Meistertitel im Fußball

Was die SG Bertoldshofen/Sulzschneid und den FC Bayern verbindet

Nach vier Jahren ist die SG Bertoldshofen/Sulzschneid am Ziel: Christian Rauch (links) und Dominik Brugger erhalten stellvertreten den Meisterteller und steigen mit ihrer Mannschaft in die Kreisklasse auf.

Nach vier Jahren ist die SG Bertoldshofen/Sulzschneid am Ziel: Christian Rauch (links) und Dominik Brugger erhalten stellvertreten den Meisterteller und steigen mit ihrer Mannschaft in die Kreisklasse auf.

Bild: Heinz Budjarek

Nach vier Jahren ist die SG Bertoldshofen/Sulzschneid am Ziel: Christian Rauch (links) und Dominik Brugger erhalten stellvertreten den Meisterteller und steigen mit ihrer Mannschaft in die Kreisklasse auf.

Bild: Heinz Budjarek

Die SG Bertoldshofen/Sulzschneid ist in Feierlaune. Die Fußballer steigen in die Kreisklasse auf. Wie Spielertrainer Moll den Erfolg beurteilt.
15.06.2022 | Stand: 15:30 Uhr

Wahrscheinlich haben die Fußballer tagelang gefeiert. Denn vier Jahre nach dem Zusammenschluss der Männermannschaften des TSV Bertoldshofen und des FC Sulzschneid zu einer Spielgemeinschaft ist ein großes Ziel erreicht: der Gewinn der Meisterschaft in der A-Klasse 5 und damit der Aufstieg in die Kreisklasse. Mit 14 Punkten Vorsprung gewann sie vor dem SV Bidingen, der ebenfalls aufsteigt. Dass ausgerechnet Bidingen der SG am letzten Spieltag einen Knockout versetzte, schmerzt Max Moll (27). Seit Sommer 2020 ist er Spieltrainer und somit Nachfolger seines Vater Werner Moll.

Was den Trainer immer noch wurmt

Hätte das sein müssen mit der 2:4-Niederlage im letzten Spiel gegen Bidingen?

Max Moll: Das war absolut vermeidbar. Das stinkt mir heute noch. Wir haben nicht die Leistung gebracht, die wir bringen können. Es war erkennbar, dass nach dem Gewinn des Meistertitels die Anspannung raus war. Dadurch haben wir die letzten Prozent nicht mehr auf den Platz bekommen.

War das der FC Bayern-Effekt? Der Verein hat auch nach dem vorzeitigen Titelgewinn nachgelassen, was Felix Magath, dem Trainer der abstiegsbedrohten Berliner Hertha, gewaltig gestunken hat. Denn bei einem Sieg der SG wäre nicht Bidingen, sondern der TV Irsee aufgestiegen.

Moll (lacht): Das hatten wir uns anders vorgenommen. Aber irgendwie war die Luft raus und die absolute Überzeugung an diesem Tag nicht mehr spürbar.

Welche Serie die SG Bertoldshofen/Sulzschneid hingelegt hat

Lesen Sie auch
##alternative##
Fußball Kreisklasse

Klares Ziel vor den Augen - Pforzen nimmt erneut Anlauf

Dabei war die Serie zuvor mit 22 Siegen in Folge fantastisch. Am Ende hatte ihre Mannschaft 67 Punkte und ein Torverhältnis von 89:24. Florian Endraß mit 24 und Franz Brugger mit 15 Treffern führen die Torschützenliste an.

Moll: Das war wirklich eine super Sache. Ich selbst hatte so etwas noch nie erlebt. Die Siege waren vor allem in der Rückrunde sehr deutlich. Meist waren die Spiele schon zur Halbzeit entschieden. In der Hinrunde hatten wir manchmal Glück, aber dann sind wir auf einer Euphoriewelle geschwommen. Wenn Du oben stehst, bist Du oftmals selbstsicherer und überzeugt, dass Du auch bei einem Rückstand das Spiel noch gewinnst. Das gibt Selbstbewusstsein. Wir hatten auch eine extrem gute Torausbeute. Der Schlüssel zur Meisterschaft war die gute Abwehr mit einem super Torwart. Wir hatten mit Abstand die wenigsten Gegentreffer in der Liga. Und vorn hatten wir gute Torschützen.

Mussten sie die Mannschaft als Spielertrainer überhaupt noch motivieren oder war das fast ein Selbstläufer?

