Lebensraum Moor

Wie das Moor die Geschichte von Marktoberdorf geprägt hat

So war es früher einmal auch rund um Marktoberdorf: Torf wurde in handlichen Stücken, sogenannten Soden, gestochen und vielfach auch zum Heizen verwendet.

So war es früher einmal auch rund um Marktoberdorf: Torf wurde in handlichen Stücken, sogenannten Soden, gestochen und vielfach auch zum Heizen verwendet.

Bild: Fotos: privat/Stefanie Gronostay

So war es früher einmal auch rund um Marktoberdorf: Torf wurde in handlichen Stücken, sogenannten Soden, gestochen und vielfach auch zum Heizen verwendet.

Bild: Fotos: privat/Stefanie Gronostay

In Marktoberdorf erzählen Experten von ihren Erlebnissen und ihrer Arbeit in dem besonderen Lebensraum. Was sie vereint und was es mit dem Russenstadel auf sich hat.
04.11.2021 | Stand: 09:00 Uhr

Fünf Gäste hatte Monika Schubert in die Filmburg Marktoberdorf zu einer Gesprächsrunde eingeladen. „Moorgeschichten“ hieß die Veranstaltung, die im Rahmen der Ostallgäuer Klimawoche stattfand. So unterschiedlich die Teilnehmer auch waren, sie hatten doch eines gemeinsam: ihre Faszination für den Lebensraum Moor. Auf der Bühne der Filmburg beleuchteten die Experten das Ökosystem aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Sie erklärten beispielsweise, was Ostallgäuer Ortsnamen mit dem Moor zu tun haben, warum bei Sulzschneid ein Russenstadel zu finden war und wie sich die Moore im Laufe der Jahre entwickelt haben.

Monika Schubert verbindet das Moor mit ihrer eigenen Kindheit. Die Betreiberin der Filmburg erinnert sich noch gut an die Tage, als ihre Mutter Wanda Schubert-Helfferich sie regelmäßig mit ins Moor nahm, um zu malen. „Meiner Mutter habe ich die Faszination für das Moor zu verdanken“, sagte sie. An Schuberts Seite saß an diesem Abend ebenfalls ein Künstler, der das Moor zum Mittelpunkt seiner Werke macht. Max Schmelcher aus Scheidegg (Westallgäu) ist akademischer Bildhauer und fertigt Skulpturen aus Moormasse. Bereits als Kind entdeckte Schmelcher das Moor, indem er in Moorlöchern badete. „Dabei habe ich gemerkt, das Moor ist gar nicht so gefährlich, wie es scheint.“ Heute formt Schmelcher aus der Moormasse die unterschiedlichsten Figuren. Von Schmetterlingen über Köpfe bis hin zu Tieren: „Der Trocknungsprozess kann dabei bis zu mehrere Jahre dauern“, sagte der Künstler.

Auch Kuno Futterknecht vom Heimatverein Pfronten ist fasziniert vom Moor. Er beschäftigt sich schon seit vielen Jahren damit und hat sich viel über das Ökosystem angelesen. Futterknecht zeigte Dias aus einer Zeit, in der noch Torf gestochen wurde. Die Torfblöcke wurden anschließend zum Trocknen übereinander gestapelt und an Steelen befestigt. Diese Türme konnten teils meterhoch werden, erklärte Futterknecht.

Heute seien vielerorts noch die Steelen zu finden, sagte Simone Reylaender, Projektmitarbeiterin bei der Allgäuer Moorallianz. Reylaender setzt sich für die Renaturierung und Erhalt der Allgäuer Moorlandschaften ein. Die Allgäuer Moorallianz ist ein Naturschutzgroßprojekt, das sich auf die Moorgebiete im Alpenvorland zwischen Iller und Lech erstreckt. Das Projektgebiet umfasst über 186.500 Hektar im Ostallgäu und Oberallgäu. Darin sind beispielsweise auch die Sulzschneider Moore enthalten.

Bei Sulzschneid stand während des Ersten Weltkriegs der sogenannte Russenstadel. Dort waren russische Kriegsgefangene untergebracht, die Arbeitsdienst leisten mussten. Sie wurden zur Entwässerung des Geltnachtals eingesetzt. In diesem Zusammenhang nahm Monika Schubert Bezug auf das Lied „Wir sind die Moorsoldaten“, das 1933 von den Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor geschrieben wurde. Mit einfachen Spaten mussten die Inhaftierten damals das Moor kultivieren.

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Filmburg Marktoberdorf: Gesprächsrunde rund um das Thema Moor

Welch wichtige Bedeutung Moore für die Umwelt haben, erklärte auch Harald Husel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Er ging vor allem auf die Bäume ein, die unter den vorherrschenden Bedingungen im Moor wachsen können. „Die drei Baumarten Birke, Fichte und Kiefer können dort überleben“, sagte er. Dieses Wissen gibt Husel auch im Rahmen von Führungen und Wanderungen an Familien und Kinder weiter. „Das Lernen in der Natur ist ein wichtiger Baustein“, sagt Husel.

Der Marktoberdorfer Biologe Dr. Adrian Schuhbeck kennt sich nicht nur in den Bayerischen Mooren aus, sondern auch in den Mangrovenwäldern Asiens. Schuhbeck hat es in die Entwicklungsarbeit verschlagen. Er arbeitete unter anderem in Papua-Neuguinea und Laos. Auch er betonte in der Gesprächsrunde die Wichtigkeit von Mooren weltweit.

Keine Spur mehr vom Hochmoor

Doch woher kommt das Wort „Moor“ eigentlich? Monika Schubert erklärte, dass es von dem Wort „Moos“ kommt, das ein feuchtes Sumpfgebiet bezeichnet. Diese Herkunft ist auch im Raum Marktoberdorf zu finden. „Im Moos“ sagen die Marktoberdorfer heute immer noch, wenn sie von Marktoberdorf-Nord sprechen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dort noch Torf gestochen. Vom einstigen Hochmoor ist heute keine Spur mehr. Das Gelände wurde nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut. Auch Ortsnamen wie Reinhardsried, Kraftisried und Görisried nehmen Bezug auf das Moor. Der Begriff „Ried“ steht im Oberdeutschen für „Moor“.

Auch das musikalische Rahmenprogramm widmete sich dem Thema des Abends. Opernsänger Patrick Lutz interpretierte unter anderem „Der Erlkönig“ von Franz Schubert. Birgit Brücklmayr, die neue Kirchenmusikerin der Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf, begleitete ihn dabei am Klavier.