Straßenserie in Marktoberdorf

Wo wir in Marktoberdorf unseren historischen Wurzeln begegnen

Die Keltenstraße in Marktoberdorf: Beim Spaziergang über den Alsterberg begegnen wir in der „Keltenstraße“ den Wurzeln unserer Existenz.

Die Keltenstraße in Marktoberdorf: Beim Spaziergang über den Alsterberg begegnen wir in der „Keltenstraße“ den Wurzeln unserer Existenz.

Bild: Heinz Budjarek

Die Keltenstraße in Marktoberdorf: Beim Spaziergang über den Alsterberg begegnen wir in der „Keltenstraße“ den Wurzeln unserer Existenz.

Bild: Heinz Budjarek

Die Marktoberdorfer Stadtväter widmeten die „Keltenstraße“ den ersten sesshaften Bauern in "Oberdorf". Das keltische Erbe hält sich dank mancher Sage.
29.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Straßennamen erzählen Ortsgeschichte: Eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten stecken dahinter. Aber auch Flurnamen sind oft die Namensgeber gewesen. Es ist schon über 30 Jahre her, als Anne Lutz diese Geschichten zusammengetragen hat. Sie erscheinen nun in aktualisierter Form. Heute: die Keltenstraße in Marktoberdorf.

Beim Spaziergang über den Alsterberg begegnen wir in der „Keltenstraße“ den Wurzeln unserer Existenz. Ihre Konturen verschwimmen zwar noch ein wenig im frühgeschichtlichen Nebel, aber die keltischen Stämme der Vindelizier, Estionen und Licatier (der Lechbewohner also) waren immerhin die ersten Siedler zwischen Donau und Alpen, die die Geschichtsschreibung beim Namen nennt.

Marktoberdorfer Stadtväter widmeten den Straßennamen den Kelten

Ob Kelten auch in Oberdorf ansässig waren, ist ungewiss. Den Streit um die Frage, ob die Damm- und Wallspuren auf der Buchel Reste einer keltischen Viereckschanze sind, überlassen wir der Wissenschaft. Es genügt zu wissen, dass dieses tüchtige Kulturvolk 400 Jahre lang in unserem Gebiet ungestört Ackerbau und Viehzucht betrieb, ehe es sich ab 15 vor Christus nach heftigem Widerstand der römischen Militärmacht beugen musste.

Unsere Stadtväter widmeten diesen ersten sesshaften Bauern unter unseren Vorfahren einen Straßennamen. Die Römer dagegen, die den Kelten ihre Herrschaft aufzwangen, gingen leer aus – späte Rache dafür, dass sie in der etwa 400-jährigen „Besatzungszeit“ alle einträglichen Geschäfte an Oberdorf vorbei abwickelten und uns – außer nachhaltigem Einfluss auf unsere Kultur – nur ein paar schäbige Silbermünzen in der Ackerkrume hinterließen.

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An die Kelten erinnern uns heute noch unsere Flussnamen Wertach (Wertaha) und Geltnach (Gelenaha). Auch der geografische Begriff „Keltensteingau“ für das Gebiet zwischen Biessenhofen und Füssen, Wertach und Lech weist auf sie hin.

Kein Wunder, dass die keltischen Götter bis heute mit dem „wilden Heer“ durch die Lüfte geistern

Keltisches Erbe hielt sich über die Christianisierungsversuche der Römer hinweg bis in unsere Zeit in Bräuchen, Festen, Funkenfeuern und mancherlei Sagengestalten. Ein Chronist schreibt dazu: „Während der Westen des Allgäus schon lange Jahre dem Christentum gewonnen war, hielt der Osten noch zäh an dem alten Götterglauben fest. Dies ist die Folge der Entlegenheit dieses Landstriches, der in jenen alten Tagen von keiner wichtigen Verkehrsstraße durchschnitten wurde.“

Da haben wir’s: Uns fehlten die Straßen! Kein Wunder, dass die keltischen Götter bis heute mit dem „wilden Heer“ durch die Lüfte geistern oder als Schimmelreiter über Oberdorfs Fluren spuken.

Ob aber die Bewohner der Keltenstraße heute noch den keltischen „schwarzen Pudel mit den feurigen Augen“ zur Bewachung ihrer unterirdischen Schätze herbeirufen, ist ungewiss. Dagegen gilt als erwiesen, dass der Name „Schuldenberg“ für den Höhenzug, auf dem sie in den 70er Jahren ihre Häuser bauten, nicht keltischen Ursprungs ist, sondern eine Erfindung spitzer Zungen.

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