Moll: Die Situation als Spielertrainer ist nicht leicht. Du versuchst, selbst Deine Leistung zu bringen, musst aber zugleich den Blick auf Deine Spieler auf dem Platz und Deine Auswechselspieler behalten und Dir je nach Situation vielleicht eine andere Taktik überlegen.

Dabei bringen Sie viel Erfahrung als ehemaliger Bayernliga-Spieler mit.

Das waren für die Fußballer die Höhepunkt der Saison

Moll: Ich habe erst bei der Jugend in Memmingen Bayernliga gespielt, dann drei Jahre in Kottern und ein Jahr in Wolfratshausen. Mit Kaufbeuren war ich in der Landesliga. Aber da konnte ich mich rein aufs Fußballspielen konzentrieren. Jetzt ist es eine ganz andere Erfahrung. Ich verstehe manche Entscheidung meiner früheren Trainer besser und warum es schwer ist, allen gerecht zu werden.

Inwiefern?

Moll: Zum Beispiel bei Ein- und Auswechslungen. Ich muss in Sekundenbruchteilen während des Spiels entscheiden, wer Dir weiterhelfen könnte.

Erklären Sie anschließend solche Entscheidungen?

Moll: Ja, entweder der Mannschaft oder in Einzelgesprächen. Ich pflege eine offene Kommunikation. Das ist extrem wichtig für die Mannschaft. Wir sind inzwischen eine so homogene Truppe, in der jeder dem anderen gönnt, dass er spielt.

Was waren Glanzpunkte der Saison?

Moll: Das sind allgemein die Derbysiege gegen Biessenhofen-Ebenhofen oder Bidingen.

Wie haben Sie gefeiert?

Moll: Ich war nicht bei allen Feierlichkeiten dabei, aber wir haben schon das ein oder andere mitgenommen. Die Mannschaft war auch für ein paar Tage auf Malle.

Welchem Fußballer der Zopf abgeschnitten wurde

Es sind auch alte Zöpfe abgeschnitten worden.

Moll (lacht): Franz Brugger hat seine Mähne von Christian Rauch geschnitten bekommen. Nach der Niederlage im Relegationsspiel gegen Friesenried vor drei Jahren hat er gesagt, die Haare kämen erst beim Aufstieg ab.

Den Aufstieg hat damals Ihr Vater verpasst. Aber er hat in der SG die Grundlagen gelegt. Ist der Meistertitel also auch ein Erfolg der Familie Moll?

Moll: Auf jeden Fall. Ich konnte die gute Arbeit ausbauen. Die Mannschaft war technisch und taktisch in einer guten Form. Ich bin inzwischen der Dritte aus der Familie, der nach Vater und Großvater beim TSV Bertoldshofen oder nun bei der SG Trainer ist.

Wie läuft es grundsätzlich nach dem Zusammenschluss zur SG?

Moll: Es wird einem viel abgenommen, sei es von Klaus Rohde, Gerhard Schmid oder Manfred Enzensberger, sei es von Co-Trainer Andreas Teibtner, Max Mayr oder Torwarttrainer Markus Neuber. All das trägt zu dem Erfolg bei, den wir jetzt haben.

Wie es nun weitergeht bei der SG Bertoldshofen/Sulzschneid

Bleiben Sie in der nächsten Saison Spielertrainer?

Moll: Ja, auf jeden Fall.

Was wird sich innerhalb der Mannschaft ändern?

Moll: Wir bekommen mit Tobias Neuber aus Pfronten, einem ehemaligen deutschen Spitzenskifahrer, einen ehrgeizigen Torwart hinzu. Abgänge haben wir in der Mannschaft bisher keine. Nach dem Aufstieg wollen alle die vielen Derbys mitnehmen. Das wird viele Zuschauer anlocken.

Wie sind die Erwartungen?

Moll: Ich möchte mit meiner Mannschaft in der Liga eine Rolle spielen. Wir sind nicht aufgestiegen, um uns zu verstecken, sondern attraktiven, mutigen Fußball spielen. Außerdem müssen wir gegen Bidingen noch etwas gutmachen.

Lesen Sie auch: Luca (14) aus dem Allgäu beim Zugunglück in Garmisch verletzt: Er saß in diesem Waggon

Auch Bundesministerin Steffi Lemke ist vom Schwindenmoos bei Sulzschneid begeistert