Gewalt beim Bewerbungsgespräch

Arbeitsloser schlägt Frau mit Handy: Zehn Monate Haft für 53-jährigen Ostallgäuer

Am Amtsgericht Kaufbeuren musste sich ein 53-jähriger Riedener wegen schwerer Körperverletzung verantworten.

Am Amtsgericht Kaufbeuren musste sich ein 53-jähriger Riedener wegen schwerer Körperverletzung verantworten.

Bild: Mathias Wild (Symbolfoto)

Am Amtsgericht Kaufbeuren musste sich ein 53-jähriger Riedener wegen schwerer Körperverletzung verantworten.

Bild: Mathias Wild (Symbolfoto)

Fast ein Jahr Gefängnis für Ostallgäuer wegen schwerer Körperverletzung. Warum der Richter keine Bewährung für den Angeklagten zuließ.
16.09.2021 | Stand: 13:48 Uhr

Wegen mangelnder Einsicht und einschlägiger Vorstrafen muss ein 53-jähriger Ostallgäuer zehn Monate ins Gefängnis. Das entschied das Amtsgericht Kaufbeuren. Er hatte am 31. März einer Sachbearbeiterin eines Personaldienstleisters mit seinem Handy ins Gesicht geschlagen. Die Frau trug eine Prellung davon.

Am Tattag meldete sich der Verurteilte mit seiner Frau beim Unternehmen als arbeitssuchend an. Als die zuständige Sachbearbeiterin den Fragebogen als unzulässig ablehnte, breitete der Täter die Unterlagen auf einem Schreibtisch aus und fotografierte sie mit seinem Smartphone ab – laut eigener Aussage wollte er die Unterlagen per App ins Albanische übersetzen lassen.

Daten an die Mafia verkauft?

Die Sachbearbeiterin beschrieb den Angeklagten als sehr misstrauisch. Er hätte vermutet, dass die Daten „an die Mafia“ verkauft würden. Ein Verhalten, dass sich später im Gericht wiederholte. Denn nach einer Unterredung mit seinem Anwalt und dem anwesenden Dolmetscher kehrte er in den Gerichtssaal zurück und unterstellte beiden eine Zusammenarbeit gegen ihn.

Als die Sachbearbeiterin am Tattag in den Raum zurückkehrte und den Angeklagten mit dem Handy über den Unterlagen hantieren sah, ging sie schnellen Schrittes auf ihn zu, um ihn daran zu hindern und versuchte, die Blätter vom Tisch zu wischen. Daraufhin sah sie „von der Seite“ etwas auf sich zukommen und verspürte einen Schlag auf die linke Wange. „Ich musste erstmal klarkommen, was das jetzt war“, erklärte sie unter Tränen dem Richter. Die Wucht des Schlages bestätigten zahlreiche Fotos, die dem Gericht vorliegen.

Angeklagter und Frau behaupten der Kontakt war versehentlich

Die Behauptung des Angeklagten und seiner Frau, dass der Kontakt versehentlich beim Hin- und Herziehen der Dokumente und dem dadurch in die Luft geschleuderten Handy ausgelöst wurde, konnte nicht bestätigt werden. Die Art der Verletzungen sowie die Zeugenaussagen der hinzugerufenen Beamten erhöhten im Gegenteil die Beweislast. Deren Aussage zufolge zeigte sich der Beschuldigte aggressiv und uneinsichtig. Er hätte zudem „die ganze Zeit gebrüllt“.

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Dem Polizeipräsidium sei der Angeklagte aufgrund seiner aufbrausenden Vorfälle bereits bekannt. Auch vor Gericht musste er mehrfach wegen Zwischenreden, ausladender Gestik oder der versuchten Beeinflussung seiner im Zeugenstand sitzenden Frau ermahnt werden.

Die Chance vom Richter schlug der Angeklagte aus

Die vom Richter angebotene Chance, wenigstens „irgendeine Form von Einsicht“ zu zeigen, um eine drohende Gefängnisstrafe zu verhindern, nahm der Angeklagte nicht wahr – Er sei von der Geschädigten angegriffen worden und sich keiner Schuld bewusst. Eine Ansicht, die er auch während des letzten Wortes mit Nachdruck vertrat.

Aufgrund zweier einschlägiger Vorstrafen, eines Betrugsfalls und der hohen Rückfallgeschwindigkeit, prognostizierte die Staatsanwältin: „Es dauert nicht lange, bis es wieder zu einem Vorfall kommen wird“. Sie forderte im Abschlussplädoyer eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung.

Angeklagte ist bis heute uneinsichtig

Der Verteidiger sah den Tatvorwurf als bestätigt an, forderte aber, die Freiheitsstrafe von neun Monaten zur Bewährung auszusetzen. Das Gericht verhängte eine zehnmonatige Gefängnisstrafe, da „absolut nichts“ für den Angeklagten spreche und die Tat, wie auch schon bei den vergangenen Malen „ohne Grund und mit erheblichen Gewaltpotential“ verübt worden sei. Eine Bewährung sei nicht angemessen, da der Angeklagte „bis heute nicht eingesehen hat, dass nicht die anderen, sondern er die Probleme verursacht.“

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