat man unsere Stimme gehört. Diesmal ist das jedoch anders.

Was konnten der Landesverband und der Verein „Mir Allgäuer“ für seinen Mitglieder tun?

Soyer: Wir haben weitergemacht, unermüdlich. Haben Hygienekonzepte ausgearbeitet für die Betriebe, Newsletter verfasst mit Informationen über die aktuelle Situation. Wir hatten sogar einen Mitgliederzuwachs in der Zeit. Als wir endlich am 30. Mai wieder aufsperren durften, sind alle von Null auf hundert hochgefahren. Wir wurden buchstäblich bombardiert von Anfragen, weil keiner ins Ausland reisen durfte. Ich habe für meinen Betrieb täglich zehn bis zwanzig Absagen geschrieben und bin fast nicht mehr aus dem Büro herausgekommen. Das war der Wahnsinn. Das ging allen so. So haben wir wenigstens fünf Monate eine starke Saison gehabt. Es waren auch Gäste hier, die sonst nicht ins Allgäu gefahren wären, All-inklusiv-Touristen, die sehr zufrieden wieder abgereist sind.

Wie geht es nach dem Corona-Lockdown weiter?

Kurz vor den Herbstferien mussten Sie alle wieder komplett schließen.

Soyer: Ja, die erste Novemberwoche wäre sehr gut gelaufen, auch, weil wir viele Gäste, die wir März/April abweisen mussten, auf den November gelegt hatten. Die mussten wir zum zweiten Mal alle rausstornieren, das war bitter. Beim „Lockdown light“ zahlten diesmal nur die Tourismusbetriebe und Gastronomie die Zeche. Für nichts. Unsere Konzepte waren stimmig. Es ist nichts so sicher wie ein Urlaub in einer Ferienwohnung auf dem Land. Du versorgst dich selbst und kommst kaum mit anderen Menschen in Kontakt, wenn du das nicht willst. Es ist in keinem unserer Betriebe je zu einer Infektion gekommen.

Und wie geht es jetzt weiter, gibt es Perspektiven?

Soyer: Schon im Frühjahr hat uns das Polizeipräsidium Schwaben gefragt, ob wir Ferienwohnungen zur Verfügung stellen können für Frauen mit Kindern, die Gewalt in der Familie erleben. Einige Betriebe haben das gemacht. Wenn man in den Weihnachtsferien die Leute aufs Land gelassen hätte, in Selbstversorgereinheiten, wäre das meines Erachtens nur gut gewesen. Aber wir mussten unsere Höfe geschlossen halten. Wenn man das Gefühl hat, es wird willkürlich entschieden, ist das bitter. Viele unserer Ferienhöfe werden als landwirtschaftlicher Betrieb mit Betriebszweig „Beherbergung“ bewirtschaftet, sodass aus steuerlicher Sicht das Gesamtunternehmen betrachtet wird. Bei den November-/Dezemberhilfen sind diese Mischbetriebe nur antragsberechtigt, wenn die Umsätze aus der Vermietung der Ferienwohnungen im Jahr 2019 mindestens 80 Prozent des Gesamtumsatzes betrugen.

Wie schauen Sie auf 2021?

Soyer: Jeder Monat Stillstand kostet die Ferienbetriebe in Deutschland 100 Millionen Euro Umsatz. Das sind die Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Landtourismus. Wir sehen im Moment kein Licht am Ende des Tunnels. Viele Vermieter resignieren.

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