Lockdown

Wie Corona Musiker in der Weihnachtszeit ausbremst: Ein Marktoberdorfer Dirigent erzählt

Stefan Wolitz aus Marktoberdorf leitet neun Ensembles. Als Musiker leidet er besonders unter dem derzeitigen Lockdown.

Stefan Wolitz aus Marktoberdorf leitet neun Ensembles. Als Musiker leidet er besonders unter dem derzeitigen Lockdown.

Bild: Chorverband Bayerisch-Schwaben

Stefan Wolitz aus Marktoberdorf leitet neun Ensembles. Als Musiker leidet er besonders unter dem derzeitigen Lockdown.

Bild: Chorverband Bayerisch-Schwaben

Gerade im Advent finden üblicherweise zahlreiche Konzerte statt. Die Corona-Pandemie bremst die Musiker aber aus. Wie Dirigent Stefan Wolitz diese Zeit erlebt.
04.12.2020 | Stand: 12:38 Uhr

Kunst ist ein gemeinschaftlicher Prozess und nicht durch Medien zu ersetzen. Der Musiklehrer und Dirigent Stefan Wolitz sagt diesen Satz nicht nur. Er lebt ihn. Der derzeitige Corona-Lockdown trifft ihn und viele weitere Musiker besonders hart. „Es tut uns so leid, dass das Weihnachtskonzert heuer nicht stattfinden kann“, sagt er als Leiter des Marktoberdorfer Carl Orff Chores. Es war für den 20. Dezember in der Stadtpfarrkirche St. Martin geplant – wie immer also am 4. Adventssonntag. Es wäre das 13. gewesen, das er dirigiert.

Auch das jedes Jahr freudig erwartete weihnachtliche Konzert des Marktoberdorfer Gymnasiums fällt dem Lockdown zum Opfer. Dabei sei diese Begegnung mit den Eltern unverzichtbar. Jetzt aber dürfe er mit seinen Chören nicht einmal proben. Aber es sei wie es ist, sagt Wolitz immer wieder. Alle müssten in dieser Zeit solidarisch zusammenhalten. „Der Hunger nach der Seelennahrung bleibt jedoch.“ Diesen Hunger spüre er auch bei seinen Sängern und vielen anderen Menschen.

"Alle wollen, aber können nicht"

Gerade in Marktoberdorf gehöre die Chormusik traditionell dazu, sagt Wolitz. Heuer seien viele Pläne leider nicht zu realisieren gewesen. Wie zum Beispiel ein Konzert zum 125. Geburtstag von Carl Orff, das der Carl Orff Chor mit der Schwäbischen Chorakademie – ebenfalls von Wolitz geleitet – gerne im September gegeben hätte. Die Sänger hoffen nun, dieses Projekt im kommenden September verwirklichen zu können. „Dann halt zum 126. Geburtstag von Orff.“ Aber auch mit jedem seiner anderen Ensembles hatte der Chorleiter Pläne, die Corona durchkreuzt hat. „Alle wollen, aber können nicht“, beschreibt er die Stimmung in der Musikwelt.

Aber Wolitz nutzt die Zeit, kommende Projekte vorzubereiten, „Projekte, auf die ich und die anderen sich freuen können.“ Am Klavier zu arbeiten sei ja noch möglich. Auch das Orgelspiel sei ihm nicht verwehrt. Der Musikunterricht, der unter den derzeitigen Bedingungen noch stattfinden könne, geschehe in guter Stimmung. Alle gemeinsam hofften jetzt auf eine gute Zukunft. Dies Hoffnung setze positive Kraft frei. „Sobald es wieder möglich ist, soll die Seelennahrung wieder ihren Platz finden.“ Die Freude am gemeinsamen Musizieren vor Publikum sei dann um so größer.

Zurzeit findet er es besonders schade, mit den Schülern keine Adventslieder singen zu können. Er hoffe, dass dafür in den Familien um so mehr gesungen werde. Den Sängern seiner Ensembles schicke er im Advent – ganz konventionell – Postkarten. Er wolle damit einen Impuls setzen, gemeinsam einer hoffnungsvollen Zukunft entgegenzugehen. Natürlich helfen auch E-Mails, den Kontakt zu halten.

Dafür ein musikalischer Gruß im Internet

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Das Internet nutzt auch der Carl Orff Chor, um mit seinem treuen Stammpublikum in Kontakt zu bleiben: Auf seiner Homepage wird am vierten Adventssonntag ein musikalischer Gruß zu finden sein: Zu hören ist das Stille Nacht in einem Satz von Manfred Beulecke – das Stille Nacht also, das alljährlich beim Weihnachtskonzert vom Publikum so geschätzt wird. „Wir wollen damit ein postiives Signal für nächstes Jahr senden“, sagt Wolitz.